Kulterer will nicht Sündenbock sein

16. Juli 2015, 22:47
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Der Ex-Manager gestand im U-Ausschuss Fehler ein, sieht sich aber nicht als "kriminelles Mastermind"

Selbstkritisch in einzelnen Punkten, selbstbewusst bei der Zurückweisung aller strafrechtlichen Anschuldigungen: So gab sich der frühere Hypo-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Kulterer bei seiner lang erwarteten Befragung im U-Ausschuss.

Kulterer wehrte sich gegen Anschuldigungen, er sei das "kriminelle Mastermind" (Team-Stronach-Vertreter Robert Lugar) in der Causa Hypo. Niemals habe er eine bewusste Handlung zum Schaden der Bank getätigt. Es habe ein "Dirty Campaigning" gegen ihn gegeben, er sei zum Sündenbock gemacht und wie ein Schwerverbrecher behandelt worden. Nach Gerichtskosten in Millionenhöhe sei ihm "das nackte Leben geblieben", man könne ihm also nichts mehr androhen.

Der langjährige starke Mann der Hypo, der eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Untreue absitzt, zeigte nicht gerade Reue, gestand aber zumindest persönliche Fehler ein. Der größte sei die Strategie der Bank nach dem Bekanntwerden von Spekulationsverlusten in Höhe von 330 Millionen Euro gewesen. Kulterer will im Herbst 2004 zum ersten Mal davon erfahren haben. "Das Swap-Event hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen", so Kulterer. Man hätte nicht die defensive Strategie wählen und das Problem intern lösen, sondern in die Offensive gehen und die vermittelnden Investmentbanken verklagen sollen.

Als dann im März 2006 die Swap-Verluste über eine Zeitung an die Öffentlichkeit drangen – ihr zugespielt aus der zum Finanzministerium unter Karl-Heinz Grasser ressortierenden Finanzmarktaufsicht, wie Kulterer behauptet -, sei sein erster Gedanke gewesen: "Das ist jetzt die Abrechnung von Grasser mit Haider."

Sein eigenes Verhältnis zum verstorbenen Landeshauptmann sei immer distanziert gewesen. Haider habe Angst gehabt, dass Kulterer irgendwann für die ÖVP und gegen ihn als Landeshauptmann kandidieren könnte. Den Vorwurf, die Hypo sei ein Selbstbedienungsladen für Haiders Landesregierung gewesen, versuchte er zu entkräften. Bei keinem Projekt sei eine Bereicherung nachzuweisen. Besonders stört ihn diese "Unterstellung" beim Bau des "idiotischen" Fußballstadions in Klagenfurt für die EM 2008. Dafür habe es keinen einzigen Euro von der Hypo gegeben. Mit einem solchen Wunsch sei Haider nie an ihn herangetreten – habe er doch gewusst, dass Kulterer sich dagegen verwehren würde.

Dass ein Vorstand einer Landesbank politischem Druck ausgesetzt ist, sei logisch. Weisungen habe es aber ebenso wenig gegeben wie Wunschprojekte Haiders, die einen Milliardenschaden anrichteten. "Ich habe mich mit Haider arrangiert. Das bedeutet aber nicht, dass man sich von der Politik vergewaltigen lassen muss", fasste Kulterer zusammen.

Die fehlende Entbindung vom Bankgeheimnis durch die Hypo-Auffanggesellschaft Heta war bei seiner Befragung kaum von Belang. Das Gleiche gilt für Kulterers in der Causa Vorzugsaktien zu vier Jahren Haft verurteilten Vorstandskollegen Günter Striedinger, der nach ihm geladen war. Den Abgeordneten ging es weniger um einzelne umstrittene Kreditfälle, bei denen die Verschwiegenheitspflicht zum Tragen hätte kommen können. Bestimmende Themen waren vielmehr grobe Fehlentwicklungen wie die Swap-Verluste, aber auch die Landeshaftungen und der Verkauf der Hypo an die BayernLB.

Ordentlich getäuscht

Dieser erfolgte nach Kulterers Befinden zum optimalen Zeitpunkt und zu einem exorbitanten Preis. An dem Tag, an dem die Bayern unterschrieben, habe er die Hypo in ordentlichen Händen geglaubt. Nachsatz: "Da habe ich mich ordentlich getäuscht." Von einer Sanierung des Risikomanagements und einem langsameren Kreditwachstum unter den Bayern könne keine Rede sein. Im Gegenteil, diese hätten nach ihrem Einstieg sogar "mehr Gas gegeben". Die deklarierten Risikokredite seien um 900 Millionen Euro angestiegen. Die "kurzfristige Verstaatlichung" sei dann überhaupt "die Ernüchterung meines Lebens" gewesen.

Dass die – zu hohen – Hypo-Landeshaftungen jemals schlagend werden könnten, darüber habe vor der Finanzkrise niemand nachgedacht, so Kulterer, der nach der nun anstehenden Sommerpause noch einmal geladen werden soll. (Simon Moser, 17.7.2015)

  • Ein scharfes Bild von Wolfgang Kulterers Verantwortung für das Milliardengrab Hypo Alpe Adria gab es bei seiner Befragung nicht. Der frühere Bankenchef wies die meisten Vorwürfe zurück.
    foto: cremer

    Ein scharfes Bild von Wolfgang Kulterers Verantwortung für das Milliardengrab Hypo Alpe Adria gab es bei seiner Befragung nicht. Der frühere Bankenchef wies die meisten Vorwürfe zurück.

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