Richtungsentscheidung gefallen: Bartomeu bleibt Barcelona-Präsident

19. Juli 2015, 12:41
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Der Amtsinhaber setzt sich bei der Wahl überraschend deutlich gegen Herausforderer Laporta durch

Barcelona – Josep Maria Bartomeu bleibt sechs weitere Jahre Präsident des FC Barcelona. Der 52-Jährige erhielt am Samstag 54,63 Prozent der 47.270 abgegebenen Stimmen und setzte sich damit deutlich gegen den früheren Präsidenten Joan Laporta (33,03 Prozent) durch, der von Barcelona-Legende Johan Cruyff unterstützt worden war.

Bartomeu hatte das Amt im Januar 2014 übernommen. Der damalige Vereinschef Sandro Rosell war wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Verpflichtung des brasilianischen Superstars Neymar zurückgetreten. Gegen Bartomeu laufen deswegen bei der Justiz ebenfalls Ermittlungen. Er hatte allerdings die Erwartung geäußert, dass das Verfahren gegen ihn im Sande verlaufen werde. Dazu kam die Transfersperre durch die FIFA. Bartomeu hatte daher die Flucht nach vorne angetreten und vorgezogene Neuwahlen angesetzt.

Der noch zu Beginn des Jahres in dieser Form nicht absehbahre sportliche Erfolg dürfte Bartomeu bei seinem Wahlsieg geholfen haben. Die Katalanen hatten in einem fulminanten Frühjahr die Champions League, die Meisterschaft und den Pokal gewonnen.

Laporta hatte von 2003 bis 2010 an der Spitze des Vereins gestanden und dabei über eine beispiellose Erfolgsära unter Trainer Pep Guardiola (2008 bis 2012) präsidiert. Bei der Wahl hatten sich insgesamt vier Kandidaten um die Stimmen der rund 110 000 wahlberechtigten Barça-Mitglieder beworben. Agustí Benedito erhielt 7,2 Prozent, Toni Freixa 3,7 Prozent.

Bei der Wahl ging es auch um eine Richtungsentscheidung. Seit Juni ist eine Übergangsverwaltung im Amt, die zuletzt auch den Wechsel von Arda Turan von Atletico Madrid abwickelte. Gerade an einer nicht unbedingt effektive Transferpolitik und der Abkehr vom bewährten Weg, Talente aus der Nachwuchsschmiede "La Masia" in ein stabiles Spielsystem der ersten Mannschaft einzubinden, hatte sich Kritik entzündet.

Barcelona habe seine Identität, auch was die Spielkultur angeht, verloren und sei nicht länger "mehr als ein Klub". Zu diesem Eindruck trug bei, dass unter Bartomeu ein umstrittener Sponsordeal mit einer Fluggesellschaft aus Katar über die Bühne gebracht wurde. Dies, so die Kritiker, sei nicht vereinbar mit Barcelonas Werten. Der Vertrag mit der Qatar Foundation spült insgesamt 165 Millionen Euro in die Klubkassa.

Werte-Offensive

Laporta hatte deshalb angekündigt, alles zu versuchen, um stattdessen wieder UNICEF oder einer anderen humanitäre Organisation auf das Barca-Trikot zurückkehren zu lassen, das in dieser Saison erstmals quergestreift daherkommt. Er bemühte in seiner Kampagne Schlagworte wie Werte und soziale Verantwortung und wollte auch La Masia wieder in den Vordergrund rücken.

Nicht ganz konsistent erschien da allerdings, dass der Rechtsanwalt gleichzeitig mit der teuren Verpflichtung des französischen Jungstars Paul Pogba von Juventus Turin ein Wahlzuckerl in Aussicht gestellt hatte. Das weckte auch Erinnerungen an eine problematische Budgetpolitik unter Laporta, die den Klub schwer verschuldet hatte.

Cruyff, der als Spieler und Trainer viel zur modernen Identität des Klubs beigetragen hatte, unterstützte Laporta in seinem Ansinnen, blaurote Tugenden wiederzubeleben. "Vor allem anderen stehen Prinzipien und Werte. Geld ist sekundär", sagte der ehemalige niederländische Weltklassespieler.

Das Wahlvolk jedoch folgte diesen Argumenten nicht und setzte stattdessen auf Kontinuität. (red/sid/APA – 19.7. 2015)

  • Triumph.  Josep Maria Bartomeu bleibt Barcelona-Präsident.
    foto: ap/fernandez

    Triumph. Josep Maria Bartomeu bleibt Barcelona-Präsident.

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