Gold gerät in Chinas Abwärtssog

20. Juli 2015, 11:32
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Das Fünfjahrestief von Gold ist dem Börsenkrach in China geschuldet, meinen Experten. Den Kurssturz halten sie für überzogen

Frankfurt/Wien – Unter dem starken Dollar und den näherrückenden Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed leidet der Goldpreis schon seit längerem. Der Absturz des Goldpreises zum Wochenauftakt keimte diesmal jedoch eindeutig an der Börse in Schanghai: Bei ungewöhnlich hohen Umsätzen rasselte der Preis für das Edelmetall um vier Prozent in die Tiefe auf ein Fünfjahrestief bei knapp 1090 US-Dollar, bevor sich der Kurs im europäischen Handel wieder leicht erholte.

Rohstoffanalyst Daniel Briesemann von der Commerzbank sieht dies als Kollateralschaden jener Maßnahmen, mit denen sich Peking gegen den Abverkauf am Aktienmarkt gestemmt hat. Demnach sind wegen der jüngsten Reglementierungen in China Aktienpositionen kaum mehr zu verkaufen. "Wer Geld benötigt, muss auf andere Anlageklassen zurückgreifen", folgert Briesemann. Geld benötigen im Reich der Mitte viele – aber besonders dringend jene, die sich mit kreditfinanzierten Aktienkäufen die Finger verbrannt haben.

"Was am Goldmarkt im Moment abgeht, ist aber ganz klar eine Übertreibung", meint der Analyst. Allerdings könne dieses Überschießen nach unten durchaus noch anhalten, mittelfristig rechnet Briesemann jedoch wieder mit einem höheren Goldpreis. Ähnlich stuft Rohstoffexperte Ole Hansen von der Saxo Bank die Situation am Goldmarkt ein: "Wir rechnen damit, dass Gold nicht unter die Marke von 1080 US-Dollar je Feinunze fällt und sich bis zum Ende des Jahres wieder stabilisiert." (Alexander Hahn, 21.7.2015)

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