Leistenbruch: Neue Fixierung senkt Schmerzrisiko

15. Juli 2015, 14:36
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Ein biologisches Haftmittel fixiert das über die Bruchpforte gelegte Netz gleichmäßig an über 30 verschiedenen Stellen

Wien – Rund 15.000-mal wird in Österreich Jahr für Jahr die Diagnose Leistenbruch gestellt. Der Großteil der Patienten sind Männer.

Da ein Leistenbruch nicht von selbst heilt und mit der Zeit immer größer wird, ist ein chirurgischer Eingriff nur eine Frage der Zeit. Dabei wird die typische Schwachstelle in der Bauchmuskulatur verschlossen. Zur Behandlung hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Verwendung von leichtgewichtigen Netzen durchgesetzt. Diese verstärken die Schwachstelle und senken auch das Risiko, dass der Bruch wieder auftritt, auf etwa fünf Prozent.

Kleben ist schonender als Nähen

Eine mögliche, wenn auch seltene Folge der Operation sind chronische Missempfindungen, die zumeist auf die Fixierung des Netzes im Bauchraum mit Klammernähten zurückgehen. Denn das versehentliche Mitnähen eines kleinen Nervenasts kann ausreichen, um Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle auszulösen.

Um dieses Problem zu reduzieren, wurden spezielle Kleber entwickelt, die sich in mehreren Studien als haltbarer und schonender erwiesen haben im Vergleich zur Netzfixierung mit sogenannten Tackern.

Gleichmäßige Fixierung

"Seit einiger Zeit haben wir eine neue Technologie im Einsatz, die speziell für die minimal-invasive Technik entwickelt wurde", berichtet Georg Bischof vom Evangelischen Krankenhaus Wien. Dabei wird ein biologisches Haftmittel per High-Tech-Dosierpumpe durchs Schlüsselloch eingebracht. Es fixiert das über die Bruchpforte gelegte Netz gleichmäßig an über 30 verschiedenen Stellen.

"Diese neue Liquiband-Technik bietet die Möglichkeit, die Schwachstelle ohne Nähte und Klammern verlässlich und stark zu stützen. Das Risiko von 'Netzwanderungen' oder Missempfindungen wie Kribbeln oder Nervenschmerzen ist dadurch nahezu gänzlich ausgeschlossen", .

"Die aktuellen Leitlinien empfehlen ganz klar, Netze bei Brüchen mittels Kleber anstelle von Klammernähten zu fixieren. Auf diese Weise müssen keine penetrierenden, möglicherweise die Nerven schädigenden Ankerpunkte mehr gesetzt werden", sagt Helmut Weiss, Chirurgievorstand am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg. "Zusätzlich kann das Netz zur besseren Haltbarkeit auch an jenen Stellen gut verankert werden, die für Klammernähte bislang tabu waren", ergänzt der Mediziner. (red, 15.7.2015)

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