Politik-Berichte: Gratiszeitungen gelten als wenig vertrauenswürdig

17. Juli 2015, 11:03
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TV weiter Top, Social Media holt auf – Offenbar keine "Lügenpresse"-Stimmung in Österreich – Tageszeitungen legen zu

Wien – Das Fernsehen gilt den Österreichern nach wie vor als vertrauenswürdigste Quelle, wenn es darum geht, sich über Politik zu informieren. Das zeigt der aktuelle APA-/OGM-Vertrauensindex zu den verschiedenen Mediengattungen. Auch Radio, Tageszeitungen und Teletext sind weiter stark. Social Media holte gegenüber der Befragung 2013 auf, abgestürzt im Vertrauensranking sind dagegen Gratiszeitungen.

500 Österreicher ab 16 Jahren wurden am vergangenen Dienstag befragt, ob sie der politischen Berichterstattung vertrauen. Aus dem Saldo von ja und nein wurde der Index ermittelt. Zuletzt war diese Umfrage im Oktober 2013 durchgeführt worden.

Damals wie heute an der Spitze findet sich das Fernsehen mit einem Saldo von 50 Punkten. Damit legte es um drei Punkte zu – trotz aller Unkenrufe, dass es Informationssendungen zunehmend schwerer hätten, und einem Trend zum nichtlinearen TV-Konsum, der frühere Fixtermine wie Nachrichtensendungen relativiert. Das "Überall-Medium" Radio findet sich dicht dahinter mit 49 Punkten, was Gleichstand mit 2013 darstellt. Karin Cvrtila von OGM erklärt dies auch mit den TV und Radio eigenen O-Tönen, wodurch sie als authentischer eingeschätzt würden. Vertrauenswürdigste Info-Quelle Nummer drei ist der Teletext, der 39 Punkte erzielte (minus drei).

Tageszeitungen legen zu

Keine Vertrauenskrise haben der Umfrage zufolge die Tageszeitungen zu befürchten. In Zeiten, in denen das Schmähwort "Lügenpresse" zum nur teils ironischen geflügelten Wort wurde, legten sie um zwei Punkte auf 37 zu. Zeitschriften und Magazine liegen mit einem Punkt im Plus. "Von der 'Lügenpresse-Diskussion' in Deutschland sind österreichische Printmedien bisher nicht betroffen", so Cvrtila.

Spannend der Blick auf Online-Plattformen und Social-Media-Kanäle. Facebook (minus 52 Punkte) und Twitter (minus 26) sind zwar weiterhin Schlusslichter der Vertrauens-Hitparade. Doch beide Channels haben gegenüber 2013 je fünf Punkte aufgeholt und sind die "Gewinner" der dieswöchigen Umfrage, so Cvrtila. "Hier scheinen die Online-Auftritte einzelner Politiker ausschlaggebend zu sein", verweist sie auf einen Trend, den immer mehr Politiker zu nutzen suchen. Youtube (minus 20) konnte sein Saldo immerhin um zwei Punkte verbessern. Google als Informations- oder wohl eher Recherchequelle ist mit 14 Punkten im Plus, Online-Medien mit sechs Punkten.

Einen gehörigen Vertrauensverlust setzte es unterdessen für Gratiszeitungen, die im Vertrauensindex acht Punkte verloren und nun bei minus 22 liegen. Eine mögliche Erklärung ist laut Cvrtila die intensive Debatte "rund um Inserate und wohlmeinende Berichterstattung" in gewissen Titeln. Wenig trauen die Österreicher auch Onlineforen (mit 22 Punkten im Minus) und Instagram (minus 19, erstmals abgefragt). (APA, 17.7.2015)

  • APA-OGM-Vertrauensindex zu Vertrauen in politische Berichterstattung nach  Mediengattungen.
    grafik: apa

    APA-OGM-Vertrauensindex zu Vertrauen in politische Berichterstattung nach Mediengattungen.

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