Neuer Rezeptor für Kontrolle des Blutdrucks entdeckt

16. Juli 2015, 15:07
5 Postings

Bei Mäusen wurde der P2Y2-Rezeptor gezielt ausgeschaltet. Danach stieg der Blutdruck im Verlauf weniger Tage an

Bad Nauheim – Hoher Blutdruck ist ein zentraler Faktor bei der Entstehung vieler Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim konnten nun einen Regulationsmechanismus entschlüsseln, der bei der Entstehung des Bluthochdrucks beteiligt sein dürfte: Die physikalischen Kräfte des fließenden Blutes aktivieren einen Rezeptor auf der Oberfläche der Gefäßinnenwand. Über eine Reaktionskette führt dies schließlich zur Absenkung des Blutdrucks.

Es sind zwar eine Reihe von Faktoren bekannt, die einen Einfluss auf den Blutdruck haben, die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen sind aber bislang nur lückenhaft erforscht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Kontrolle des Blutdrucks eine der komplexesten Steuerungsfunktionen des Körpers ist.

Die Höhe des Blutdrucks wird vor allem über bestimmte Arterien, sogenannte Widerstandsgefäße, reguliert. Ziehen diese Gefäße sich zusammen und verkleinern ihren Durchmesser, erhöht sich der Blutdruck. Umgekehrt führt ein Entspannen der Gefäße zu einem niedrigeren Blutdruck.

Komplexer Mechanismus

Der tatsächliche Spannungszustand der Blutgefäße wird durch die Muskelzellen in der Gefäßwand reguliert. Dabei beeinflussen nicht nur systemisch wirkende Faktoren die Gefäßmuskulatur, sondern auch lokal wirkende Komponenten. "Seit langem ist bekannt, dass die durch den Blutstrom verursachten physikalischen Scherkräfte auf die innere Schicht der Gefäßwand, die sogenannten Endothelzellen, einwirken und dadurch den Spannungszustand der Blutgefäße herabsetzen", sagt Stefan Offermanns, Direktor der Abteilung Pharmakologie am Max-Planck-Institut.

Wie dies genau geschieht, ist nicht bekannt. Möglicherweise nehmen sogenannte Mechanorezeptoren auf der Zelloberfläche den Reiz auf und produzieren daraufhin ein als ATP bezeichnetes Molekül. Am Ende einer Reihe bislang nur ansatzweise verstandener Zwischenschritte produzieren die Endothelzellen Stickstoffmonoxid. Dieses wiederum entspannt die Gefäßmuskulatur und senkt so den Blutdruck ab.

Den Blutdruck von Mäusen steigern

Funktioniert dieser Vorgang nicht oder nur abgeschwächt, kann das die Ursache für erhöhten Blutdruck sein. Die Max-Planck-Forscher konnten nun in einer Studie wesentliche Teile des Mechanismus aufgeklären, der zur Freisetzung von Stickstoffmonoxid und damit zur Senkung des Blutdrucks führt. "Nachdem wir in Zellkulturversuchen Hinweise gefunden hatten, dass eine bestimmte Andockstelle für ATP, der P2Y2-Rezeptor, im Zentrum des Regelmechanismus steht, schalteten wir diesen Rezeptor in Mäusen gezielt aus", so Offermanns.

Daraufhin stieg der Blutdruck bei diesen Mäusen mit inaktiviertem P2Y2-Rezeptor im Verlauf weniger Tage an. "Der auf ATP ansprechende P2Y2-Rezeptor ist das Schlüsselprotein. Er wird über die Scherkräfte des fließenden Blutes indirekt aktiviert. Am Ende der Reaktionskaskade, deren Komponenten wir in weiteren Versuchen ebenfalls identifizieren konnten, wird Stickstoffmonoxid gebildet, wodurch sich die Gefäßwand entspannt und der Blutdruck sinkt", erläutert Offermanns. (red, 16.7.2015)

Share if you care.