Eurofighter: Justiz verfolgt Spur von Zahlung ohne Leistung

17. Juli 2015, 16:50
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News: Zwei Millionen Euro von EADS ins Umfeld von Mensdorff-Pouilly überwiesen

Wien/Toulouse – In den jahrelangen Ermittlungen rund um die Eurofighter-Gegengeschäfte gibt es neue Erkenntnisse. Es geht um eine mysteriösen Zahlung von zwei Mio. Euro ins Umfeld des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly. Die Ermittler seien nun zu der Überzeugung gelangt, dass das Geld von der Eurofighter-Firma EADS stammte, schreibt "News". Die dafür vorgegebene Leistung allerdings nicht erbracht worden sei.

Dies geht aus einem Teilbeschluss des Landesgerichts für Strafsachen Wien vom 24. Oktober 2014 hervor, der laut der morgen erscheinenden Ausgabe dem Wochenmagazin vorliegt. Das Gericht stellt darin umfassend den Ermittlungsstand und die Verdachtslage dar. Demnach wurden Unterlagen gefunden, die zeigen, dass die zwei Millionen Euro offiziell eine Provision für die Vermittlung von Eurofighter-Gegengeschäften mit einer steirischen Flugzeug-Zulieferfirma waren.

Leistung maximal 40.000 Euro wert?

Das glauben die Ermittler aber offensichtlich nicht. Schließlich belaufen sich die gesamten Gegengeschäfte des Unternehmens nur auf rund vier Millionen Euro. Laut vorliegendem Vertrag hätte es für die Vermittlung bestenfalls ein Honorar von etwa 40.000 Euro geben dürfen. Darüber hinaus bestreiten mehrere Zeugen, dass es überhaupt eine Vermittlung gegeben hätte, so das Magazin.

Empfänger der zwei Millionen und angeblicher Gegengeschäftsvermittler war die Karibikfirma Brodmann Business SA mit einer Kontoverbindung nach Wien. Kurz nachdem das Geld dort eingelangt war, wurden von diesem Konto 300.000 Euro an eine Firma Mensdorffs überwiesen. Weitere 1,715 Mio. Euro wurden in Tranchen bar behoben. Laut einer Zeugenaussage wurde das Geld an Mensdorff bzw. an dessen Mitarbeiter übergeben.

Verdacht auf Bestechung

Die Justiz hegt den Verdacht, EADS hätte über Briefkastenfirmen Geld verteilt, das letztlich zur Bestechung von Politikern und Beamten bzw. für Kick-Back-Zahlungen dienen sollte. Die Eurofighter-Firma, die mittlerweile Airbus-Group heißt, wollte angesichts des laufenden Verfahrens gegenüber "News" keinen Kommentar abgeben.

Letzteres gilt auch für Mensdorffs Anwalt Harald Schuster. Der Graf werde in der Causa nicht als Beschuldigter geführt. Im November sei er als Zeuge einvernommen worden. Er sagte laut "News" aus, weder mit der Eurofighter-Beschaffung noch mit der Vermittlung von Gegengeschäften etwas zu tun gehabt zu haben. Wirtschaftlich Berechtigter der Firma Brodmann sei der 2007 verstorbene Mann seiner Cousine gewesen. Er habe das erhaltene Geld nur auf dessen Anordnung verwendet. Mensdorff hat sämtliche Vorwürfe immer zurückgewiesen.

Kein Kommentar vom Hersteller

Der Eurofighter-Hersteller hat am Samstag bekräftigt, die Berichte nicht kommentieren zu wollen. Man habe keine Informationen über die Recherchen und Vermutungen der Staatsanwaltschaften. "Wir können auch nicht nachvollziehen, ob die Informationen, über die Medien verfügen wollen, tatsächlich von den Behörden stammen bzw. korrekt sind. Aus diesen Gründen und weil das Verfahren läuft, können wir keine Stellungnahmen abgeben und erwarten mit Interesse die offiziellen Ergebnisse, um unsere weiteren Entscheidungen zu treffen", teilte die Airbus-Group, vormals EADS, in einer Aussendung mit. (APA, 17.7.2015)

  • Zahlungen an Alfons Mensdorff-Pouilly sorgen wieder einmal für Diskussionen
    foto: apa/georg hochmuth

    Zahlungen an Alfons Mensdorff-Pouilly sorgen wieder einmal für Diskussionen

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