Lassen uns nicht "Butter vom Brot nehmen": A1 und Drei gegen Hot

12. August 2015, 09:26
434 Postings

Etablierte Mobilfunker reagieren auf den Erfolg des Diskonters

Der Hofer war's. Seit der Lebensmittelhändler gemeinsam mit dem ehemaligen Telering- und Orange-Chef Michael Krammer den Mobilfunkdiskonter Hot im Jänner dieses Jahres an den Start gebracht hat, weht ein neuer Wind. Handytelefonieren wurde wieder billiger, nachdem zuvor die drei großen Netzbetreiber A1, T-Mobile und Drei Tarife und Gebühren kräftig erhöht haben. Und zwar so stark, dass die Bundeswettbewerbsbehörde Ermittlungen aufnahm.

Der Erfolg von Hot, das Unternehmen zählt laut vorsichtigen Schätzungen bereits über 200.000 Kunden, hat die etablierten Mobilfunker zum Handeln gezwungen. Sie wollen sich nicht kampflos Kunden abjagen lassen.

Weniger Kunden verabschieden sich von A1

So hat A1 seine Billigschienen Yesss und Bob gegen den Newcomer in Stellung gebracht, dafür wurden Tarife gesenkt und die Werbetrommel gerührt. Eine Strategie, die sich bezahlt macht. Im letzten Quartal verlor A1 nur mehr 5.500 Mobilfunkkunden, nachdem sich in den ersten Monaten des Jahres über 49.100 Kunden verabschiedet hatten. Eine Entwicklung, die das Unternehmen in seinem aktuellen Geschäftsbericht positiv sieht.

Auch Drei will sich nicht "die Butter vom Brot nehmen lassen", wie es ein Manager des Mobilfunkers gegenüber dem STANDARD formulierte. Dafür springt man nun mit dem Start eines eigenen Diskonters über seinen Schatten. Über Jahre wollte Drei keine eigene Billigschiene starten, da man befürchtete, das Image könnte darunter leiden.

Eety kopiert Hot

Mit der Marke Eety kopiert Drei mehr oder weniger das Hofer-Angebot Hot. Beim Vertrieb kooperiert man mit der Diskonthandelskette Lidl und preislich bietet man Ähnliches an. "Für 9,90 Euro monatlich erhalten Kunden: 1.000 Minuten, 500 SMS und 3 Gigabyte", erklärte Eety-Managerin Melanie Weber bei der Vorstellung des Mobilfunkers. Bei Hot kosten 1.000 Minuten oder SMS sowie 3 Gigabyte ebenfalls 9,90 Euro pro Monat. Eety gibt es seit 2006, war bisher aber auf Auslandstarife spezialisiert. Im Frühjahr 2015 hatte Drei den Anbieter vollständig übernommen.

T-Mobile, die Nummer 2 am heimischen Mobilfunkmarkt, brachte sich mit neuen Telering-Tarifen gegen Hot in Stellung. Auch bietet man gemeinsam mit der Handelskette Spar mit S-Budget günstige Wertkartentarife an. In den letzten Monaten haben neben Hot auch UPC-Mobile und Spusu den heimischen Mobilfunkmarkt als virtuelle Anbieter betreten, allerdings zählen die Angebote erst wenige tausend Kunden.

"Einsteigern muss klar sein, es ist ein Verdrängungswettbewerb"

Michael Krammer zeigt wenig Angst vor den Newcomer. "Einsteigern muss klar sein, es ist ein Verdrängungswettbewerb. Dafür müssen die Angebote passen, man braucht einen Vertrieb und ein Marketingbudget." Hot konnte in den drei Monaten dieses Jahres über 167.000 Kunden gewinnen. Aktuelle Zahlen will Krammer nicht nennen, allerdings ist das "Wachstum unverändert".

Wettbewerb wird sich verschärfen

In den kommenden Monaten wird sich der Wettbewerb zwischen den Anbietern wohl verschärfen. So steht der Markteinstieg des Internet-Providers Tele2 vor der Tür und ein neuer Mobilfunker aus dem Umfeld von Michael Krammer wird an den Start gehen.

foto: sum

Ergänzend haben alle Newcomer angekündigt, LTE anzubieten. Mit der Mobilfunktechnologie sind wesentlich schnellere Internetgeschwindigkeiten zu erreichen. "Bis Jahresende sei mit entsprechenden Angeboten zu rechnen", sagte Michael Krammer. Bislang bieten nur A1, T-Mobile und Drei LTE an.

Kunden kaufen Handys im Netz

Die drei Anbieter kämpfen auch damit, dass immer mehr Kunden ihre Handys im Netz und im Handel kaufen. Damit nimmt die enge Beziehung zwischen Anbietern und Kunden ab und erleichtert den Wechsel zu anderen Anbietern. Derzeit werden fast ausschließlich hochpreisige Geräte wie iPhones oder das Galaxy S6 noch bei den Mobilfunkern gekauft, die in den letzten Jahren die Subvention von Geräten radikal reduziert haben. (Markus Sulzbacher, 12.8.2015)

  • Etablierte Mobilfunker wollen sich nicht von Hot die Butter vom Brot nehmen lassen.
    foto: apa

    Etablierte Mobilfunker wollen sich nicht von Hot die Butter vom Brot nehmen lassen.

  • Mit Hot mischt Michael Krammer den Markt auf.
    foto: hot

    Mit Hot mischt Michael Krammer den Markt auf.

Share if you care.