Haus der Geschichte: Platzfrage in der Neuen Burg noch nicht gelöst

17. Juli 2015, 16:22
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KHM-Direktorin Haag: "Wenn ein zusätzlicher Nutzer hineingequetscht wird, ist es klar, dass es schwieriger wird"

Wien – Die Pläne für das von Kulturminister Josef Ostermayer initiierte "Haus der Geschichte" werden immer konkreter. Dass der Minister eine Ansiedelung in der Neuen Burg präferiert, ist kein Geheimnis. Demnächst soll das Kunsthistorische Museum (KHM) Vorschläge liefern, wie man das neue Museum in die dortigen Räumlichkeiten integrieren kann. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich zeigt.

"Wir führen viele Gespräche. Wir sind aufgerufen worden, Flächen zu identifizieren, die wir eventuell zur Verfügung stellen könnten", sagt KHM-Generaldirektorin Sabine Haag. Dass es sich bei diesen Flächen um Teile der Sammlung Alter Musikinstrumente (SAM) handelt, wurde im Frühjahr breit diskutiert, eine Petition zum Erhalt der SAM fand innerhalb weniger Wochen 6.600 Unterstützer. Haag verteidigt die Wahl: "Die SAM ist in der Neuen Burg die einzige Sammlung, die insgesamt beweglich ist. Das hat nichts mit einer Geringschätzung der Bedeutung zu tun."

Einer der Vorschläge sieht nun eine Teilung der Sammlungspräsentation vor. Mehr als die Hälfte der historischen Instrumente, die seit mehr als 20 Jahren in der Beletage hinter dem sogenannten "Hitler-Balkon" ausgestellt werden, müsste in andere Räumlichkeiten der Neuen Burg übersiedeln. Für Sammlungsleiter Rudolf Hopfner ist dies nicht die ideale Lösung, wie er bei einem Lokalaugenschein zugibt. Die Räume, die jetzt zur Diskussion stehen, liegen nicht auf der gleichen Etage und seien vom Schnitt weniger geeignet. Derzeit kann der Besucher die chronologisch aufgebaute Ausstellungen in einer einzigen Raumflucht durchschreiten und so die Geschichte des Instrumentenbaus aus sechs Jahrhunderten nachvollziehen.

Diskussion um Platzbedarf

Dem Zeithistoriker Oliver Rathkolb, der mit der Leitung einer vorbereitenden internationalen Expertengruppe für ein "Haus der Geschichte" beauftragt wurde, schwebt ein "interaktives und offenes historisches Museum" vor. Als Fläche wurden bisher immer wieder rund 3.000 Quadratmeter genannt, die man für das "Haus der Geschichte" brauche. Diese Zahl hinterfragt Matthias Pfaffenbichler, Leiter der benachbarten Hofjagd- und Rüstkammer: "Dass es bei uns in der Neuen Burg das Haus der Geschichte geben wird, ist gar keine Diskussion. Die Frage ist, wie groß der notwendige Platzbedarf wirklich ist. Und da bin ich nicht ganz der Meinung von Professor Rathkolb. Ich glaube, dass der Platzbedarf, den er sieht, wesentlich überzogen ist. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Platzbedarf anders zu decken. So gibt es etwa eine ganze Reihe von neue Techniken, wie man mit anderen Medien arbeiten kann."

Auch Sabine Haag hadert mit der Platzfrage: "Wenn ein zusätzlicher Nutzer hineingequetscht wird, ist es klar, dass es schwieriger wird und nicht einfacher. Dass wir insgesamt mit dieser noch komplexer werdenden Situation nicht ausgesprochen glücklich sind, ist klar. Aber es ist immer unser Ansinnen, ein konstruktiver Gesprächspartner sein zu können." Minister Ostermayer werde aufgrund der vorgebrachten Argumente eine Entscheidung treffen, die das KHM umsetzen werde. Dennoch sieht es Haag als vergebene Chance, dass das KHM nicht in den wissenschaftlichen Beirat eingebunden wurde.

"Es muss nicht nur um Quadratmeter gehen"

"Es ist ratsam und sinnvoll, dass sich alle Beteiligten Gedanken machen über eine sinnvolle Nutzung der Räume, wobei es nicht immer nur um Quadratmeter gehen kann, sondern es muss auch für das Publikum ein Mehrwert entstehen. Es soll hier eine neue Kulturlandschaft entstehen", so die Generaldirektorin. Eine solche hat auch Pfaffenbichler im Sinn, wenn auch mit einer anderen Herangehensweise: "Ich sehe ein, dass man den Raum hinter dem 'Hitlerbalkon' nützen möchte. Aber die Frage ist, ob man nicht zusätzliche Räume finden könnte – etwa in der Amalienburg, wo gerade eine Ausstellung über den Wiener Kongress stattfindet – und das Projekt durch die Verwendung mehrerer dezentraler Räume, die um den Heldenplatz herum gruppiert sind, auch auf das Volumen kommt, das angestrebt wird."

Für den Sammlungsleiter sei es auch ein spannender Ansatz, "wenn man nicht in der herkömmlichen Form ein zentrales Museum hat, wenn man nicht in der klassischen altertümlichen Form einer historischen Neuaufstellung funktioniert, sondern dezentraler agiert und stärker auf Sonderausstellungen setzt". Man könne etwa im Stiegenhaus Diskussionsforen machen und Internetplattformen bilden, somit müsste man nicht notwendigerweise die Räume der Sammlung Alter Musikinstrumente bespielen.

Dezentrale Lösung

"Die Frage ist, ob man durch andere Gruppierung nicht auch zum selben oder gar zu einem besseren Ergebnis kommt, das sogar moderner ist, weil dezentraler. Die Amalienburg ist mindestens so bedeutend wie die Neue Burg, warum nimmt man nicht auch einen Raum im Parlament dazu oder im Bundeskanzleramt? Oder auch das äußere Burgtor, das nach Napoleonischen Kriegen eine Rolle gespielt hat." Mit Smartphones wäre es ein Leichtes, die Besucher von Ort zu Ort zu leiten und virtuelle Informationen zur Verfügung zu stellen. "Ich verstehe nicht, warum man nicht in der Raumkonzeption dem Ansatz der Interaktion der verschiedenen Bereiche folgt."

Sobald das KHM dem Minister einen Vorschlag bezüglich der Räumlichkeiten vorlegt, soll vom Ministerium ein Grobschätzung für Budgetrahmen und Architekturkosten abgegeben werden, auf deren Grundlage eine Ausschreibung erfolgen kann. (APA, 17.7.2015)

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