Schwedische Justiz will Zustimmung Ecuadors zu Vernehmung Assanges

16. Juli 2015, 17:25
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Wikileaks-Gründer zur Last gelegte sexuelle Delikte verjähren

Stockholm – Der schwedischen Justiz läuft die Zeit in dem Verfahren gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange wegen Sexualdelikten davon. Wie das Büro der mit dem Fall betrauten schwedischen Staatsanwältin Marianne Ny am Donnerstag mitteilte, wollen die Ermittler den Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks in Ecuadors Londoner Botschaft vernehmen, wo er seit drei Jahren festsitzt.

Für die Vernehmung muss Ecuador allerdings die Erlaubnis erteilen. Zwei schwedische Frauen werfen dem Australier "Vergewaltigung" und "sexuelle Übergriffe" im Sommer 2010 in Schweden vor. Der 44-jährige Australier spricht dagegen von "einvernehmlichem Sex". Voraussetzung für die förmliche Eröffnung eines Verfahrens gegen Assange ist dessen vorherige Vernehmung. Die Assange zur Last gelegten sexuellen Übergriffe verjähren am 13. beziehungsweise am 18. August, die Vergewaltigung im Jahr 2020.

Furcht vor US-Prozess

Assange weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als politisch motiviert. Er fürchtet nach eigenen Angaben, von Schweden an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrats und möglicherweise die Todesstrafe droht. Assange floh im Juni 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London, nachdem er in Großbritannien alle Rechtsmittel gegen den Auslieferungsantrag Schwedens ausgeschöpft hatte.

Wikileaks veröffentlichte in den vergangenen Jahren immer wieder geheime Dokumente, die unter anderem das Vorgehen der US-Streitkräfte im Irak und in Afghanistan beleuchteten. Assange zog damit den Zorn der US-Regierung auf sich. Zuletzt machte Wikileaks eine Reihe von Dokumenten publik, die zeigen, wie der US-Geheimdienst NSA die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, mehrere deutsche Minister und mindestens drei französische Präsidenten ausspionierte. (APA, 16.7.2015)

  • Julian Assange soll vernommen werden
    foto: ap photo/kirsty wigglesworth, file

    Julian Assange soll vernommen werden

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