Kosovo beantragt Aufnahme in die UNESCO

18. Juli 2015, 12:49
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Serbien will dagegen vorgehen

Prishtina/Belgrad – Der Kosovo, der jüngste Staat Europas, hat diese Woche offiziell die Aufnahme in die UNESCO beantragt. Der Antrag löste Empörung in Serbien aus.

Der kosovarische Außenminister Hashim Thaci erwartet, dass die Aufnahme seines Landes in die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur im Oktober erfolgt. Prishtina, das im Februar 2008 seine Unabhängigkeit verkündet hatte, wurde bisher von mehr als 100 UNO-Mitgliedstaaten anerkannt, ist aber noch kein Mitglied der Vereinten Nationen. Belgrad lehnt es nach wie vor ab, die Unabhängigkeit seiner ehemaligen südlichen Provinz anzuerkennen.

Serbien will laut Belgrader Medienberichten vom Samstag gegen eine eventuelle Aufnahme des Kosovo in die UNESCO vorgehen. "Jede Erwägung des Antrags auf die Aufnahme des Kosovo in die UNESCO würde nicht nur eine Verletzung der Resolution 1244 (vom Juni 1999, Anm.) des UNO-Sicherheitsrats darstellen, sondern würde sich auch auf den laufenden Dialog zwischen Belgrad und Prishtina in Brüssel ausgesprochen negativ auswirken", teilte das Außenministerium auf eine Anfrage der Tageszeitung "Politika" mit.

Der EU-geführte Dialog zielt auf die Normalisierung der wechselseitigen Beziehungen. Die UNO-Resolution 1244, die weiterhin in Kraft ist, behandelt den Kosovo als einen Bestandteil Serbiens. Die Vetomacht Russland hatte vor Jahren im UNO-Sicherheitsrat seine Abänderung verhindert.

Griechenland bietet Unterstützung an

Der Antrag Prishtinas erfolgte, wie Medien in Belgrad feststellten, nach dem dieswöchigen Besuch des griechischen Außenministers Nikos Kotzias im Kosovo. Er hatte Unterstützung seines Landes für die Mitgliedschaft des Kosovo in internationalen Organisationen angekündigt. Athen hat den Kosovo bisher nicht anerkannt.

Drei mittelalterliche serbisch-orthodoxe Klöster – in Pec, Gracanica und Decani – und eine Kirche in Prizren gehören derzeit zum UNESCO-Welterbe.

Nach dem Krieg, in dem Hunderte heilige (serbische) Stätten in Brand gesetzt worden seien, diese nun den kosovarischen Politikern, die aus dem Krieg hervorgegangen seien, anzuvertrauen, wäre ein Verbrechen, meinte Marko Djuric, Chef des serbischen Regierungsbüros für den Kosovo, gegenüber der Tageszeitung "Blic" am Samstag.

Laut früheren Medienberichten wollte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem kürzlichen Besuch in Belgrad die serbischen Politiker auffordern, ihren Widerstand gegen die UNO-Aufnahme des Kosovo "in absehbarer Zeit" aufzugeben. (APA, 18.7.2015)

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