Unerwarteter Geldregen für Sepp Blatter

Video20. Juli 2015, 14:23
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Ein Bild mit Symbolkraft: Scheidender FIFA-Präsident von britischem Comedian auf Pressekonferenz blamiert: "Das ist für Nordkorea 2026"

Zürich – "Ich lebe noch", sagte Joseph Blatter am Montag in Zürich. "Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Wellen des Tsunami am 27. Mai in Zürich mich weggespült haben. Nein, ich bin noch hier! Ich bin immer noch der gewählte Präsident."

Zumindest für sieben Monate. Am 26. Februar 2016, knapp zwei Wochen vor Blatters 80. Geburtstag, wird ein neuer Fifa-Präsdent gewählt. Darauf verständigte sich des Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes. Der Festsetzung des Termins ist als Sieg Blatters zu werten. Der Schweizer, der am 2. Juni als Folge des Korruptionsskandals seinen Rücktritt angekündigt hatte, hatte für einen späten Termin plädiert. Europas Vertreter in der Fifa wollten die Wahl noch Ende des Jahres abhalten.

Wer um das Amt kandidieren wird, ist noch offen. Erwartet wird ein Antreten von Michel Platini. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge will sich der Präsident des europäischen Fußballverbandes (Uefa) in den nächsten zwei Wochen entscheiden. Laut dpa wurde der Franzose (60) von zahlreichen Nationen um eine Bewerbung gebeten. Demnach soll er die Zusagen der Konföderationen aus Europa, Asien, Südamerika und Nord- und Zentralamerika haben.

Blatter ist gespannt

"Ich bin selbst gespannt, wer der neue Präsident werden wird", sagte Blatter. Seine Pressekonferenz hatte er um einige Minuten verschieben müssen. Der britische Komiker Simon Brodkin stürmte das Podium und bewarf den Schweizer mit Geldscheinen. "Das ist für Nordkorea 2026", rief Brodkin, "als Botschafter des nordkoreanischen Fußballs bin ich froh, dass ich einen Deal mit der Fifa und Nordkorea für die WM 2026 abschließen konnte." Blatter sagte, dies habe "mit Fußball nichts zu tun". Er ließ Brodkin vom Sicherheitsdienst abführen. "Das ist jemand, der nicht gut erzogen ist."

Sollte Platini, einer der schärfsten Kritiker Blatters, tatsächlich Fifa-Boss werden, könnte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutscher Fußball-Bundes (DFB), dem Franzosen als Uefa-Chef folgen. Dieser Uefa-Plan stößt allerdings auf Kritik – vor allem, weil Platini durch Vorwürfe der Vetternwirtschaft schwer belastet ist.

Für Reformen im Fußball war zuletzt ausgerechnet Blatter eingetreten, der in seinen verbleibenden Monaten an der Spitze die Erneuerung selbst auf den Weg bringen will und sogar mit einem Verbleib im Amt kokettierte. Am Montag sagte er: "Ich kann nicht der neue Präsident sein, weil ich ein alter Präsident bin." Am 26. Februar werde die Fifa einen neuen Chef haben.

ÖFB-Präsident Leo Windtner gab sich halbwegs zufrieden: "Es ist nun ein definitives Datum fixiert und damit ein klares Signal für eine neue Zukunft gesetzt. Die Fifa hat dringenden Handlungsbedarf, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Fifa muss diese Chance für einen Neustart nutzen, damit Akzeptanz und Anerkennung im Weltfußballverband zurückkehren."

Kein Ruhestand

An Ruhestand denkt Blatter aber noch nicht. "Ich denke, ich werde zu meiner Arbeit, meinem Hobby zurückkehren, als Journalist. Dieses Mal wird es das Radio sein. Das Radio ist das populärste Medium, man kann 24 Stunden Radio hören. Es ist einfacher zu sprechen als zu schreiben", sagte der 79-Jährige.

Außerdem teilte Blatter mit, dass eine Kommission mit einer unabhängigen Persönlichkeit an der Spitze die Reformen bei der korruptionsgeschädigten Fifa überwachen und leiten soll. Dafür werde die Taskforce "Reformen" mit jeweils zwei Vertretern der Verbände aus Asien, Afrika, Europa und Nord- und Mittelamerika sowie je einem Repräsentanten aus Südamerika und Ozeanien gegründet.

Das Exekutivkomitee des Verbands beriet am Montag auch über Reformen beim Bewerbungsverfahren um die Ausrichtung künftiger WM-Turniere. So sollen Bewerber keine Projekte zur Förderung des Fußballs im Ausland mehr finanziell unterstützen dürfen. Außerdem liegt der Plan auf dem Tisch, wonach potenzielle WM-Gastgeber künftig die Standards der Vereinten Nationen (UN) bei Menschen- und Arbeitsrechten umsetzen müssen. (sid, APA, red, 20.7. 2015)

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