Frankreich: Attentäter wollte Vorgesetzten enthaupten

15. Juli 2015, 23:02
53 Postings

Die französische Polizei hat einen neuen Terroranschlag vereitelt – offenbar einen von vielen. Auch Werkstätten mit Explosionsgefahr werden nun besser geschützt

Drei Verdächtige im Alter von 17, 19 und 23 Jahren waren am Donnerstag noch in Untersuchungshaft, nachdem ein vierter Festgenommener freigelassen worden war. Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte, das Trio habe "einen Terroranschlag auf eine französische Militäranlage" geplant. Polizeikreisen zufolge gestanden die drei, das Fort Béar in Port-Vendres bei Perpignan ins Auge gefasst zu haben. Sie wollten Ende des Jahres oder am 7. Jänner 2016 zuschlagen, wenn sich der mörderische Anschlag auf das Satireblatt "Charlie Hebdo" jähren wird. Ihr Ziel sei es gewesen, einen Offizier zu entführen und zu enthaupten, um die mit einer Gopro-Kamera gefilmte Szene danach ins Internet zu stellen.

Anstifter war der jüngste des Trios, ein 17-Jähriger, der sich nach französischem Sprachgebrauch 2014 "radikalisiert" hatte. Nahestehende hätten ihn auf der Anti-Jihad-Plattform der Regierung angezeigt, worauf ihn der Inlandsgeheimdienst auch einvernommen habe. Sehr aktiv in den sozialen Medien, habe er die Absicht geäußert, in den Krieg nach Syrien zu reisen. Danach wurde er intensiv überwacht; verhaftet wurde er offenbar, als er über seine Anschlagspläne am abgehörten Telefon sprach.

Wegen Benimmproblemen ausgemustert

Die Absicht, eine makabre Enthauptung zu filmen, könnte sich mit persönlichen Motiven gepaart haben. Der 23-Jährige, der als Marinesoldat wegen Benimmproblemen ausgemustert worden war, soll es auf seinen früheren Vorgesetzten abgesehen gehabt haben. Das erinnert an den Anschlag von Juni in der Nähe von Lyon, wo ein Chauffeur den Unternehmenschef enthauptet hatte, bevor er auf dem Firmengelände Gasflaschen in die Luft sprengte.

In Frankreich wächst die Besorgnis über diese neue Formen von Terroranschlägen. Cazeneuve gab fast nebenbei bekannt, dass seine Dienste "jede Woche" mögliche Attentäter verhafteten und Terrorakte verhinderten. Derzeit seien 1.850 "Franzosen oder in Frankreich Wohnhafte" irgendwelchen Jihad-Netzen angeschlossen. Davon seien 500 in Syrien und im Irak aktiv, 126 säßen in Frankreich hinter Gittern. Noch mehr, nämlich 2.500 "Radikalisierte" – Worte wie "Islamisten" oder "Salafisten" vermeidet die Regierung neuerdings – würden überwacht.

Industrielle Ziele

Nicht viele Worte verliert die Regierung auch über den Umstand, dass neuerdings industrielle Ziele gewählt werden. Dies entspräche Aufrufen der Terrormiliz "Islamischer Staat", Frankreich auf alle erdenkliche Weise zu attackieren. Anfang Juli hatten Unbekannte bei einem Einbruch in ein Militärdepot große Mengen von Plastiksprengstoff und Zünder entwendet. Am Mittwoch gingen in Miramar bei Marseille zwei Treibstofftanks einer holländischen Firma in Flammen auf. Bei einem dritten Lager wurde ein Zünder gefunden.

Cazeneuve spricht von einer "kriminellen" Tat. Immerhin ordnete er eine stärkere Überwachung explosiver Produktionsstandorte an. Bereits heute sind im Rahmen des Antiterrordispositivs Vigipirate 7.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz. Sie genügen aber nicht, um zusätzlich zu Flughäfen, Bahnhöfen oder Synagogen auch die 1.200 als gefährlich eingestuften Standorte der Kategorie "Seveso" zu sichern. (Stefan Brändle, 16.7.2015)

  • Französische Soldaten am Nationalfeiertag.
    foto: ap photo/thibault camus

    Französische Soldaten am Nationalfeiertag.

Share if you care.