Das neue Dekolleté: Schulterfrei!

Kolumne22. Juli 2015, 05:30
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In der Mode gibt's kein Sommerloch: Vor einem Jahr ging es um Shorts und Oberschenkellücke, jetzt werden reihenweise die Schultern freigelegt

Der Schweiß rinnt in Strömen – und im Internet gibt's trotzdem kein Erbarmen. Sommerpause? Von wegen. Stattdessen Körperbefindlichkeiten ohne Ende. In der Vergangenheit ging es im Netz um die Lücke zwischen den Oberschenkeln. Sie konnte damals angesichts kneifender Shorts nicht groß genug sein. Jetzt rückte die Aufmerksamkeit einige Zentimeter höher. Um genauer zu sein, in Schulterhöhe.

foto: ap/thibault camus
Dakota Johnson in ihrem schulterfreien Outfit bei der Paris Fashion Week im März.

Was sich im letzten Jahr mit dem Comeback der rundherum großzügig ausgeschnittenen, flatterhaften Carmenbluse schon ankündigte, ist zur modischen Gewissheit geworden. Die nackte Schulter zu zeigen ist das neue Ding. Es gilt allerdings Entwarnung: Mit den zurechtgezupften Kurzhaarfrisuren verglommener Schlagersternchen und Volksmusikstars ist sie dabei nicht mehr in Zusammenhang zu bringen. Stattdessen lassen Frauen internationalen Formats die Oberteile rutschen: Die New Yorker Modebloggerin Leandra Medine zum Beispiel und natürlich die "Fifty Shades of Grey"-Protagonistin Dakota Johnson. Letztere tauchte während einer Dior-Show schwarz und schulterfrei auf.

Don't know what vineyard living is like but know that posing in a vineyard is pretty similar to posing anywhere else

Ein von Leandra Medine (and Cohen) (@leandramedine) gepostetes Foto am

Körperliche Vorbehalte? Gibt's obenrum natürlich genauso wie zuvor bei den Oberschenkeln. Der Ausschnitt mache nicht an jeder Frauenschulter was her, so die landläufige Meinung. Und wer glaubt, der großzügige Ausschnitt gebe vor allem gemeinsam mit starken Oberarmen eine rutschfeste Paarung ab, hat noch nicht die aktuelle Aufregung in den sozialen Netzwerken mitbekommen. Die kann eigentlich nur mit den vielen schulterfreien Shirts und Blusen, die derzeit diese Körperregion freilegen, im Zusammenhang stehen.

Seit einiger Zeit werden im Internet Wettbewerbe veranstaltet, die das "Weniger ist mehr", das Magere, das Dürre feiern. Diesmal im Visier: Schulterblätter, Oberarme und alles drumherum. #CollarboneChallenge heißt der Spaß, der von China aus das Internet aufrollte. Welches Schlüsselbein ist am knochigsten, welche Schlüsselbeingrube am tiefsten? Um die Qualität der Knöchelchen oberhalb des Dekolletés mess- und sichtbar zu machen, reihen junge Frauen allen Ernstes aufrecht stehende Münzen in ihrer Schlüsselbeingrube auf.

Ein solcher Irrsinn wird uns allerdings nicht davon abhalten, die Schultern auszupacken. Die Temperaturen lassen ja eigentlich auch keine andere Wahl. (Anne Feldkamp, 22.7.2015)

Eine Auswahl schulterfreier Modelle

foto: hersteller
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