Der Einfädler des Tennisspielers

20. Juli 2015, 14:02
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Trainer Günter Bresnik über Thiems schwache Leistungen im Daviscup: "Nicht relevant, was ein paar Ahnungslose ohne Hirn von sich geben"

Kitzbühel/Wien – Es ist eine makabre Laune des Tennis, dass Dominic Thiem just am Tag nach seinen mäßigen Vorstellungen im Daviscup gegen die Niederlande als Nummer 26 der Weltrangliste geführt wird. So gut ist der 21-jährige Niederösterreicher noch nie platziert gewesen. Dabei hätte er in Kitzbühel angesichts der Niederlagen gegen Thiemo de Bakker und Robin Haase am liebsten "gekotzt. Ich muss lernen, meinen Stiefel runterzuspielen."

Trainer Günter Bresnik weilt seit Sonntag in New York, das Einzel gegen Haase hat er sich erspart. Um Kritikern vorzubeugen, sagt er: "Er muss lernen, auch alleine seine Leistung zu bringen."

In sozialen Netzwerken wird Thiem und auch Bresnik mitunter jegliches Können abgesprochen. Dem Trainer ist das völlig wurscht. "Und ich hoffe, dem Dominic auch. Es ist nicht relevant, was ein paar Ahnungslose ohne Hirn von sich geben. Der Auftritt in Kitzbühel war sicher nicht gut, aber er war kein Malheur." Thiem könne sich, so Bresnik, jederzeit in den Spiegel schauen. "Er lebt ein sauberes Sportlerleben."

Dass er unmittelbar nach Wimbledon einen einwöchigen Urlaub eingeschoben hat, "hat mit dem Daviscup nichts zu tun. Es war genug Zeit, um sich vorzubereiten. Irgendwann muss man ja abschalten." De Bakker wie Haase liegen im Computer deutlich hinter Thiem. Rein theoretisch hätte er mit breiter Brust auf dem Platz stehen können. Was für Bresnik allerdings ein Wahnwitz gewesen wäre. "Weil es vertrottelt ist, ausschließlich nach der Rangliste zu gehen. Die Nummer 150 kann die Nummer zehn jederzeit schlagen. Dominic weiß das."

Tennis funktioniere diesbezüglich anders als etwa die Leichtathletik. "Habe ich über 100 Meter eine Bestzeit von zehn Sekunden, kann ich gegen einen, der zwölf Sekunden stehen hat, nicht verlieren. Es sei denn, ich stürze."

Thiems Stärke und manchmal auch Schwache sei sein "schwieriges Spiel. Er muss lernen, mit seinem Werkzeug umgehen zu können. Er benötigt mehr Konstanz, mehr Wucht." Bresnik gibt zu, "dass er bei zu vielen Partien im Jahr noch nicht seine Leistung bringt." Wie das geändert werden kann? "Hartes Training, er braucht ständig Erfolgerlebnisse."

Da Österreich eine Skination ist, bemüht Bresnik folgenden Vergleich: "Mir ist ein Slalomläufer, der runterfetzt und möglicherweise beim elften Tor einfädelt lieber, als einer, der vorsichtig um die Stangen kurvt und irgendwo im Mittelfeld landet."

Thiem sagte in Kitbühel, er sei nervös gewesen. Bresnik stimmt dem prinzipiell zu. "Aber die Nerven waren letztendlich nicht Schuld." Die Daviscup-Bilanz ist vorerst desaströs, vier Spiele, vier Niederlagen. Im nächsten Jahr geht es in der zweitklassigen Euro-Afrika-Zone weiter. Thiem möchte die Scharte "ausmerzen".

Respektlos

Ein Loser-Image lässt sich Bresnik nicht umhängen. "Darüber lache ich nicht einmal, er hat heuer das Turnier in Nizza gewonnen. Und es wird sicher weitere Siege geben." Auch Jürgen Melzer bleibt nicht gerade als herausragender Daviscupper in Erinnerung. Der 34-Jährige war einst die Nummer acht der Welt. Bresnik: "Es ist respektlos, wie man mit ihm umgegangen ist. Bist du Spitzensportler, muss dir das Image egal sein. Ein Image ist das Problem jener Leute, die es einem verpassen."

Thiem schlägt in dieser Woche in Umag auf. In Kitzbühel hatte er erklärt, momentan keine große Lust auf Tennis zu haben. Er wurde für diese Aussage abgewatscht. Bresnik: "Hätte er im Frust sagen sollen, er freut sich wahnsinnig darauf? Niederlagen schmerzen ihn besonders. Und das ist gut für die Entwicklung." (Christian Hackl – 20.7. 2015)

  • Die Trauben hingen für Dominic Thiem beim Daviscup gegen die Niederlande zu hoch.
    foto: apa/schlager

    Die Trauben hingen für Dominic Thiem beim Daviscup gegen die Niederlande zu hoch.

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