Bei Expedition in Thailand neue Schmetterlingsfamilie entdeckt

17. Juli 2015, 09:35
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Es dauerte 26 Jahren ehe Experten die verwandtschaftliche Zuordnung gelang

Stuttgart – 1989 wurde bei einer Expedition in Nordthailand unter anderem eine bis dahin unbekannte Schmetterlingsspezies entdeckt. Fünf Jahre später hat ein japanischer Experte das Exemplar erstmals wissenschaftlich beschrieben und ihm den Namen Pseudobiston pinratanai gegeben. Wie der Schmetterling taxonomisch einzuordnen ist, blieb jdoch weiterhin unklar. Die Merkmalskombination von Pseudobiston pinratanai ließ keine widerspruchsfreie Zuweisung innerhalb des Systems der Großschmetterlinge zu.

Insgesamt 26 Jahre dauerte es, ehe ein internationales Forscherteam mithilfe der Genetik das Rätsel lösen konnten – und das Ergebnis kommt einer biologischen Sensation gleich: Der unscheinbare Falter stellte sich als Mitglied einer völlig neuen Schmetterlingsfamilie heraus. Die letzte Beschreibung einer neuen Familie der Großschmetterlinge liegt über 20 Jahre zurück.

Der Weg zu diesem Erfolg war kein einfacher: Zunächst integrierten die Wissenschafter die aus den Genen der Schmetterlingsart gewonnen Daten in die bisherigen genetischen Vergleichsstudien der Großschmetterlinge und berechneten deren Verwandtschaftsverhältnisse neu. Das Resultat bestätigte, was die Experten bereits vermutet hatten: Pseudobiston pinratanai gehörte nicht in die Schmetterlingsfamilie der sogenannten Spanner (Geometridae). Stattdessen – und dies war eine große Überraschung – legten die Ergebnisse eine enge Verwandtschaft mit einer artenarmen asiatischen Familie, den Epicopeiidae, nahe.

Der Vergleich machte sicher

In einem zweiten Teil der Studie versuchte das Team, gemeinsame morphologische Merkmale zu finden, um die Ergebnisse aus der genetischen Untersuchung zu bestätigen. So verglichen sie den kompletten Körperbau, besonders Merkmale auf Kopf, Brust und Flügeln fast aller Familien der Großschmetterlinge miteinander. Die Forscher fanden bei dieser Untersuchung zum einen Merkmale, welche die enge Verwandtschaft zu den Epicopeiidae tatsächlich bestätigte. Zum anderen konnten sie für Pseudobiston pinratanai einzigartige Merkmale nachweisen, die schließlich zu dessen Klassifizierung in eine ganz neue Familie der Schmetterlinge, den Pseudobistonidae, führte.

Hossein Rajaei, Schmetterlingsexperte am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und Koautor der im Fachjournal "Zoologica Scripta" veröffentlichten Studie, erklärt die Bedeutung dieses wissenschaftlichen Erfolges: "Durch die umfangreichen Untersuchungen konnten wir verwandtschaftliche Beziehungen und weitere Merkmale erforschen, was uns in der Evolution und Stammesgeschichte der Schmetterlinge neue Hinweise geliefert hat." (red, 17.7.2015)

  • Der unscheinbare Falter Pseudobiston pinratanai bildet eine eigene Schmetterlingsfamilie, wie genetische und morphologische Vergleichsuntersuchungen nun zeigten.
    foto: thomas ihle

    Der unscheinbare Falter Pseudobiston pinratanai bildet eine eigene Schmetterlingsfamilie, wie genetische und morphologische Vergleichsuntersuchungen nun zeigten.

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