Fußballgewaltige verhandeln in Schatten der Justiz

19. Juli 2015, 16:43
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Fifa-Exekutive sucht Termin für die Präsidentenwahl – Blatters Vertrauter Webb plädiert auf nicht schuldig

Zürich/Wien – Das Ende der Ära von Joseph Blatter terminisieren und die überfälligen Reformen endlich auf den Weg bringen – nicht wenig hat sich das Exekutivkomitee des Fußballweltverbands (Fifa) für seine montägliche Sitzung in Zürich vorgenommen. Kritiker glauben allerdings nicht, dass ein großer Wurf gelingt.

Wolfgang Niersbach drückt vor der Zusammenkunft mit seinen Exko-Kollegen aufs Tempo, um das Versteckspiel bei der Suche nach einem Erben für Blatter (79) zu beenden. "Die Sitzung muss das klare Ziel haben, unter Beachtung der Statuten einen möglichst schnellen Termin festzulegen", sagte der Präsident des deutschen Fußballbundes (DFB). Er erwarte eine Terminisierung für den Dezember, "noch vor Weihnachten". Möglich, dass es auch für Niersbach quasi ein Christkindl gibt. Derzeit wird vor allem ein Modell gehandelt: Michel Platini folgt auf Blatter, Niersbach beerbt den Präsidenten des europäischen Verbandes (Uefa).

Die europäische Lösung ist vor allem wegen Platini, der Vorwürfe wegen Vetternwirtschaft belasten, fragwürdig, aber wegen der wesentlich ärgeren Verwerfungen im Rest der Fußballwelt durchaus realistisch. Die Großsponsoren fordern eine "unabhängige Kommission", um den Weltverband zu reformieren. Ziel müsse es sein, die Fifa von der "Kultur der Korruption" zu säubern.

In Übersee gibt es schon einschlägige Bemühungen. Der an die US-Justiz ausgelieferte ehemalige Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb hat vor einem Bundesgericht bei einer ersten Anhörung auf nicht schuldig plädiert. Der vor allem der Korruption und der Geldwäsche verdächtige 50-Jährige wurde gegen eine Kaution von zehn Millionen US-Dollar auf freien Fuß gesetzt. Webb gehört zu den sieben am 27. Mai in Zürich verhafteten Fifa-Funktionären. Er war bisher als Einziger mit seiner Überstellung einverstanden.

Dass sich die Exekutive nun wieder in Zürich trifft, wohin offensichtlich der Arm der US-Justiz reicht, könnte Brasiliens Verbandspräsident Marco Polo Del Nero von der Reise in die Schweiz abgehalten haben. Oder aber, er hat sich tatsächlich daheim um lokale Belange zu kümmern. (sid, lü – 19.7. 2015)

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