Das Vögelchen von den Kaimaninseln

19. Juli 2015, 18:07
14 Postings

Jeffrey Webb, von der US-Justiz der Beteiligung an Verschwörung, Betrug, Bestechung und Geldwäsche angeklagt, ist sich offiziell keiner Schuld bewusst. Dementsprechend plädiert der ehemalige Vizepräsident des Fußballweltverbandes (Fifa) bei seiner ersten Anhörung vor einem Bundesgericht in Brooklyn. Der nach seiner Festnahme am 27. Mai in Zürich wohl auf eigenes Betreiben von den Schweizer Behörden ausgelieferte 50-Jährige wurde gegen eine Kaution von zehn Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt. Für Webb dürfte die Summe, für die die Familie bürgt – seine Frau Kendra, eine US-Bürgerin, seine Eltern und seine Großmutter -, ein Pappenstiel sein. Ein Vielfaches davon soll er in den vergangenen Jahren an Bestechungsgeldern im Zusammenhang mit Vermarktungsrechten an Fußballturnieren und Spielern kassiert haben.

Jeffrey Webb war bis vor kurzem ein Funktionär ganz nach dem Geschmack von Weltverbandspräsident Joseph S. Blatter. Als Chef der Cayman Islands Football Association (Cifa) stand er für Blatters Politik, die Macht der traditionellen Fußballnationen zu brechen. Die Stimme der Cifa, deren Nationalmannschaft Rang 189 der Weltrangliste schmückt, gilt bei allen Entscheidungen im Weltfußball ebenso viel wie jene des Deutschen Fußball-Bundes mit seiner Weltmeisterauswahl.

Und Webb, ein in den USA ausgebildeter Banker, der mit dem Aufstieg in der Hierarchie des Fußballs seinen sicher auch nicht schlechten Job beim Finanzdienstleister Fidelity quittierte, steht auch für die von Blatter vorangetriebene Kommerzialisierung des Fußballs. Als Präsident der Föderation aller Verbände aus Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik sicherte er Blatter seit 2012 die Unterstützung von 35 Verbänden. Der ließ ihn dafür wohl gewähren. Als Nachfolger des der Korruption angeklagten Jack Warner aus Trinidad und Tobago galt Webb als Erneuerer innerhalb der Fifa und als möglicher Kronprinz Blatters, der ihn bereits vor 20 Jahren zum Chef einer Taskforce gegen Rassismus und Diskriminierung im Weltfußball gemacht hatte.

In dieser Funktion hat Webb zur nicht selten zu laschen Verfolgung einschlägiger Vorfälle durch die Fifa geschwiegen. Möglich, dass er jetzt den Mund aufmachen möchte. Es wird spekuliert, dass Webbs Anwalt mit den US-Behörden eine Vereinbarung getroffen hat. Das könnte dann ganz und gar nicht nach Blatters Geschmack sein (Sigi Lützow, 19.7.2015)

  • Jeffrey Webb wäscht seine Hände in Unschuld.
    foto: epa/koszticsak

    Jeffrey Webb wäscht seine Hände in Unschuld.

Share if you care.