Bausparer geizen mit Vertragsabschlüssen

19. Juli 2015, 09:00
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Die Zahl der Bausparverträge nimmt ab, aber die Einlagen steigen, da selbst ausgelaufene Verträge weiter bespart werden

Das Motto "Grundbuch statt Sparbuch" als Anlageform hat unverändert Gültigkeit. "Die eigenen vier Wände sind immer noch die beste finanzielle Vorsorge", betonte der Chef der S-Bausparkasse und derzeitige Vorsitzende des Arbeitsforums der Bausparkassen, Josef Schmidinger.

Dass das Bausparen als Klassiker nach wie vor beliebt sei, liege daran, dass die Verzinsung inklusive staatlicher Prämie immer noch ein wenig über der Verzinsung für Spareinlagen liege. 18 Euro pro Jahr zahlt der Staat jenen, die den geförderten Höchstbetrag von 1200 Euro einbezahlen.

Dennoch zeigen die Zahlen des ersten Halbjahres ein durchwachsenes Szenario: Die Zahl der neu abgeschlossenen Bausparverträge ging gegenüber dem ersten Halbjahr 2014 um 6,34 Prozent auf 401.714 zurück. Gleichzeitig stiegen aber die Bauspareinlagen auf den neuen Rekordwert von 20,7 Milliarden Euro, was einem Plus von 230 Millionen Euro zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres entspricht.

Alte Verträge werden weiter bespart

Schmidinger führt das im Wesentlichen auf zwei Punkte zurück: Die Banken haben das Bausparprodukt nicht besonders forciert. Und: Es wurden bereits ausgelaufene Verträge (nach sechs Jahren) einfach nicht gekündigt, sondern weiter bespart. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass sich angesichts des niedrigen Zinsniveaus der Ausleihungsstand verglichen mit dem Halbjahr 2014 um 1,7 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro reduzierte.

Schmidinger begründete dies im Gespräch mit dem STANDARD damit, dass die Bausparkassen von Juni 2014 bis April 2015 stark dem Wettbewerb mit den Banken ausgesetzt waren. Da waren die Banken in einer komfortableren Situation, weil sich diese am Kapitalmarkt refinanzieren, die Bausparkassen aber über die Bauspareinlagen.

Langfristige Zinsen steigen

Seit April dieses Jahres habe sich die Situation aber wieder zugunsten der Bausparkassen gewandelt, weil es zu Zinserhöhungen im zehn- und 15-jährigen Bereich kam. So sind die Bausparfinanzierungen aktuell mit einer 15-jährigen Fixverzinsung von 2,5 Prozent gegenüber den Banken mit im Schnitt 2,80 Prozent wieder im Vorteil.

So risikobewusst die Österreicher auf der Sparseite sind, bei der Finanzierung ist genau das Gegenteil der Fall: In Österreich sind nur 40 Prozent der privaten Wohnbaukredite fix verzinst, im Euroraum sind es 75 Prozent.

Hohe Arbeitslosigkeit

Aber nicht nur der Wettbewerb mit den Banken machte den Bausparkassen bei der Finanzierung zu schaffen. Im privaten Bereich merke man schon die schwache Konjunktur und die Zurückhaltung der Menschen angesichts der Job-Unsicherheit und der hohen Arbeitslosigkeit, so Schmidinger.

Zahlreich haben die Bausparkassen hingegen den Sanierungsscheck abgewickelt. Die Kommunalkredit Public Consulting als Förderstelle hat ermittelt, dass die Bausparkassen seit 2009 insgesamt über 408 Millionen Euro für knapp 100.000 sanierte Einfamilienhäuser und Wohnungen weitergeleitet haben. Der Faktor der Hebelwirkung beträgt demnach 7,9: Mit einer Förderung von 364 Mio. Euro wurden Investitionen von 2,9 Mrd. Euro ausgelöst.

Auch die Initiative Handwerkerbonus stößt auf reges Interesse. Nachdem die erste Tranche von 20 Millionen Euro bereits innerhalb weniger Monate vergriffen war, wurden noch im November des Vorjahres weitere 20 Millionen Euro vom Bund zur Verfügung gestellt. Mittlerweile sind auch davon fast zwei Drittel bereits vergeben. (Claudia Ruff, 17.7.2015)

  • Sowohl der Sanierungsscheck als auch der Handwerkerbonus wurden von den Kunden der Bausparkassen zahlreich nachgefragt.
    foto: andreas schulze

    Sowohl der Sanierungsscheck als auch der Handwerkerbonus wurden von den Kunden der Bausparkassen zahlreich nachgefragt.

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