Nach Attacken Polizeischutz für Sky

19. Juli 2015, 17:40
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Führender Froome und seine Teamkollegen berichten von Übergriffen von Zuschauern – Greipel holt auf 15. Etappe dritten Tagessieg

Valence – Andre Greipel hat am Sonntag seinen dritten Etappensieg bei der laufenden Tour de France ersprintet. Der 32-Jährige triumphierte auf dem 15. Teilstück von Mende über 183 km nach Valence im Massensprint vor seinem Landsmann John Degenkolb und dem Norweger Alexander Kristoff, für den der Österreicher Marco Haller Führungsarbeit geleistet hatte.

Für Greipel ist es der insgesamt neunte Tour-Etappensieg seiner Karriere. In der Gesamtwertung blieb alles beim Alten. Spitzenreiter Chris Froome führt weiter 3:10 Minuten vor dem Kolumbianer Nairo Quintana und 3:32 vor dem US-Amerikaner Tejay van Garderen. Dahinter folgen die Spanier Alejandro Valverde (+4:02 Min.) und Alberto Contador (+4:23).

Dass es in Valence überhaupt zu einem Massensprint kam, war eher überraschend: Trotz des harten Aufstiegs zum Col de l'Escrit (2. Kategorie) rund 55 km vor dem Ziel waren allen Topsprinter im Finale noch beisammen – lediglich der Brite Mark Cavendish hatte abreißen lassen. "Das ist ein Super-Tag. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und mich. Von Kilometer null an mussten wir heute leiden", sagte der 33-Jährige Greipel, der sich auch von einer am Samstag erlittenen schmerzhaften Schnittwunde am linken Knie nicht ausbremsen ließ

Mit Urin beworfen

Nach der Urin-Attacke gegen Christopher Froome war das britische Team Sky vor der 15. Etappe nach Valence unter Polizeischutz gestellt worden. Sechs Beamte bewachten die Fahrer vor dem Bus. Bei der Einschreibung wurde der Mann in Gelb diesmal mit Applaus bedacht.

Froome war am Samstag auf der Etappe nach Mende mit einem Becher Urin beworfen worden, Sky muss sich nach Dopingunterstellungen offenbar schon seit Tagen mit Anfeindungen vom Straßenrand auseinandersetzen. Laut Richie Porte sei er auf der Etappe nach Le Pierre-Saint-Martin von einem Zuschauer in die Rippen geschlagen worden. Sky-Fahrer sollen bespuckt, das Teamauto mit vollen Cola-Dosen beworfen worden sein.

Teamchef Dave Brailsford beschrieb Teile des Publikums als "eine Art Fußball-Mob" und Sportdirektor Nicolas Portal ergänzte: "Wo soll das eines Tages hinführen? Ist es bald so wie im Fußball, wo Leute über den Zaun springen und Waffen in der Hand haben?"

Unter anderem hatten die französischen Ex-Profis und heutigen TV-Experten Laurent Jalabert und Cedric Vasseur Verdächtigungen in den Raum gestellt. Sowohl Jalabert, des Dopings bei der Tour 1998 überführt, als auch Vasseur haben allerdings selbst keine porentief reine Vergangenheit. "Das ist in vielerlei Hinsicht inakzeptabel. Inzwischen sind es nicht mehr die Fahrer, die den Sport in Verruf bringen, sondern diese Individuen", sagte Froome.

Dessen hochschwangere Gattin Michelle mischte ebenfalls mit und bezeichnete Jalabert, Vasseur und weitere Kritiker wie den beständigen Sky-Kritiker Antoine Vayer oder das Tour-Organ L'Equipe via Twitter als "ignorante, unverantwortliche Dummköpfe".

"Vergiftete Atmosphäre"

Brailsford forderte unterdessen verschärfte Sicherheitsmaßnahmen vom Veranstalter ASO, um Sky besser vor Übergriffen zu schützen. Sky-Sportdirektor Nicolas Portal glaubt aber nicht, dass viel unternommen werden kann. Ich hoffe, die Öffentlichkeit beruhigt sich", sagte er, während Geraint Thomas, der Gesamtsechste, die Atmosphäre auf den Straßen in Bezug auf die Sky-Mannschaft als "vergiftet" bezeichnete.

Übergriffe auf Fahrer hat es auch in der Vergangenheit vereinzelt gegeben. Bei der Tour 2013 war Cavendish ebenfalls mit Urin beworfen worden, 2011 wurde Alberto Contador im Anstieg nach L'Alpe d'Huez von einem Fan in einem Arztgewand provoziert, und ebendort absolvierte 2004 Lance Armstrong das Bergzeitfahren nach Drohungen im Schutz einer Polizei-Eskorte.

Tourchef Christian Prudhomme rief das Publikum zu Fairness auf: "Die Zuschauer dürfen ihren Unmut äußern, müssen aber natürlich die Fahrer respektieren und deren Integrität wahren."

Am Montag begibt sich das Peloton auf die letzte der Überführungsetappen Richtung Alpen. Es geht von Bourg de Péage über 201 km nach Gap, am Dienstag lockt der zweite Ruhetag der heurigen Tour mit willkommener Erholung für die Fahrer. (sid/APA/red – 19.7. 2015)

Der Mechaniker von Peter Sagan hat ein Problem mit dem Kameramotorrad, das seinem Schützling bei einem Radwechsel zu nahe kam.

Ergebnisse der 102. Tour de France vom Sonntag:

15. Etappe (Mende – Valence/183 km): 1. Andre Greipel (GER) Lotto 3:56:35 Stunden – 2. John Degenkolb (GER) Giant – 3. Alexander Kristoff (NOR) Katjuscha – 4. Peter Sagan (SVK) Tinkoff – 5. Edvald Boasson Hagen (NOR) MTN – 6. Ramunas Navardauskas (LAT) Cannondale – 7. Christophe Laporte (FRA) Cofidis – 8. Michael Matthews (AUS) Orica – 9. Davide Cimolai (ITA) Lampre – 10. Florian Vachon (FRA) Bretagne.

Weiter: 23. Christopher Froome (GBR) Sky – 25. Tejay van Garderen (USA) BMC – 30. Vincenzo Nibali (ITA) Astana – 35. Alejandro Valverde (ESP) Movistar – 49. Alberto Contador (ESP) Tinkoff – 52. Nairo Quintana (COL) Movistar, alle gleiche Zeit – 77. Marco Haller (AUT) Katjuscha 1:14 – 79. Georg Preidler (AUT) Giant 1:21 – 165. Matthias Brändle (AUT) IAM 15:41

Gesamtwertung: 1. Froome 59:58:54 Std. – 2. Quintana +3:10 Min. – 3. Van Garderen +3:32 – 4. Valverde 4:02 – 5. Contador 4:23 – 6. Geraint Thomas (GBR) Sky 4:54 – 7. Robert Gesink (NED) Lotto NL 6:23 – 8. Nibali 8:17 – 9. Tony Gallopin (FRA) Lotto 8:23 – 10. Bauke Mollema (NED) Trek 8:53.

Weiter: 97. Preidler +1:50:50 Std. – 154. Haller 2:31:26 – 162. Brändle 2:39:24

  • Punktewertung (Grünes Trikot):
    1. Sagan 360 Punkte, 2. Greipel 316, 3. Degenkolb 264
  • Bergtrikot (Gepunktetes Trikot):
    1. Froome 61 Punkte, 2. Joaquim Rodriguez (Spanien/Katjuscha) 52, 3. Jakob Fuglsang (Dänemark/Astana) 41
  • Nachwuchswertung (Weißes Trikot):
    1. Quintana 60:02:04, 2. Barguil 7:53 Minuten zurück, 3. Bardet 10:00
  • Teamwertung:
    1. Movistar 181:14:18 Stunden, 2. Sky 15:39 Minuten zurück, 3. Tinkoff-Saxo 30:28
  • Christopher Froome und seine Kollegen von Team Sky dominieren bisher die 102. Tour de France.
    foto: ap/ena

    Christopher Froome und seine Kollegen von Team Sky dominieren bisher die 102. Tour de France.

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