Syrische Behörden begnadigten hunderte Häftlinge

18. Juli 2015, 15:00
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Anlass ist offenbar Fest zum Fastenbrechen

Damaskus – Die syrischen Behörden haben nach Angaben eines Anwalts sowie Aktivisten zufolge anlässlich des Fests zum Fastenbrechen mehrere hundert Gefangene begnadigt. Wie der Menschenrechtsanwalt Michel Schammas am Samstag sagte, wurden am Freitag mehr als 240 Häftlinge aus dem Gefängnis von Adra nahe Damaskus freigelassen.

Die meisten der Häftlinge seien von dem "sogenannten Antiterror-Gericht" verurteilt worden, sagte er. Folglich handelt es sich zumeist um Oppositionelle oder Teilnehmer an regierungskritischen Protesten, die im März 2011 begonnen hatten.

Unter den Freigelassenen waren auch 35 Frauen, wie Schammas sagte. Die Häftlinge mussten demnach vor ihrer Freilassung am Tag des Eid al-Fitr zunächst ins Justizministerium, wo der Minister eine Rede hielt. Mit dem Fest feiern die Muslime seit Freitag das Ende des Fastenmonats Ramadan.

Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigt Freilassung

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete ebenfalls über die Freilassungen, sprach aber von fast 350 Insassen. Die meisten hätten an friedlichen Demonstrationen gegen die syrische Führung teilgenommen, erklärte die in Großbritannien ansässige Organisation. Sie stützt sich auf ein Netzwerk an Ort und Stelle, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

Unter den Freigelassenen ist auch der bekannte syrische Blogger Hussein Ghreir, der 2012 wegen der "Förderung von Terrorakten" festgenommen worden war. Einem Freund zufolge trat er an seinem Haus in Damaskus ein und war bei guter Gesundheit.

Die Beobachtungsstelle schätzt, dass derzeit mehr als 200.000 Menschen in syrischen Gefängnissen und Sicherheitszentren sitzen. Darunter seien Tausende, deren Schicksal ungeklärt ist. Der Organisation zufolge wurden seit März 2011, als die Proteste gegen die Führung begannen, in den Haftanstalten "fast 13.000 Syrer zu Tode gefoltert", unter ihnen mehrere Dutzend Kinder. (APA, 18.7.2015)

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