Donna Ong: Der Urwald widerspricht

23. Juli 2015, 08:00
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Während einer Residency in den Krinzinger Projekten hat die Künstlerin westliche Sichtweisen auf den Urwald versammelt

Es dürfte recht laut werden, wenn der Regen einmal richtig herunterprasselt. Immerhin befinden sich die tropischen "Wälder", die Donna Ong für ihre Serie My Forest Has No Name fotografierte, durchwegs hinter Glas. Freilich sieht man das nicht auf den ersten Blick.

In den Tropenhäusern, die die Künstlerin in Leipzig, London, Singapur, Melbourne, Amsterdam und Wien besuchte, hatte man sich, was die Illusion betrifft, schließlich bemüht: Inmitten üppiger Pflanzenwelten mit Farngewächsen, Bambusbüschen, Lianen und Palmen findet man in manchen Häusern auch Wasserfälle und stattliche Seen, wie eine der Aufnahmen von Donna Ong zeigt: Ein Kanu wirkt darauf genauso lebensecht wie der Ureinwohner, der in einem der Pflanzenschauhäuser ein Dekorationsobjekt ist.

Latex auf Transparentpapier

In der Ausstellung From the Tropics, With Love in den Krinzinger Projekten hängen die Fotografien als Latexdrucke auf Transparentpapier wie an einer Wäscheleine dicht nebeneinander. Das bestärkt den Eindruck vom Urwald als einem undurchschaubaren Dickicht, das man über die Jahrhunderte mit vielen Widersprüchen (fruchtbar, aber auch tödlich; wunderschön, aber auch außer Kontrolle) beladen hat.

In ihrer als "Liebeserklärung" an die Tropen gedachten Arbeit hat sich die 1978 in Singapur geborene Künstlerin mit einigen dieser Projektionen befasst: In mühevoller Kleinstarbeit ist etwa eine Arbeit entstanden, für die sie ein wissenschaftliches Buch aus dem 18. Jahrhundert sezierte: Vom ersten Gouverneur von Singapur, dem Engländer William Farquhar, in Auftrag gegeben, enthielt das Buch Zeichnungen chinesischer Künstler, die die tropische Fauna und Flora illustriert haben.

Lieblich-paradiesisch

Donna Ong hat die Bilder, die sich ursprünglich auf verschiedenen Seiten des Buches befanden, fein säuberlich ausgeschnitten und in einem kleinen Leuchtkasten so hintereinander montiert, dass sich insgesamt ein sehr schönes, dreidimensionales Gemälde von einer lieblich-paradiesischen Fantasiewelt ergibt.

Fantasiebegabt dürften außerdem jene Künstler gewesen sein, deren Bilder Donna Ong im Video The Forest Speaks Back aneinanderreiht. Sie hat die Drucke aus dem 18. und 19. Jahrhundert von einem Wiener erstanden, der frühe Ansichten der Tropen gesammelt hat: Die romantisch verklärten, zum Teil fast comicartigen Bilder zeigen Flamingos in der Abendsonne, aber auch andere exotische Tiere wie Affen, Löwen und Elefanten, die ein Ortsunkundiger auf einem der Drucke, aber doch auf etwas zu engem Raum, zusammenbringt.

Brücke ins Heute

Im letzten Raum schlägt die Künstlerin mit einer Serie skulpturaler Arrangements wieder eine Brücke ins Heute: Auf mehreren Podesten hat sie künstliche Pflanzen, Porzellantiger, aber auch Holzfiguren und verschiedene andere Objekte so drapiert, dass man sich unweigerlich an die exotischen Dekos so mancher asiatischer Lokale erinnert fühlt. Schließlich sind die westlich verkitschten Bilder des Urwalds irgendwann auch in die Tropen gekommen, von wo man sie nun in Form von Souvenirs in die ganze Welt exportiert. (Album, 18.7.2015)

Krinzinger Projekte, Schottenfeldgasse 45, 1070 Wien, bis 1.8.

  • Im Video "The Forest Speaks Back" reiht Donna Ong Drucke aus dem 18. und 19. Jahrhundert aneinander.
    foto: krinzinger projekte / donna ong

    Im Video "The Forest Speaks Back" reiht Donna Ong Drucke aus dem 18. und 19. Jahrhundert aneinander.

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