Florian Krumpöck: Auf der Suche nach der 25. Stunde

20. Juli 2015, 17:32
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Der Pianist über sein Festival, den Kultursommer Semmering

Wien – Wenn Bassist Georg Breinschmid im Kurhaus am Semmering loslegt, könnte er womöglich – bei gewisser Sympathie fürs Transzendentale – den Eindruck gewinnen, bedeutende Kunstgeister würden seinen akustischen Ausführungen folgen. Der Kurtempel war ja einst sommerlich erfrischendes Refugium nicht ganz unbekannter Ruhesucher; u. a. Stefan Zweig, Egon Friedell, Arthur Schnitzler, Karl Kraus, Max Reinhardt, Alma Mahler und Alban Berg waren gerne zugegen.

Auch für den Leiter des Kultursommers – Pianist und Dirigent Florian Krumpöck – ist es unmöglich, die Historie auszublenden: "Dadurch, dass das Kurhaus seit Mitte der 1980er leer steht, strahlt es nostalgischen Charme aus. Ich habe das Gefühl, jederzeit könnten Schnitzler, Mahler oder Altenberg um die Ecke biegen. Ein geradezu sinnliches Vergnügen", so der Wiener, der danach trachtet, "die Tradition der Künstlerkolonie in die heutige Zeit zu übertragen." Kleinkunst möge neben Lesungen "hochkarätiger Schauspieler, Jazz neben Opernstars, Klassik neben neu interpretierter Volksmusik stehen."

Den Besucher erwartet denn auch die quirlige Band Catch-Pop String-Strong ebenso wie Volksoperndirektor Robert Meyer. Auch widmet sich Wolfgang Bankl der Winterreise, während die Wiener Comedian Harmonists heitere Nostalgie verbreiten und Nestroy-Preisträger Nikolaus Habjan Ich pfeif auf die Oper! ruft. Schnitzlers Reigen (ab 21. 8.) ist wiederum die szenische der Produktionen. "Viele unserer Künstler kann man auch woanders hören. Die Programmvielfalt, all diese unverwechselbaren Persönlichkeiten in diesem Ambiente des Kurhauses sehr nahe zu erleben – das allerdings gibt es so nur bei uns! Dazu kommen die sonntäglichen Matineen in familiärer Atmosphäre im Grand Hotel Panhans mit einem anschließenden Mittagessen mit den Künstlern."

"Gewisse Schwierigkeiten geerbt"

Bei Krumpöcks Versuch, "den Semmering wieder zu einem künstlerischen Anziehungspunkt zu machen, bei dem Grenzen zwischen den Genres geöffnet werden", sind natürlich auch Finanzfragen zu klären. Der Intendant nimmt es dabei sportlich, "gewisse Schwierigkeiten geerbt" zu haben. Er ist jedenfalls Niederösterreich dankbar, "auch kurzfristig die Unterstützung" erhöht zu haben. Zudem wären die Gemeinde Semmering und die Mitglieder des Kulturvereins sehr hilfreich gewesen: "Das Festival wäre ohne diese Hilfe undenkbar – vor allem bei der Kurzfristigkeit meiner Jobübernahme. Es wäre auch unmöglich gewesen, wären mir nicht viele befreundete Künstler finanziell entgegengekommen und hätte ich schließlich nicht persönlich die komplette finanzielle Haftung übernommen ..." Bei all dem Aufwand könnte in fast Vergessenheit geraten, dass Krumpöck vor allem ein vielseitiger, vielbeschäftigter Künstler ist.

"Ja, es ist unglaublich viel zu tun, zumal ich, seit ich dirigiere, mehr Klavier üben möchte als früher. Der Anspruch an mich selbst wird immer höher. Gleichzeitig bin ich aber ein logistisches und organisatorisches Antitalent – immer auf der Suche nach der 25. Stunde! Als Festivalleiter habe ich das große Glück, mir alles Wesentliche mit meiner Frau teilen zu können. Nicht nur künstlerische Entscheidungen und Organisatorisches, sondern vor allem auch die große Verantwortung, die man an so einer Stelle trägt." (Ljubiša Tošić, 20.7.2015)

  • Intendant, Dirigent und Pianist Florian Krumpöck.
    foto: philipp horak

    Intendant, Dirigent und Pianist Florian Krumpöck.


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