Mindestens 120 Tote nach Anschlag auf irakischen Markt

18. Juli 2015, 12:24
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Bei einem der schwersten Bombenanschläge im Irak sprengte sich ein IS-Attentäter in einem Auto in die Luft

Bagdad – Bei einem der schwersten Bombenanschläge der Extremisten-Miliz IS im Irak sind mindestens 120 Menschen getötet worden, 130 weitere Menschen wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich in einem Auto am Freitag während der Feiern zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan auf einem belebten Markt in der Stadt Khan Bani Saad etwa 30 Kilometer nordöstlich von Bagdad in die Luft, wie die Polizei mitteilte.

Die Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich dazu und erklärte über Twitter, der Anschlag habe schiitischen Muslimen gegolten. Er sei Vergeltung für die Tötung von Sunniten in der Region. Die irakische Armee hatte gemeinsam mit schiitischen Milizen die IS-Kämpfer in der Provinz Dijala zurückgedrängt.

Die Regierung der Provinz rief eine dreitägige Trauerzeit aus. Ein Selbstmordattentäter habe sich in einem mit fast drei Tonnen Sprengstoff beladenen Fahrzeug in die Luft gesprengt. Die sunnitische Terrororganisation erklärte nach Angaben des US-Senders CNN, die Tat habe einer Zusammenkunft schiitischer Milizen gegolten.

Einkäufe vor Feier zum Ende des Ramadan

Fernsehbilder zeigten Leichen inmitten der Trümmer total zerstörter Gebäude. Nach offiziellen Angaben wurden am Tatort – einem am Abend gut besuchten Markt – mindestens 50 Geschäfte und 75 Autos zerstört. Die Menschen wollten auf dem Markt in Bani Saad für das Eid-al-Fitr-Fest zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan einkaufen.

Der IS hatte 2014 einige Teile von Dijala erobert, die Extremisten wurden von der irakischen Armee und kurdischen Einheiten aber wieder aus der Provinz hinausgedrängt. Die Terrormiliz kontrolliert vor allem Bereiche im Westen und Norden des Irak.

Die irakische Armee hatte vor einigen Tagen eine Offensive zur Rückeroberung der westlichen Provinz Al-Anbar gestartet. Diese vor allem von Sunniten bewohnte Region ist eine der wichtigsten Hochburgen des IS. Die Extremisten hatten im vergangenen Mai die Provinzhauptstadt Ramadi eingenommen. Sie kontrollieren mit Falluja auch die zweite wichtige Stadt der Provinz.

15.000 Zivilisten getötet

Während der Kämpfe zwischen irakischen Regierungstruppen und IS-Extremisten wurden im Irak seit Anfang 2014 nach UNO-Angaben mindestens 15.000 Zivilisten getötet und 30.000 verletzt.

Die Stadt Khan Bani Saad ist mehrheitlich von Schiiten bewohnt. Für die Schiiten endet der islamische Fastenmonat Ramadan erst am Samstag, einen Tag später als bei den Sunniten. (APA/Reuters, 18.7.2015)

  • Bei dem Anschlag starben mindestens 120 Menschen.
    foto: reuters/saad

    Bei dem Anschlag starben mindestens 120 Menschen.

  • Nach offiziellen Angaben wurden am Tatort mindestens 50 Geschäfte und 75 Autos zerstört.
    foto: ap/kadim

    Nach offiziellen Angaben wurden am Tatort mindestens 50 Geschäfte und 75 Autos zerstört.

  • Am Markt kauften viele für das Fest zum Ende des Ramadan ein.
    foto: reuters/saad

    Am Markt kauften viele für das Fest zum Ende des Ramadan ein.

  • Die irakische Armee hatte vor einigen Tagen eine Offensive zur Rückeroberung der westlichen Provinz Al-Anbar gestartet.
    foto: ap/kadim

    Die irakische Armee hatte vor einigen Tagen eine Offensive zur Rückeroberung der westlichen Provinz Al-Anbar gestartet.

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