Donald Trump ist ein Systemfehler des Kapitalismus

Blog19. Juli 2015, 08:23
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Der US-Präsidentschaftsanwärter hat dank des Insolvenzrechts vier Pleiten auf Kosten anderer überstanden

Ob Donald Trumps Vermögen jetzt tatsächlich zehn Milliarden Dollar beträgt, wie er selbst behauptet, oder nur vier Milliarden, wie "Forbes" vermutet, tut nichts zur Sache. Der amerikanische Immobilienunternehmer, Fernsehstar und nunmehrige Präsidentschaftskandidat der Republikaner ist sehr reich – und kann sich dadurch all seine Eskapaden leisten, die die US-Politik durcheinanderwirbeln.

Dass Trump gegen Latinos hetzt und auch sonst keine Gelegenheit für eine Provokation auslässt, wird ihm von vielen seiner Parteikollegen zunehmend übel genommen, die um ein wichtiges Wählersegment fürchten. Das Fußvolk der Partei sieht das laut Umfragen anders.

Ein moderner König Midas?

Aber sein Reichtum wird nicht angezweifelt. Ist nicht Trump eine Symboilfigur des amerikanischen Kapitalismus, ein moderner König Midas, der alles, was er berührt – oder mit seinem Namen adelt – in Gold verwandelt?

Wer Trumps unternehmerische Karriere über die Jahrzehnte verfolgt hat, kommt zu einem anderen Schluss: Trumps Erfolg und Reichtum beruht vor allem darauf, dass er das amerikanische Insolvenzrecht gnadenlos ausgenutzt und sich dadurch auf Kosten anderer bereichert hat. Viermal – 1991, 1992, 2004 und 2009 – musste er Konkurs anmelden, aber kam jedes Mal fast unbeschadet davon.

Insolvenz unter Chapter 11

Der Kern des US-Insolvenzgesetzes ist Chapter 11, das es gestrauchelten Unternehmen erlaubt, unter der Aufsicht eines Richters trotz Überschuldung weiter zu machen. Das mag bei Industrieunternehmen, die sonst liquidiert werden müssten, sinnvoll sein und wird deshalb auch in Europa zunehmend kopiert.

Aber bei Immobiliengeschäften ist es eine Einladung zum "moral hazard" – hohe Risiken eingehen, die Gewinne einzustreifen und die Verluste auf die Gläubiger abzuladen. Trump war ein Meister darin.

Großzügige Gläubiger

Er vermied stets den Privatkonkurs, sondern ließ nur seine Unternehmen in die Pleite schlittern. Bei seiner ersten Insolvenz Anfang der neunziger Jahre haftete er noch mit eigenem Vermögen. Zum Glück waren die Gläubiger großzügig und schnürten ein 65 Millionen Dollar schweres Rettungspaket mit neuen Krediten und Abschlägen. Einige Jahre später hatte sich Trump finanziell wieder erholt.

Später sorgte er dafür, dass die betroffenen Unternehmen zwar seinen Namen trugen, aber er selbst kein finanzielles Risiko trug. Seine einzige Eigenleistung bei den Projekten war sein Name.

Geblendet vom Trump-Namen

Die Investoren, die draufzahlten, als Trump Hotels und Casinos in die Pleite rutschten, waren selbst daran schuld. Sie hatten sich von seiner Prominenz blenden lassen. Die Firmen, die für ihre Leistungen nicht bezahlt wurden, und die Mitarbeiter, die ihren Job verloren, waren es nicht.

Trump wird nicht Präsident der USA werden. Sein Höhenflug in den Umfragen dürfte nach seiner bösartigen Attacke auf die Vietnamkriegserfahrung von Senator John McCain bald zu Ende gehen. Aber solange Menschen wie er als große Unternehmer gefeiert werden, hat der Kapitalismus ein Problem. (Eric Frey, 19.7.2015)

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