Russen wählen sich bei Tiscali in Italien ein

17. Juli 2015, 12:33
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Internetprovider wird samt Millionenschulden verkauft

Nach dem Erwerb des italienischen Mobilfunkbetreibers Wind Communication durch die russische Vimpelcom Ltd. im Jahr 2011 strecken nun andere russische Investoren ihre Fühler in Italiens Telekom-Sektor aus. Im Visier steht der einstige Star der New Economy, der Internetprovider Tiscali. Tiscali soll mit dem Internetdienstleister Aria fusionieren. Es handelt sich um eine sogenannte "Pflichthochzeit", da die beiden als Einzelgänger zurückgeblieben sind. Die vom früheren Telecom-Italia-Manager Riccardo Ruggiero geführte Aria wird vom russischen Finanzinvestor Aleksandar Nesis aus Moskau kontrolliert. An Bord ist auch die russische Finanzgesellschaft Odef.

Verlustreiche Jahre

Die neue Fusionsgesellschaft "TiscAria" wird 700.000 Kunden betreuen, 240 Millionen Euro Umsatz verzeichnen (davon 213 Mio. von Tiscali) und einen Verlust von rund 20 Mio. Euro im ersten Fusionsjahr aufweisen. Tiscali, die einst an der Mailänder Börse eine Kapitalisierung von 14 Mrd. Euro (damals mehr als Fiat), aufwies, schreibt seit seiner Gründung vor 20 Jahren Verluste. Nach den Boomjahren hat Tiscali erhebliche Markteinbußen verzeichnet und Verluste angehäuft. Die russischen Investoren haben sich verpflichtet, die 42 Mio. Euro Verbindlichkeiten von Tiscali bis November zu begleichen. Dann müsse der Sitz der von Renato Soru in Cagliari (Sardinien) gegründeten Gesellschaft nicht veräußert werden. Die Fusion soll zum Teil durch eine von den russischen Investoren zu finanzierende Kapitalerhöhung, zum Teil durch Veräußerung von Tiscali-Aktien im Gesamtwert von 77 Mio. Euro erfolgen. Tiscali-Gründer und Euro-Parlamentarier (PD) Renato Soru wird Präsident der neuen Gesellschaft, Riccardo Ruggiero der Vorstandschef.

Kritik am Deal

In Italien wird insofern Kritik am Deal geübt, da Tiscali den Zuschlag für den Internetbetrieb des öffentlichen Verwaltungssektors gewonnen hat. Dieser wird nun von den Russen kontrolliert, kritisieren italienische Medien. Positiv wurde der Deal vom Markt aufgenommen, nachdem die Tiscali-Kurse seit Wochenmitte rund 15 Prozent auf 0,072 Euro pro Aktie zulegten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 17.7.2015)

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