Ein Spielplatz für die heimische Sammlerelite

18. Juli 2015, 22:10
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Hans Peter Haselsteiner will das Künstlerhaus zu einem Zentrum für österreichische Kunst nach 1945 machen. Die Sammlung Essl spielt dabei nur eine Nebenrolle

Wien – Wie diese Woche bekannt wurde, ist die Zukunft des Künstlerhauses gesichert. Hans Peter Haselsteiner wird über seine Familienstiftung sowohl die Finanzierung der Sanierung des maroden Gebäudes in einer Größenordnung von etwa 30 Millionen Euro, als auch laufende Betriebskosten übernehmen. Darauf einigten sich der Industrielle und der Vorstand des Künstlerhauses, der einen entsprechenden "Kurier"-Bericht in einer Aussendung bestätigte.

De jure sei das beschlossen, de facto bedarf es noch der Zustimmung der Mitglieder im Rahmen der Ende September anberaumten Hauptversammlung, erklärt Geschäftsführer Peter Zawrel auf aktuelle Anfrage. Dann gehe es in die Planungsphase, die Schließung des Hauses fände demnach nicht vor dem Sommer nächsten Jahres statt. Die Wiedereröffnung ist im zeitlichen Umfeld des 150-jährigen Gründungsjubiläums 2018 geplant.

Wunschpartner Albertina

Wichtig sei Zawrel, dass nicht der Eindruck entstehe, das Künstlerhaus würde verkauft, denn der Verein ("Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs") bleibt Eigentümer der Liegenschaft. Die Einzelheiten zur gemeinsamen Besitzgesellschaft, in der die Rechte und Pflichten der Vertragspartner geregelt sind, werden sich in den nächsten Wochen Juristen ausbaldowern.

Fix ist, dass rund 75 Prozent der Nutzungsfläche weiterhin den Vereinsmitgliedern vorbehalten sind und das verbleibende Viertel an Haselsteiners Familienprivatstiftung abgetreten wird. Als Kooperationspartner wünscht sich Hans Peter Haselsteiner die Albertina, die damit "eine ergänzende Spielstätte für österreichische Kunst nach 1945" bekäme. Ein Segment, das hierzulande stiefmütterlich behandelt würde, das sei nicht nur seine Meinung, sondern auch jene von Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder.

Zentrum für heimische Kunst nach 1945

Konkret schwebt dem Industriellen ein Zentrum für eben diesen Schwerpunkt vor, wobei es nicht nur um Bestände aus der Albertina gehe, sondern weiters explizit in Bundesländern beheimatete Privatsammlungen zum Zug kommen sollen.

Auf der vorerst imaginären Liste Haselsteiners stehen etwa jene Heinz Angerlehners (Thalheim bei Wels, Oberösterreich), Herbert Liaunigs (Neuhaus, Kärnten) oder des 2009 verstorbenen Peter Infeld (Halbturn, Burgenland). Dazu sollen Firmenkollektionen wie die der Wiener Städtischen und die an unzähligen Standorten verteilte der Strabag in einzelnen Ausstellungsprojekten integriert werden. Eine institutionalisierte Spielwiese für die heimische Sammlerelite im Herzen der Bundeshauptstadt also, die latente Präsentationslücken von Bundesmuseen zu schließen imstande wäre.

Nebenrolle für Sammlung Essl

Und die Sammlung Essl, an der er seit September vergangenen Jahres 60 Prozent Anteil hält? Nun, eine Zusammenarbeit wird es sicher geben, entgegen anderslautenden Berichten, ist dieser jedoch keine Hauptrolle zugedacht, betont Haselsteiner.

Der Herr Professor habe ja sein Museum, Nachsatz, dessen Betrieb er unter allen Umständen aufrecht erhalten will. "Gerne, aber ohne mich", stellt er im STANDARD-Gespräch neuerlich klar. Denn man kann ein solches Museum mit jährlich drei Millionen Euro betreiben, aber auch um die Hälfte. Er finanziere die Instandhaltung und den Betrieb des Depots mit 500.000 Euro jährlich, der Rest ginge ihn nichts an. Auch die Erlöse aus Verkäufen des umfangreichen Sammlungsbestandes (siehe hier) fließen nicht in den Museumsbetrieb, sondern dienen vorerst ausschließlich der Kreditabdeckung.

Generell bedürfe es dort schon der Subvention der öffentlichen Hand, insbesondere das kunstpädagogische Programm sei bewundernswert und halte er sowohl für wichtig, als auch förderungswürdig. Insgesamt könne jedoch "in Klosterneuburg sein, was will", so Haselsteiner, "meine Pläne für und die Partnerschaft mit dem Künstlerhaus betrifft das nicht". (Olga Kronsteiner, 18.7.2015)

  • Seit vielen Jahren sucht das Wiener Künstlerhaus nach Geldgebern und einer inhaltlichen Ausrichtung. Nun scheint eine Lösung gefunden.
    apa/roland schlager

    Seit vielen Jahren sucht das Wiener Künstlerhaus nach Geldgebern und einer inhaltlichen Ausrichtung. Nun scheint eine Lösung gefunden.

  • Der Verein "Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs" bleibe auch weiterhin Eigentümer des Künstlerhauses, sagt Geschäftsführer Peter Zawrel.
    foto: robert newald

    Der Verein "Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs" bleibe auch weiterhin Eigentümer des Künstlerhauses, sagt Geschäftsführer Peter Zawrel.

  • Hans Peter Haselsteiner schwebt ein Zentrum für Kunst nach 1945 vor, wo auch in Bundesländern beheimatete Privatsammlungen zum Zug kommen sollen.
    foto: apa/hans klaus techt

    Hans Peter Haselsteiner schwebt ein Zentrum für Kunst nach 1945 vor, wo auch in Bundesländern beheimatete Privatsammlungen zum Zug kommen sollen.

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