Frankreich: Gemeinde lässt Strand für saudischen König sperren

20. Juli 2015, 15:05
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Medienberichten zufolge macht Salman mit 400 Begleitern Urlaub in Südfrankreich

Paris – Großer Ärger um einen kleinen Strand: Für die Sommerferien des saudi-arabischen Königs Salman wird an der südfranzösischen Mittelmeerküste ein ganzer Strand gesperrt – sehr zum Unmut der übrigen Badegäste. Die kleine Badebucht in der Nähe von Cannes soll im Verlauf der Woche für die königliche Familie abgeriegelt werden, wie Behördenvertreter am Sonntag mitteilten.

Mit einem gewaltigen Tross – von 400 Begleitern ist die Rede – soll der 79-jährige König im Verlauf der Woche in seine Villa in der Gemeinde Vallauris reisen. Das riesige Anwesen thront über dem öffentlichen Mirandole-Strand, einer kleinen Badebucht mit feinem Sand und klarem Wasser, die durch einen Bahndamm von der Gemeinde abgetrennt ist und nur durch einen kleinen Tunnel erreicht werden kann.

foto: reuters/jean-pierre amet
Das ist die kleine Badebucht unterhalb der königlichen Villa, um die es geht.

Sobald die saudische Königliche Garde den Ankunftstag der Herrscherfamilie mitteilt, wird der Strand binnen 24 Stunden gesperrt – "für die Dauer des Urlaubs des Königs", wie Behördenvertreter Philippe Castanet der französischen Nachrichtenagentur AFP sagt. Boote müssen in der Zeit einen Abstand von 300 Metern zum Strand einhalten.

Mehr Rechte als normale Menschen

Die Sonderbehandlung für den reichen Gast sorgt in der Region für Ärger. "Dass sie für ihre Sicherheit sorgen ist normal", empört sich ein Badegast. "Aber sie sollen uns baden lassen." Ähnlich sieht es die Krankenpflegerin Fatima, die mit ihren Töchtern zum Baden an den Strand gekommen ist: "Ob es nun er ist oder ein anderer Milliardär, immer bekommen sie mehr Rechte als die normalen Leute."

Andererseits bringt der König natürlich auch viel Geld für die heimische Wirtschaft mit. "Sie sorgen für gute Geschäfte, wenn sie mit 400 Leuten kommen", sagt Fatima. "Anscheinend wollen sie sogar die Straßen der Gemeinde erneuern."

foto: reuters/jean-pierre amet
"La Mirandole" heißt dieser öffentliche Strand. Im Vordergrund ist der Betonsockel zu sehen, der ohne Genehmigung für einen Aufzug errichtet wurde.

Im Anwesen des Königs selbst herrscht bereits seit einigen Tagen reges Treiben, wie ein Anrainer berichtet. Dutzende Arbeiter seien mit Vorbereitungen beschäftigt, hätten Bäumchen und andere Pflanzen herbeigeschafft und sogar die Fenster an den Balkonen ausgetauscht.

Allerdings waren die Arbeiter offenbar auch ein wenig übereifrig: Schon vergangene Woche begannen sie, am Tunnel unter dem Bahndamm eine Absperrung anzubringen, die Arbeiten wurden aber abgebrochen. Außerdem gossen sie einen Betonsockel für einen Aufzug für den König in den Sand, auch das ohne Genehmigung. Die Behörden drücken jedoch ein Auge zu – die Saudis haben versprochen, die Konstruktion bei ihrer Abreise wieder abzubauen. (APA, AFP, 20.7.2015)

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