Prozess wegen Mordversuchs in Salzburg: "Habe keine Erinnerung"

15. Juli 2015, 14:37
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Laut Anklage seinem Kontrahenten mit Messer fünf Schnittwunden zugefügt

Salzburg – Fünf Schnittwunden mit einem Messer soll ein 50-Jähriger seinem Kontrahenten am 27. November 2014 in Salzburg laut Staatsanwältin Sabine Krünes verpasst haben. Doch der wegen versuchten Mordes angeklagte Mann konnte sich am Mittwoch bei einem Prozess am Landesgericht an nichts mehr erinnern und war deshalb nicht geständig. Das Opfer wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Nur durch eine Abwehrbewegung mit dem Arm habe das Opfer verhindern können, dass ein Messerstich die Herzgegend traf, legte die Staatsanwältin den Geschworenen die Gefährlichkeit der Tat nahe. Grund der Auseinandersetzung war eine Frau. Laut Krünes hatte der Angeklagte, ein türkischer Staatsbürger, zuvor ein Pub im Stadtteil Schallmoos besucht und Alkohol konsumiert. In dem Lokal befanden sich auch ein Mann und eine Frau, die der 50-jährige Stammkunde des Pubs bereits gekannt hatte. Alle drei begaben sich nach der Sperrstunde gegen 5.00 Uhr zu einer Bushaltestelle, wo es dann zu der Attacke gekommen ist.

Der Angeklagte habe auf die Bekannte eingeredet, sie solle mit ihm mitkommen, doch die Frau habe abgelehnt, schilderte die Staatsanwältin. Der dritte im Bunde leistete offenbar Schützenhilfe. Dieser habe gemeint, er solle die Frau in Ruhe lassen. "Da sagte der Angeklagte 'komm her'. Als der Mann zu ihm kam, hat der Angeklagte sofort mehrmals auf ihn eingestochen", sagte Krünes.

Erinnerungslücken

Bei seiner Einvernahme vor der Polizei konnte sich der Beschuldigte offenbar noch an einiges erinnern. Er gab an, dass er von dem Kontrahenten angegriffen worden sei. Als er einen Schmerz am Arm gespürt habe, habe er aus einer Mülltonne Gegenstände herausgefischt und auf den Mann geworfen. Möglicherweise habe es sich dabei um ein zerbrochenes Glas gehandelt.

Doch heute konnte sich der Angeklagte "an nichts mehr erinnern", wie er zur vorsitzenden Richterin Gabriele Glatz sagte. Die Verteidigerin erklärte, wie die Erinnerungslücke entstehen hatte können: Ihr Mandant, der an einer schweren Lungenerkrankung leide, sei aus dem Pub gegangen, um einen Asthmaspray zu nehmen. Ein Jugendlicher habe ihm dann einen Joint angeboten, den er auch geraucht habe. "Er hat mit der Wirkung nicht gerechnet. Er hat seine Erinnerung komplett verloren. Er weiß nicht, was an der Bushaltestelle vorgefallen ist. Er hatte jedenfalls keinen Vorsatz den Mann zu töten. Deshalb bekennt er sich nicht schuldig. Eine Tatwaffe wurde auch nicht gefunden."

Die Vorsitzende des Geschworenengerichts erklärte zu Prozessbeginn, dass der Beschuldigte 2003 nach Österreich gekommen war. Trotz negativen Ausgangs des Asylverfahrens sei er wegen seiner Lungenerkrankung nicht abgeschoben worden. Mittlerweile sei er sieben Mal vor Gericht gestanden, zuletzt erst einen Monat vor der Tat an der Bushaltestelle.

Der Angeklagte war wegen des Vorfalls bereits im November vor einer Einzelrichterin gestanden. Die Anklage lautete damals auf absichtliche schwere Körperverletzung. Doch die Richterin fällte ein Unzuständigkeitsurteil, weil sie einen versuchten Mord nicht ausschließen konnte. Deshalb wurde nun ein Schwurgericht mit dem Fall befasst.

Auch diesmal wurde der Prozess aufgeschoben: Der neuropsychiatrische Gutachter Ernst Griebnitz konnte nicht kommen, deshalb wurde die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. (APA, 15.7.2015)

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