Steiler Weg an die Spitze: Zahl der Führungskräfte weiter gesunken

17. Juli 2015, 11:27
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Über die Möglichkeit zum Aufstieg entscheiden nach wie vor die Faktoren Bildung, Geschlecht, Herkunft und Alter, zeigt eine aktuelle Studie

Die aktuelle Auswertung des Österreichischen Führungskräfte Monitors zeigt, dass der berufliche Aufstieg immer schwieriger wird: Die Zahl der Führungskräfte ist in den letzten fünf Jahren um mehr als 100.000 gesunken. 2010 waren noch 14 Prozent aller unselbständig Beschäftigten in einer leitenden Position, aktuell sind es nur noch zehn Prozent. Der höchste Anteil an Führungskräften findet sich nach wie vor im Verwaltungssektor: Rund jeder Vierte (23 Prozent) gibt an, in einer leitenden Position zu sein. Im Unterrichtsbereich sagen das nur drei Prozent, im Tourismus fünf.

Ungleiche Aufstiegschancen

Laut der von SORA, im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich, durchgeführten Studie, schätzen die Beschäftigten ihre Aufstiegschancen auch immer schlechter ein. 2010 waren zumindest 53 Prozent aller Beschäftigten ohne Leitungsfunktion mit ihren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden, aktuell sind es nur mehr 49 Prozent. Nur 17 Prozent sind "sehr" damit zufrieden, mehr als jeder Fünfte ist umgekehrt wenig bis gar nicht zufrieden (21 Prozent). Führungskräfte bewerten demgegenüber ihre Karrieremöglichkeiten naturgemäß positiver: Mehr als drei Viertel (77 Prozent) sind damit zufrieden.

Die Aufstiegschancen in eine Führungsposition werden in Österreich nicht nur immer geringer, sie sind auch ungleich verteilt. Entscheidend beziehungsweise Voraussetzung für eine Führungsrolle sind immer noch Faktoren wie Bildung, Geschlecht, Herkunft und Alter: Je höher das formale Bildungsniveau, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter eine leitende Funktion innehat.

Führungskräfte: männlich und alt

Frauen haben eine signifikant geringere Chance auf eine Führungsposition in Österreich, genauso wie Beschäftigte mit Migrationshintergrund und Teilzeitbeschäftigte. Entsprechend homogen gestaltet sich die Struktur heimischer Führungskräfte: zwei Drittel sind Männer, fast die Hälfte ist älter als 45 Jahre. 91 Prozent haben keinen Migrationshintergrund und 92 Prozent sind vollzeitbeschäftigt. Oder anders ausgedrückt: Nur ein Prozent der Führungskräfte sind Frauen mit Migrationshintergrund in Teilzeitbeschäftigung. Der Weg zu mehr Diversität in den Führungsebenen heimischer Betriebe ist also noch lang.

Allerdings zeigen sich auch höhere Belastungen unter Führungskräften, etwa in Bezug auf psychischen und Innovations-Stress: 27 Prozent klagen über Zeitdruck, 16 Prozent leiden unter dem ständigen Wechsel von Arbeitsabläufen, 22 Prozent geben dauerhaften Arbeitsdruck ohne Zeit zum Verschnaufen an und 14 Prozent fühlen sich durch Unterbrechungen ihrer Freizeit aufgrund beruflicher Verpflichtungen belastet.

Nur ein Fünftel macht keine Überstunden

Allein die Arbeitszeit stellt für viele Führungskräfte eine Herausforderung dar: diese liegt mit 43 Stunden pro Woche deutlich über dem Durchschnitt sonstiger Beschäftigter. 36 Prozent der Führungskräfte machen häufig Überstunden, 44 Prozent gelegentlich – nur ein Fünftel macht selten oder nie Überstunden, also kommt mit der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit aus. (red)

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