Ausufernde Forderungen, geteilte Ansichten

16. Juli 2015, 17:33
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Niko Formanek sah sich nach Recherchen zu elf Anzeigen veranlasst. Schadenersatz-Forderungen betragen gut eine halbe Million Euro. Der aktuelle Vorstand wehrt sich

Wien – 278, 278a, 147, 156, 153, 153b, 223. Diese Zahlen (und Buchstaben) benennen jene Paragrafen des Strafgesetzbuches, an denen sich Niko Formanek orientiert. Bildung einer kriminellen Vereinigung, schwerer Betrug, betrügerische Krida, Untreue, Förderungsmissbrauch und Urkundenfälschung lauten die Delikte, die laut Formanek im österreichischen Schwimmverband (OSV) begangen worden sein könnten. Er sagt, er habe Hinweise darauf, und er sagt, dass er frühere und aktuelle Mitglieder des Vorstands, elf insgesamt, "bei der Staatsanwaltschaft angezeigt" habe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Formanek, Ex-Pressesprecher des Liberalen Forums, ist Kommunikationsexperte, Comedian und Vater einer Synchronschwimmerin. Als diese, Charlotte, Wickel mit dem Verband bekam (und nach Luxemburg übersiedelte), begann Formanek sich für Vorgänge im OSV zu interessieren. Im Zuge seiner Recherchen stieß er auf die Anwälte Christian Schneeberger und Thomas Krankl, die mit dem OSV seit Jahren im Clinch liegen. Schneeberger war Präsident des Salzburger Landesverbands, der wie acht Salzburger Vereine vom OSV ausgeschlossen wurde. Krankl vertritt den ebenfalls ausgeschlossenen Jukic-Verein SC Austria Wien. Sämtliche Ausschlüsse sind von Gerichten mittlerweile aufgehoben worden, hernach wurden Schadenersatzforderungen eingebracht, die mittlerweile mehr als eine halbe Million Euro umfassen.

Audiatur et altera pars?

Krankl sagt, er habe kürzlich beim Verbandsgericht, das er zunächst anrufen müsse, allein wegen des Austria-Wien-Ausschlusses einen Antrag auf Zahlung von 290.000 Euro eingebracht. Das Verbandsgericht müsse nun binnen sechs Monaten entscheiden, Krankl geht davon aus, dass er hernach ein Zivilgericht anrufen wird, der OSV werde nicht plötzlich 290.000 Euro lockermachen. Die 290.000 Euro erklären sich vor allem aus Mitgliedsbeiträgen in Höhe von monatlich 10.000 Euro, um die der Jukic-Verein seit seinem Ausschluss, seit Jänner 2013, umgefallen sei.

Ein Zivilverfahren wurde in erster Instanz bereits entschieden – gegen den OSV. Das Salzburger Schwimmteam Delphin bekam 125.000 Euro Schadenersatz zugesprochen, der OSV berief. Andere Verfahren harren ihrer Verhandlungen. Der ausgeschlossene Salzburger Landesverband fordert 97.000, die sieben übrigen Vereine fordern insgesamt 67.000 Euro Schadenersatz. Schneeberger und Krankl argumentieren, der OSV habe es seinerzeit verabsäumt, die Gegenseite (ausreichend) anzuhören. Krankl spricht von einer "eklatanten juristischen Fehlleistung des Vorstands".

Ex-Präsident gelassen

Von Formaneks Anzeige sind laut Austria Presse-Agentur u.a. die ehemaligen OSV-Präsidenten Paul Schauer und Stefan Miklauz sowie Ex-Generalsekretär Thomas Gangel, Ex-Finanzreferent Walter Benesch und aktuelle Funktionäre wie Thomas Unger (Generalsekretär), Stefan Opatril (Vizepräsident), Werner Kühnert (Finanzreferent) und Herbert Schurm (Schriftführer) betroffen. Vor einer Woche war der OSV wegen des Verdachts des Förderbetrugs mittels Honorarnoten und Kreisüberweisungen von 2006 bis 2013 in die Schlagzeilen geraten. Der Schaden für den Steuerzahler soll zumindest 254.000 Euro betragen. Schauer sagte dem STANDARD am Donnerstag, er sei "sehr gelassen" und sich "keiner Schuld bewusst. Ich habe immer in der allerbesten Absicht gehandelt".

OSV-Rechtsreferent Arno Pajek und OSV-Vizepräsident Stefan Opatril traten gestern dem Vorwurf von Krankl und Schneeberger entgegen, der OSV_würde das Angebot einer gütlichen Einigung ausschlagen. "Diese Einigung würde den OSV 300.000 Euro kosten." Dem STANDARD liegt eine vorgeschlagene Vereinbarung vor, derzufolge sich der OSV tatsächlich verpflichten würde, ein Salzburger Schulschwimmprojekt zehn Jahre lang mit 30.000 Euro jährlich zu unterstützen. Darüber hinaus wehrt sich OSV-General Unger gegen eine Aussage Formaneks, wonach er, Unger, 5000 Euro für einen 20-Stunden-Job kassieren würde. "Ich arbeite 70 bis 90 Stunden die Woche, habe einen All-In-Vertrag, weder Dienstauto noch Diensthandy und verdiene monatlich 5500 Euro brutto." (Fritz Neumann, 16.7.2015)

  • Im österreichischen Schwimmsport ziehen alle an einem Strang, nur von beiden Seiten. Nur auf den Knoten von Anwälten geht etwas weiter.
    foto: ap/golovkin

    Im österreichischen Schwimmsport ziehen alle an einem Strang, nur von beiden Seiten. Nur auf den Knoten von Anwälten geht etwas weiter.

  • Niko Formanek recherchiert gegen den OSV und zeigt an.
    foto: jan frankl

    Niko Formanek recherchiert gegen den OSV und zeigt an.

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