TV-Manager und SPÖ-Kanzlerreserve Gerhard Zeiler wird 60

17. Juli 2015, 13:14
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Turner-Präsident scheint nach 17 Jahren im Ausland bereit für eine Rückkehr nach Österreich

Wien – Der erfolgreiche Fernsehmanager Gerhard Zeiler wird am 20. Juli 60 Jahre alt. Zeiler ist seit 2012 Präsident von Turner Broadcasting System International und lenkt von London aus die Geschicke von 160 TV-Kanälen in 200 Ländern mit 3.800 Mitarbeitern und rund zwei Mrd. Dollar Umsatz, darunter globale Marken wie CNN, TNT oder Cartoon Network.

Zuletzt sorgte der Sozialdemokrat und frühere ORF-Generalintendant aber vor allem für innenpolitisches Aufsehen. Im "Kurier" hatte Zeiler nach den SPÖ-Wahlniederlagen in der Steiermark und im Burgenland seine Bereitschaft erklärt, die Nachfolge von SPÖ-Parteichef und Bundeskanzler Werner Faymann zu übernehmen, falls dies von der Partei gewünscht werde, und lieferte auch gleich einige programmatische Ansätze für eine Erneuerung der SPÖ mit. Zeiler brachte sich damit als Kanzlerreserve für etwaige Personaldiskussionen nach den jüngsten Landtagswahlen in Stellung. Seine ungewöhnliche Ansage will Turner-Präsident inzwischen nicht weiter kommentieren und dem Gesagten derzeit auch nichts hinzufügen. Zeilers Grundauffassung von Politik definierte dieser schon vor gut zwei Jahren bei den Österreichischen Medientagen: "Politiker müssen einfach ihre Arbeit tun und das, wovon sie überzeugt sind, jeden Tag an den Mann und an die Frau bringen."

Bereit für eine berufliche Rückkehr

Nach 17 Jahren im Ausland scheint der laut Eigendefinition "Österreicher mit Leib und Seele" jedenfalls bereit für eine berufliche Rückkehr in die Heimat. Privat hat sich Zeiler ohnehin nie aus Österreich verabschiedet. Mit seiner dritten Ehefrau Alexandra lebt er am Hauptwohnsitz in Salzburg, in Wien hat Zeiler eine Wohnung. Und auch privat läuft es derzeit bei Zeiler. Das vermutlich schönste Geburtstagsgeschenk zum 60er gab es bereits Anfang des Monats: Am 1. Juli wurden die Zeilers Eltern eines Sohnes. Daneben hat der Fernsehmanager aus zweiter Ehe auch noch eine 19-jährige Tochter in London.

Zeiler selbst wurde gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder am 20. Juli 1955 nur wenige Wochen nach der Staatsvertragsunterzeichnung in Wien-Ottakring geboren. Nach der Matura schrieb er sich an der Universität Wien in die Fächer Psychologie, Soziologie und Pädagogik ein. Über die Sozialistische Jugend landete er beim SPÖ-Pressedienst und sammelte dort erste journalistische Erfahrungen. 1997 wechselte er ins Kabinett des damaligen Unterrichtsministers und späteren Bundeskanzlers Fred Sinowatz, als dessen Pressesprecher er bis zum Rückzug Sinowatz' diente. 1986 übernahm er diese Funktion auch kurz bei Sinowatz Nachfolger Franz Vranitzky, wechselte aber bald die Seiten in Richtung Medien und wurde ORF-Generalsekretär.

1994 ORF-Generalintendant

1991 ging Zeiler zum ersten Mal ins Ausland und arbeitete für die deutschen Sender Tele 5 und RTL II. 1994 kehrte er nach Österreich zurück und wurde mit Unterstützung der SPÖ ORF-Generalintendant. Zeiler verpasste dem öffentlich-rechtlichen Sender eine grundlegende Reform. ORF 1 und ORF 2 wurden für unterschiedliche Zielgruppen neu positioniert, der 24-Stunden-Sendebetrieb und das Starprinzip eingeführt. Unter Zeiler lancierte man TV-Formate wie "Am Schauplatz", "Thema"; auch die Vorabend-Schiene auf ORF 2 (damals unter dem Titel "Willkommen Österreich") oder die "Mitternachts-ZiB" (damals "ZiB3") gibt es bis heute. Und die ORF-Radios wurden mit dem Relaunch von Ö3 und dem Start von FM4 auf den Eintritt der privaten Konkurrenz vorbereitet. Beim Publikum kamen die Veränderungen an, die Seher- und Hörerzahlen stiegen in lichte Höhen, von denen der ORF noch heute zehren kann. Die Verbreiterung des Angebots sowie die zunehmende Quotenorientierung brachten Zeiler freilich den Vorwurf der Boulevardisierung und Kommerzialisierung ein.

1998 wechselte Zeiler – von Politik und Kritik in Österreich zunehmend genervt – zum deutschen Privatsender RTL, machte den Sender mit ähnlicher Programmstrategie zum stärksten deutschen TV-Anbieter, erklomm die Karriereleiter bis zur Führung der gesamten in Luxemburg ansässigen RTL-Group und sorgte dort Jahr für Jahr für Rekordgewinne. Auch in den Vorstand des Mehrheitseigentümers Bertelsmann zog der RTL-CEO ein. 2010 zeichnete ihn die US-Fernsehvereinigung NATPE als ersten Nichtamerikaner zum TV-Manager des Jahres aus.

Keine Kandidatur 2011

2011 lotete Zeiler eine Rückkehr nach Österreich aus. Er überlegte eine neuerliche Kandidatur für den Posten des ORF-Generaldirektors und hätte auch mit etlichen Stimmen von ÖVP, FPÖ und SPÖ-nahen Stiftungsräten im obersten ORF-Gremium rechnen können. SPÖ-Parteichef Werner Faymann präferierte allerdings den amtierenden ORF-Chef Alexander Wrabetz, und Zeiler sagte in letzter Minute ab.

Begründung: Schon nach wenigen Gesprächen habe er erkannt, dass es "Teilen der Politik nicht darum geht, wer das Unternehmen am besten führen kann, sondern, wer willfährig parteipolitische Personalwünsche umsetzt", so Zeiler. "Wenn ich antrete, zerreißt es die Partei", soll Zeiler darüber hinaus gegenüber der früheren ORF-Generalin Monika Lindner erklärt haben. "Faymann wollte Zeiler nicht. Er hat Angst gehabt, er züchtet sich da einen Nachfolger", erinnerte sich Lindner später. Ähnliches erklärte der gerade verstorbene Ex-ORF-Chef Gerd Bacher. Faymann fürchte "nicht nur den unabhängigen Generaldirektor, sondern auch den Bundeskanzler Zeiler. Auch den könnte Zeiler besser."

TV-Aktivitäten auf drei Kontinenten

2012 schied Zeiler schließlich bei RTL aus und heuerte bei der Tim Warner-Tochter Turner an. Luxemburgs damaliger konservativer Premierminister Jean-Claude Juncker, der heute die EU-Kommission leitet und Zeiler einen "Freund" nennt, zeichnete den Fernsehmacher zum RTL-Abschied mit dem höchsten luxemburgischen Landesorden aus. Bei Turner managet Zeiler seither die Fernsehaktivitäten auf drei Kontinenten.

Den Kontakt zur SPÖ hat das sozialdemokratische Urgestein während seiner internationalen Medienkarriere nie abreißen lassen. Zeiler habe über all die Jahre verlässlich Mitgliedsbeiträge an seine SPÖ-Sektion in Ottakring überwiesen und die Bezirkssektion auch mit Spenden unterstützt, berichten langjährige SPÖ-Funktionäre. Im Rechenschaftsbericht der SPÖ scheint Zeiler für das Jahr 2013 etwa mit einer 5.000 Euro-Spende auf. Diverse Länderorganisationen der SPÖ unterstützte er in den vergangenen Jahren mit Wahlkampfauftritten. Mit Gabi Burgstaller und Franz Voves kamen Zeiler inzwischen aber zwei wichtige Parteifreunde abhanden. Als Zeilers Unterstützer in der SPÖ galten zuletzt vor allem alte Granden um Franz Vranitzky, Hannes Androsch, Karl Blecha oder Ferdinand Lacina.

Vertrag verlängert

Sollte es mit dem Einstieg in die Politik und der Faymann-Nachfolge nichts werden, ist das für Zeiler auch völlig okay, heißt es in seinem Umfeld. Dann wird sich der Fernsehmann weiter um Turners TV-Sender in Europa, Lateinamerika und Asien kümmern. Zeilers Vertrag als Präsident der Time Warner-Tochter wurde erst im Frühjahr um weitere drei Jahre verlängert. Und Zeiler selbst meinte erst vor kurzem: "In so einem zukunftsorientierten Umfeld wirtschaftlich tätig sein zu können, macht mir Riesenspaß." (APA, 17.7.2015)

  • Turner-Präsident Gerhard Zeiler.
    foto: apa / hochmuth

    Turner-Präsident Gerhard Zeiler.

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