Wolford will "neues Apple für Strümpfe" sein

17. Juli 2015, 13:43
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Der Vorarlberger Strumpf- und Wäschekonzern schafft nach zwei Jahren zumindest einen kleinen Überschuss

Wien/Bregenz – Der Vorarlberger Strumpfhersteller Wolford hat seine Laufmaschen nach zwei verlustreichen Jahren wieder aufgefangen und hat im Geschäftsjahr 2014/15 wieder schwarze Zahlen geschrieben. "Das Motto ist 'back to black'", sagte der per Ende Juli scheidende Finanzvorstand Thomas Melzer am Freitag bei der Ergebnispräsentation in Wien.

Unter dem Strich verbuchte Wolford einen Gewinn von knapp über 1 Mio. Euro, nach einem Verlust von 2,8 Mio. Euro im Jahr davor. Auch das operative Ergebnis drehte wieder ins Plus – von minus 4,7 auf plus 2,2 Mio. Euro. Der Umsatz stieg leicht von 155,87 auf 157,35 Mio. Euro. Von der verbesserten Ertragslage sollen auch die Aktionäre profitieren. Der Vorstand werde erstmals seit 2012 wieder eine Dividende von 20 Cent je Aktie vorschlagen, kündigte Melzer an.

Das Geld stamme aus dem Verkauf des nicht-betriebsnotwendigen Vermögens. Wolford verkaufte ein Grundstück in Bregenz, der Erlös daraus betrug 8 Mio. Euro. 3 Mio. Euro davon seien in verstärkte Marketingaktivitäten investiert worden. Der andere Teil werde für die Dividende verwendet.

Neues Apple für Strümpfe

Seit Jänner ist bei Wolford ein neuer Chef am Ruder. Der in Indien geborene niederländische Staatsbürger Ashish Sensarma hatte heute seinen ersten offiziellen Auftritt. "Wir wollen eine globale Marke sein. Wir wollen Produkte schaffen, die man so noch nie in der Welt gesehen hat", gab Sensarma die Richtung vor. "Wir könnten das neue Apple sein, nur halt für Strümpfe", so der Manager, der laut eigenen Angaben "extrem begeistert" ist, nun bei Wolford zu sein. Sensarma arbeitet seit 30 Jahren in der Modebranche. Für den niederländischen Wäscheriesen Mexx baute er das Handelsgeschäft auf.

Auch bei Wolford hat der neue Vorstandschef ganz konkrete Vorstellungen: Die Marke müsse globaler werden, die Produktzyklen kürzer, das Sortiment weniger breit. Der Fokus liege auf "Legwear", also Beinbekleidung jeglicher Art. Mehr Augenmerk will Sensarma auf Schaufensterdekoration und Werbung legen. In den nächsten Jahren sollen in Großstädten wie New York, Hongkong, Berlin, aber auch Wien Flagship-Stores entstehen. Sieben bis zehn könne er sich vorstellen, meinte der CEO. Derzeit gibt es bereits etwa eine Handvoll solcher "Vorzeige-Filialen".

Großes Potenzial sieht das Management für das Online-Geschäft, das derzeit zwar erst 5 Prozent zum Konzernumsatz beisteuert, im abgelaufenen Geschäftsjahr aber mit einem Plus 24 Prozent das größte Umsatzwachstum hinlegte. "Unsere Produkte eigenen sich sehr fürs Online-Geschäft. Sie sind leicht und lassen sich klein verpacken", sagte Melzer. Online kauften vor allem bereits bestehende Kundinnen ein, die ihre Größe kennen.

Nach permanenten Rückgängen habe sich das Großhandelsgeschäft im Jahr 2014/15 wieder erholt, die Umsätze gingen dennoch um 2 Prozent zurück. Im Einzelhandel gab es einen Zuwachs von 1 Prozent.

Harte Einschnitte in Russland

Harte Einschnitte musste Wolford in Russland und der Ukraine hinnehmen, wo die Umsätze um 14 Prozent einbrachen. Die Shops in der Ukraine seien seit Monaten geschlossen. Auch in Österreich ging der Umsatz um 7 Prozent zurück, was laut Finanzchef Melzer vor allem auf Standortschließungen zurückzuführen ist. Rückgänge verbuchte der Strumpfhersteller auch in Deutschland (-2 Prozent), der Schweiz (-9 Prozent) und Frankreich (-3 Prozent). Gut lief es für Wolford in Italien (+9 Prozent), Spanien (+11 Prozent), Großbritannien (+7 Prozent), in den Niederlanden (+5 Prozent), in den USA (+5 Prozent) sowie im Fernen Osten (+23 Prozent). Kein Markt für Wolford ist übrigens die Heimat von Sensarma, Indien.

Das Ziel für 2015/16 sei, den Umsatz weiter zu steigern und nachhaltig in der Gewinnzone zu bleiben, um dividendenfähig zu sein, sagte Axel Dreher (COO). Langfristig erwartet Sensarma eine durchschnittliche Produktivität von über 10.000 Euro pro Quadratmeter im Handelsgeschäft und eine EBIT-Marge von 10 Prozent. (APA, 17.7.2015)

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