Nationalisten halten an Kataloniens Unabhängigkeit fest

21. Juli 2015, 07:00
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Regierungschef Mas bringt Regionalwahlen mit Autonomiereferendum in Verbindung

Kataloniens Regierungschef Artur Mas setzt alles auf eine Karte: Der konservative Nationalist will die Regionalwahlen am 27. September zu einer Art Autonomiereferendum machen. Dazu hat seine Convèrgencia Democràtica de Catalunya (CDC) eine gemeinsame Liste mit der Republikanischen Linken (ERC) sowie separatistischen Bürgerplattformen geschmiedet. Sollte diese Liste – unter den Kandidaten ist auch der prominente Trainer des FC Bayern München Pep Guardiola – gewinnen, sähe dies Mas als Auftrag, die Region rund um Barcelona in die Unabhängigkeit zu führen.

Mas appelliert an alle, die bei der unverbindlichen Bürgerbefragung im November 2014 für ein eigenständiges Katalonien waren, auch dieses Mal seine Liste zu wählen. Rund 80 Prozent stimmten für die Unabhängigkeit, die Wahlbeteiligung lag bei 30 Prozent. "Wenn wir die Gelegenheit nicht nutzen, wird uns Madrid gnadenlos überrollen."

CiU gespalten

Es wird nicht leicht für Mas, denn auch seine eigene Parteienkoalition Convergència i Unió (CiU) – ein Bündnis aus CDC und Union, die jahrzehntelang in Katalonien den Ton angab – hat sich in der Frage gespalten. Die Union wird erstmals selbstständig antreten: Die Christdemokraten wollen zwar auch in Richtung Unabhängigkeit, aber erst nach Verhandlungen mit Madrid und nach einer offiziellen Volksabstimmung, wie etwa jener in Schottland 2014.

Doch auch Mas' Gegner rücken enger zusammen. Podem (der katalanische Ableger von Podemos rund um Pablo Iglesias) schmiedet ein Bündnis mit mehreren linken Kräften, darunter die ökosozialistische ICV. Das Bündnis tritt zwar für einen Volksentscheid ein, macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass eine Loslösung von Spanien nicht gewünscht wird.

"Ich misstraue Herrn Mas", erklärte Iglesias am Montag und trat für einen verfassungsgebenden Prozess für ganz Spanien ein. Iglesias wirft Mas vor, in den vergangenen Jahren "der beste Verbündete" der Regierungen in Madrid gewesen zu sein, denn Mas habe die gleiche Austeritätspolitik verfolgt. "Wir wollen über alles entscheiden", fügt ein Sprecher des künftigen Linksbündnisses hinzu, "nicht nur über unsere Beziehung zu anderen Völkern, sondern auch über das soziale und wirtschaftliche Modell." Mas habe die "Souveränität sinnentleert und in die Hände der Finanzmächte" gelegt.

Mas überlässt Spitzenposition Romeva

Mas weiß um seine letzthin gesunkene Popularität. Er überlässt daher den ersten Platz auf seiner Liste Raül Romeva, einem ehemaligen ökosozialistischen EU-Abgeordneten, der von der ICV in den separatistischen Block übergelaufen ist.

Der in Madrid regierende Partido Popular (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy wirft Mas vor, die Verfassung aushebeln zu wollen. "Katalonien war nie unabhängig und wird es auch nie sein", erklärte PP-Sprecher Pablo Casado und fügte einen Satz hinzu, der so manchen an alte Zeiten erinnert: "Spanien ist eine freie Nation und unteilbar." Unter Diktator Francisco Franco war Spanien auch "eins, groß und frei".(Reiner Wandler aus Madrid, 21.7.2015)

  • Kataloniens Regierungschef Artur Mas: "Wenn wir die Gelegenheit nicht nutzen, wird uns Madrid gnadenlos überrollen."
    foto: reuters/andrea comas

    Kataloniens Regierungschef Artur Mas: "Wenn wir die Gelegenheit nicht nutzen, wird uns Madrid gnadenlos überrollen."

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