20 Jahre GPS: Wie das Navi zum Massenprodukt wurde

16. Juli 2015, 08:10
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Satellitenbasierte Ortung ohne künstliche Ungenauigkeit seit dem Jahr 2000 dank Bill Clinton

Ohne Global Positioning System (GPS) kein Navi, wie wir es kennen: GPS wurde in den USA bereits ab den 70er-Jahren für militärische Zwecke entwickelt. Am 17. Juli 1995 wurde GPS offiziell in Betrieb genommen. Das Ortungssystem hatte da seine volle Funktionsfähigkeit erreicht, für die 24 Satelliten sorgten. Die Möglichkeit für zivile Anwendungen ab 2000 machte das Navi zum Verkehrslotsen.

Erst in den 2000ern massentauglich

"Die zivile Anwendung machte GPS potenziell für Navi-Anwendungen interessant, doch zu einer Technik für ein Massenprodukt wurde sie erst in den Jahren 2003 bis 2004", sagte ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl im Gespräch mit der APA. Die Massentauglichkeit der Geräte wurde auch dadurch ein wenig "ausgebremst", weil die zivilen GPS-Signale zuvor aus militärischen Gründen verschlechtert wurden. Mit dieser Ungenauigkeit hatte es seit dem Mai 2000 ein Ende und seither sind auch die zivilen GPS-Anwendungen präzise. Zu Verdanken ist dies übrigens dem einstigen US-Präsidenten Bill Clinton, der die Aufhebung per Dekret angeordnet hatte, verriet Dietrich Kuhlgatz, Unternehmenshistoriker beim Navi-Pionier Bosch.

TomTom sorgt für Wende

Bis Anfang 2000 waren Navis eher etwas für betuchtere und technikaffine Autofahrer. Im März 2004 kam dann etwa der niederländische Navigationsgerätehersteller TomTom mit seinem ersten "GO" auf den Markt, dem ersten portablen Navi der Welt, erzählte Unternehmenssprecher Tom Henkel. Der deutsche Konkurrent Bosch konnte bereits im Vorjahr sein 25-jähriges Navi-Jubiläum feiern, denn 1989 ging man mit dem serientauglichen Navi "TravelPilot" an den Start. Doch dieser Beginn wurde noch per Kompass und installierten Radsensoren eingeleitet. Bosch erweiterte dieses so auf einem Koppelsystem basierende Gerät dann bereits 1993 mit einem GPS-Empfänger, sagte Unternehmenssprecher Joern Ebberg auf Anfrage.

Während der ersten Jahre wurde das Bosch-System aber vor allem für professionelle Zwecke genutzt, etwa bei der Feuerwehr in Los Angeles. 1995 ermöglichten die technischen Fortschritte den "TravelPilot RG" mit Routenführung und Sprachausgabe – da als Komponente der damals teuersten Auto-HiFi-Anlage von Blaupunkt. Funktionen wie der Touch Screen folgten erst nach der Jahrtausendwende, als die Geräte portabel, also tragbar wurden. Bosch stellt inzwischen keine portablen Navis mehr her, sondern liefert die Technologie für Kunden wie Audi oder Toyota, die dann ihre Pkw bei Bedarf damit ausstatten und nutzt die GPS-Technologie zudem für neue Anwendungen, die unter dem Stichwort "automatisiertes Fahren" laufen.

Smartphone als Konkurrent

Für die Navis hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Smartphone ein Konkurrent entwickelt, ebenso wird die tragbare Version immer mehr durch die bereits eingebauten Systeme ersetzt. "Ob man seinen Pkw mit einem portablen Navi nachrüstet, sich mittels einer App orientiert, oder auf die bereits im Neuwagen eingebaute Variante setzt, ist zuletzt auch eine Preisfrage", sagte Kuhlgatz.

Laut TomTom ist die tragbare Variante jedenfalls noch immer ein wichtiger Umsatzbringer des Unternehmens, so mache das Consumer-Segment 2014 rund 60 Prozent an diesem aus, was für Deutschland rund eine Million und für Österreich rund 100.000 verkaufter Geräte bedeutet. Für Unternehmenssprecher Tom Henkel ist die Alternative Smartphone vergleichbar damit, dass man im Urlaub ja auch eine Digicam für Bilder verwende. Stauwarnungen oder an welchem Wochentag eine bestimmte Strecke welche Frequentierung erwarten lässt, zeigen, dass die technische Entwicklung nicht stehen geblieben sei.

e-Call wird sich durchsetzen

Diese geht auch im Bereich der GPS-Anwendungen weiter, sagte Kuhlgatz von Bosch. "GPS ist ein Beispiel dafür, wie Technologien zusammenwachsen" – und diese Vernetzung bewegt sich in Richtung automatisiertes Fahren. Genannt wurde auch der sogenannte eCall, der nach einem Unfall automatisiert einen Notruf abgibt und ebenfalls per GPS ortet. "Das wird sich bald in den Neuwagen durchsetzen", so Kuhlgatz. Der Autonotruf eCall kommt ab 31. März 2018 in allen neuen Pkw-Modellen zum Einsatz.

GPS ist übrigens nicht das einzige Satellitennavigationssystem. Neben dem europäischen Galileo- gibt noch das chinesische Beidou-, und das russische GLONASS-System – letzteres wird inzwischen auch von TomTom mitverwendet. (APA, 16.7.2015)

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  • Navis erfreuen sich seit den 2000ern hoher Beliebtheit, doch Smartphones konkurrieren mit ihnen
    foto: reuters/united photos

    Navis erfreuen sich seit den 2000ern hoher Beliebtheit, doch Smartphones konkurrieren mit ihnen

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