Roxane Borujerdi: Abstrakte Tropen

22. Juli 2015, 10:47
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Ein Tiger in meinem Garten: Roxane Borujerdi lädt zum Wandeln zwischen Abstraktion und Narration ein

Sind es Kakteen, Palmenblätter und Mondsicheln? Oder doch abstrakte geometrische Formen, die die französische Künstlerin Roxane Borujerdi als Module für ihren Skulpturengarten benutzt? In ihrer Ausstellung in der Schleifmühlgasse fühlt man sich jedenfalls nicht nur aufgrund des Titels Ein Tiger in meinem Garten in exotische Gefilde versetzt.

Neben der Silhouette einer Palmenkrone, die sie wie die lebensgroßen Kakteen oder die Neumondsicheln mit MDF-Platten nachgebaut hat, sind es vor allem die von ihr eingesetzten Farben, durch die ein Flair tropischer Fauna und Flora verbreitet wird.

Trotz der Abwesenheit eines Tigers bewegt man sich durch die fragilen Skulpturen fast automatisch vorsichtig hindurch: Sie bestehen aus zweidimensionalen Formen, die die 1981 in Paris geborene Künstlerin zu dreidimensionalen Objekten zusammensteckt. Hie und da sind die Platten mit Farben bemalt, die an Blüten und Blätter erinnern; insgesamt wird mit der reduzierten Bemalung aber doch mehr die Abstraktion als die Narration unterstützt.

In ihrer Arbeit hat sich Roxane Borujerdi immer wieder auf eine Formensprache bezogen, die sie der Natur genauso wie der Ästhetik von Bilderbüchern oder auch Kinderspielen entnommen hat: Würfel tauchen in ihren Arbeiten etwa wiederholt auf, aber auch jene zusammengesteckten Skulpturen, durch die man unweigerlich an die Ästhetik sogenannter Aufklappbücher erinnert wird.

Darüber hinaus liegt in Bezug auf ihre Arbeiten auch die Gedankenwelt von Lewis Carroll und Alice nicht fern. So sind es neben den einfachen geometrischen Formen immer auch die Größenverhältnisse, mit denen die Künstlerin spielt: Während sie eine kleine, schillernde Vogelfeder so auf einer der Skulpturen platziert, als wäre diese gerade vom Himmel gefallen, reproduziert sie dieselbe auf einem Poster auch riesig.

Subtil verschoben

An der Wand wirkt dieses insgesamt etwas überdimensional und sorgt so für einen irritierenden Raumeindruck. Zum anderen ist darauf neben der Feder noch einmal genau jenes Grundinventar an Formen zu sehen, das die Künstlerin in ihrer Arbeit laufend variiert, unter anderem etwa auch in Form kleinformatiger Zeichnungen, auf denen man zarte Abstraktionen, aber auch bunte Schlangen auf schwarzem Hintergrund sieht.

Im Obergeschoß taucht ihre bevorzugte Form, der Würfel, auch im Video cubi et libri (2013) auf: Zu sehen sind spezifische Anordnungen aufeinandergestapelter farbiger Kuben, mit denen sie die Bedeutung dahinterliegender (Bilder-)Buchseiten (unter anderem Tiere, Filmszenen oder auch Kunstwerke) auf sehr subtile Weise verschiebt. (Christa Benzer, Album, 18.7.2015)

Galerie Unttld Contemporary, Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien, bis 22.8.

  • Von einem Aufenthalt in Brasilien inspiriert: Untitled (Neumond-Serie) von Roxane Borujerdi.
    foto: sofia goscinski

    Von einem Aufenthalt in Brasilien inspiriert: Untitled (Neumond-Serie) von Roxane Borujerdi.


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