US-Steuerstreit knabbert am Bär-Gewinn

20. Juli 2015, 08:38
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Die Bank legt 350 Millionen Dollar für eine sich abzeichnende Strafe in den USA zurück. Das schmälert den Gewinn massiv

Zürich – Altlasten haben der Schweizer Privatbank Julius Bär das Ergebnis verhagelt. Der Gewinn des größten reinen Vermögensverwalters des Landes sackte im ersten Halbjahr 2015 um fast zwei Drittel auf 108,8 Mio. Franken (104,3 Mio. Euro) ab, wie Bär am Montag mitteilte.

Im Vormonat hatte das Zürcher Institut 350 Mio. Dollar (321,4 Mio. Euro) zur Seite gelegt, um sich für eine US-Buße wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu wappnen. Die Verhandlungen mit den US-Behörden seien weit fortgeschritten. Den Durchbruch im US-Steuerstreit konnte Julius Bär weiterhin nicht vermelden. "Julius Bär wird weiterhin darauf hinarbeiten, diese bedauerliche Altlast möglichst bald beizulegen", erklärte Konzernchef Boris Collardi.

78 Prozent Minus

Wegen der Rückstellung für die erwartete Strafzahlung im Steuerstreit mit den USA und der Frankenstärke hat die Bank einen Rückgang der verwalteten Vermögen und einen Gewinneinbruch erlitten.

Der Konzerngewinn (nach IFRS) sank um 78 Prozent auf 40 Mio. Franken, wie Julius Bär am Montag mitteilte. Die starke Verbesserung der operativen Performance sei durch die im Juni bekanntgegebenen US-Rückstellung von 350 Mio. Dollar mehr als ausgeglichen worden, erklärte die Bank.

Plus trotz Franken

Ohne US-Rückstellung verbesserte sich "der zugrundeliegende Konzerngewinn" laut weiteren Angaben um 34 Prozent auf 384 Mio. Franken. Die operative Performance habe sich sehr zufriedenstellend entwickelt, erklärte Collardi. Der Fortschritt sei umso bemerkenswerter, da die Frankenstärke gravierende negative Auswirkungen auf die verwalteten Vermögen gehabt habe.

So sanken die verwalteten Vermögen heuer in den ersten sechs Monaten um zwei Prozent auf 284 Mrd. Franken. Der Netto-Neugeldzuflusses von über 6 Mrd. Franken sowie die Marktentwicklung und die übertragenen Vermögen der Leumi Private Bank AG wurden vom negativen Währungseffekt in der Höhe von über 20 Mrd. Franken mehr als aufgezehrt.

Neuer Leiter

Julius Bär gab zudem bekannt, dass Barend Fruithof per 1. Oktober neuer Leiter der Region Schweiz wird. Er folgt auf Giovanni Flury, der per 1. Jänner 2016 in die Geschäftsleitung der Julius Bär Gruppe wechselt.

Julius Bär beabsichtigt überdies, eine Beteiligung von 40 Prozent am mexikanischen Finanzberatungsunternehmen NSC Asesores zu übernehmen. Der Kaufpreis wird nicht genannt. Die Transaktion würde den Eintritt von Julius Bär in den zweitgrößten Vermögensverwaltungsmarkt Lateinamerikas ermöglichen. (APA, 20.7.2015)

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    foto: apa/schmidt
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