Pro und Kontra: Separate Klassen für ausländische Kinder

Kommentar17. Juli 2015, 18:27
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Sollen ausländische Kinder in den Schulbetrieb integriert werden oder erst basale Sprachkenntnisse erwerben?

PRO: Weder Deutsch noch Rechnen

von Karin Riss

Manche Kinder, von denen hier die Rede ist, wissen nicht einmal, wie der Bleistift heißt, mit dem sie die an sie gestellten Aufgaben in der Schule lösen sollen. Sind überfordert, lernen so weder Deutsch noch Bruchrechnen. Die SPÖ will dieses Problem nicht beim Namen nennen.

Für sie sind "separate Klassen für ausländische Kinder": ein Reizwort, immer schon. Gemeinhin pickt da noch der wirklich hässliche Begriff der "Ghettoklassen" dran, begleitet vom Mief der Segregation und Stigmatisierung. Die Frage, wie ein Bildungssystem damit umgehen soll, dass das typische Schulkind in Österreich nicht mehr Susi oder Toni heißt, mit dem Mama und Papa zu Hause lernen, löst Unbehagen aus. Das muss nicht so sein. Nur blaue Vereinfacher wollen suggerieren, dass "die Unsrigen" mit eigenen Klassen für "die anderen" besser lernen könnten.

Unbehagen ist aus anderem Grund angebracht: weil mittels Festhaltens an ideologischem Ramsch viel zu viele Kinder ihrer Zukunftschancen beraubt werden. Sicher wäre es schöner, würden sie im Miteinander quasi nebenher auch die Sprache lernen. Das funktioniert aber ab einer gewissen Anzahl von Kids ohne Deutschkenntnisse nicht mehr, insbesondere in Zeiten anhaltender Flüchtlingsströme. Erst wer basale Sprachkenntnisse in kurzem, intensivem Training erworben hat, kann den Anforderungen der Regelschule folgen. Damit ist eh noch lange nicht alles gut. (Karin Riss, 17.7.2015)

KONTRA: Getrennt und abgesondert

von Irene Brickner

Wer abgesondert wird, wird oft auch diskriminiert. Das ist das Grundproblem eigener "Vorbereitungsklassen" für Zuwandererkinder ohne oder mit nur rudimentären Deutschkenntnissen.

Denn auch wenn die Absichten hehr sein sollten, es den Befürwortern also rein um effiziente Sprachaneignung geht: Die Gefahr, dass Besucher von derlei Extraklassen als Schüler zweiter Wahl gelten, wäre groß. Im derzeitigen, auf Konformität und messbare Leistung abzielenden Bildungssystem würden sie diesen Stempel schwer wieder los.

Das glauben Sie nicht? Dann rufen Sie sich bitte die unrühmliche Rolle der Sonderschulen in der Gastarbeiter-Ära ins Gedächtnis. Dorthin wurden deutschunkundige, aber intellektuell ganz normale Kinder der – wie man damals meinte – nur vorübergehend in Österreich befindlichen Arbeitskräfte entsorgt. Weil sie nicht mitkamen.

Damit dienten die Sonderschulen als Sammelbecken für Spracherwerbsprobleme. Und blieben es, trotz wiederholter, massiver Kritik. Denn mit dem Übertritt in die Sonderschule hatten die Gastarbeiterkinder jeden Kontakt mit den "normalen" Volks- oder Hauptschulen verloren.

Genau das ist auch heute wieder der springende Punkt: Damit Deutschförderklassen produktiv wirken und Kindern den Anschluss im Regelschulwesen ermöglichen, dürfen sie vom normalen Schulbetrieb nicht abgetrennt werden; sondern ihn nur ergänzen, stunden- oder auch tageweise. (Irene Brickner, 17.7.2015)

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