Integrationsbericht: Was Kurz tabuisiert

Kommentar16. Juli 2015, 18:06
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Schutzsuchende sind von fast allen Deutschkursen und vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen

Österreich ist de facto zu einem Einwanderungsland geworden. Das hat Vorteile, bringt aber auch Probleme mit sich. Zu Letzteren gehört eine spezifische Verletzlichkeit: Werden Teilhabechancen, etwa Bildung und Jobzugang, unter Alteingesessenen und neu Dazukommenden dauerhaft ungleich verteilt, leidet der gesellschaftliche Zusammenhalt.

Davon ausgehend gibt der heurige Integrationsbericht durchaus zu Besorgnis Anlass. Etwa was die Teilung des Arbeitsmarkts angeht – in einen Sektor mit Niedriglöhnen, vor allem für Ausländer, und einen Sektor mit etwas höheren Löhnen, vor allem für Österreicher. Hier hat sich die Ungleichheit institutionalisiert, doch konkrete Empfehlungen, wie dem entgegenzuwirken sei, hatte der Expertenrat von Integrationsminister Sebastian Kurz nicht.

Nichts Hilfreiches zu sagen hatten der Rat und sein Chef auch zur ausländerpolitischen Causa prima: dem Umgang mit der wachsenden Zahl von Asylwerbern, insbesondere zu deren beschämender Unterbringung. Integriert werde erst, wenn das Asylverfahren positiv abgeschlossen ist, lautet die Devise. Also sind Schutzsuchende von fast allen Deutschkursen und vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen.

Asylwerber gehören nicht zu uns, wird damit transportiert. Dass damit auch jene, die bleiben, um wichtige Startchancen umfallen, wird einfach in Kauf genommen – im verletzlicher gewordenen Einwanderungsland Österreich. (Irene Brickner, 16.7.2015)

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