Uni-Räte: Vergütungen bis zu 36.000 Euro pro Jahr

15. Juli 2015, 14:55
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Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer von den Grünen kritisiert Qualifikationsdefizite der Universitätsräte

Zwischen 36.000 Euro und null Euro pro Jahr: So viel erhalten Vorsitzende der Universitätsräte für ihre Tätigkeit im "Aufsichtsrat" der Universitäten. Jedoch nicht nur die Entgelte für die Uni-Räte gestalten sich unterschiedlich: Auch die Sitzungsdisziplin scheint unterschiedlich ausgestaltet zu sein. Das geht aus einer Anfragebeantwortung des Wissenschaftsministeriums an die Grünen hervor.

Großzügige Med-Uni Innsbruck

Derzeit entscheiden die Uni-Räte selbst, wie hoch ihr Salär ausfallen soll. Als sich selbst gegenüber äußerst großzügig erweist sich der Universitätsrat der Medizinischen Universität Innsbruck. Im Jahr 2013 erhielt der Vorsitzende eine Pauschale von 29.000 Euro, 2014 waren es 36.000 Euro. Sein Stellvertreter erhielt 2014 27.000 Euro. An die übrigen fünf Mitglieder wurden der Anfragebeantwortung zufolge im Jahr 2013 81.500 und im Jahr 2014 104.000 Euro ausbezahlt. Die Sitzungsdisziplin im Uni-Rat an der Innsbrucker Med-Uni dürfte recht ausgeprägt sein: Seit der Beginn der Funktionsperiode im März 2013 bis zum 2. Juni 2015 hat der Universitätsrat 17 Sitzungen abgehalten, bei 13 Sitzungen war das Gremium vollständig.

Umstrittener Rat an Musik-Uni

Auf Platz zwei in puncto Vergütungen rangiert der Rat der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Nach einer höchst umstrittenen Rektorenbestellung – und dem Geldangebot in der Höhe von 180.000, später 200.000 Euro an den Vizerektor Rudolf Hofstötter, wenn dieser geräuschlos und unter absolutem Stillschweigen seinen Posten zwei Jahre vor Ablauf der Amtszeit verlassen und zurücktreten würde – wurde dieser von der Betriebsversammlung erst kürzlich zum Rücktritt aufgefordert. Die Vorsitzende des Uni-Rats erhält pro Monat eine Pauschale von 2.000 Euro, für den Stellvertreter gibt es monatlich 1.800 Euro, für die übrigen Mitglieder 1.500 Euro. Von bisher 16 Sitzungen waren 13 vollzählig.

Nur Kaffee in Leoben

Nichts zu holen gibt es für Uni-Räte an der Wirtschaftsuniversität Wien. Dort hat das Gremium beschossen, die aktuelle Funktionsperiode ehrenamtlich auszuüben. Von bisher 14 abgehaltenen Sitzungen waren neun vollständig besetzt. Der Uni-Rat der WU hat bisher zudem keine Reisekosten abgerechnet, dafür erwies sich die Verpflegung als etwas großzügiger. Im Jahr 2014 wurden 5.838,11 Euro für das leibliche Wohl aufgewandt.

Weniger gut versorgt scheinen die Uni-Räte an der Montan-Uni in Leoben zu sein. Dort wird den Mitgliedern bei den Sitzungen nur Kaffee serviert. Von bisher zehn abgehaltenen Sitzungen waren lediglich vier vollständig besetzt. Waltraud Klasnic, ehemalige Landeshauptfrau der Steiermark, erhielt als Vorsitzende im Jahr 2014 ein Honorar von 8.000 Euro und zusätzlich ein Sitzungsentgelt von 1.800 Euro.

12.000 Euro für Vorsitzenden der größten Uni

An der größten Uni des Landes, der Uni Wien, gibt es jährlich 12.000 Euro für den Ratsvorsitz und 7.200 für die einfache Mitgliedschaft sowie 200 Euro pro Sitzung. Für eine vergleichsweise geringe finanzielle Entschädigung arbeitet man an der zweitgrößten heimischen Uni, der Uni Graz: Dort erhält der Ratsvorsitzende 7.200 Euro pro Jahr, die einfachen Mitglieder 4.800 Euro, Sitzungsgelder gibt es keine.

Freiwilliger Verzicht

Mancherorts verzichten Uni-Räte auch auf ihr Entgelt. So überlässt zum Beispiel die Vorsitzende der Veterinärmedizinischen Universität ihre jährliche Vergütung in der Höhe von 9.000 Euro der Hochschülerschaft. Auch an der Technischen Universität Graz verzichten drei Mitglieder auf ihre Pauschalen in der Höhe von 6.000 Euro. Dafür werden herausragende Wissenschafter an die Universität eingeladen.

Hohe Reisekosten an der Wiener Med-Uni

Neben den Vergütungen wurden auch unter anderem die Reise- und Unterbringungskosten für die Ratsmitglieder abgefragt: Hier fällt die Medizin-Uni Wien aus dem Rahmen: Sie wendete dafür trotz eines nur fünfköpfigen Rats seit März 2013 rund 91.000 Euro auf – ein Ratsmitglied ist ein an einer US-Uni beschäftigter Wissenschafter. Auch die Medizin-Uni Innsbruck kommt für ihren siebenköpfigen Rat auf knapp 60.000 Euro Reise- und Unterbringungskosten. Die meisten Unis bleiben dagegen unter 10.000 Euro. Je nach Uni fielen seit März 2013 zwischen neun und 18 Sitzungen des Rats an.

Obergrenzen werden eingeführt

Künftig soll es eine Obergrenze für das Salär der Uni-Räte geben. Eine entsprechende Gesetzesnovelle ist derzeit in Begutachtung.

Die künftigen Vergütungen für Mitglieder des Universitätsrates werden sich an den durchschnittlichen Bandbreiten der bisherigen Vergütungen orientieren, heißt es auf Anfrage des STANDARD aus dem Wissenschaftsministerium. Einzelne Ausreißer wie bisher soll es nicht mehr geben. Über die genauen Summen werde man gemeinsam mit den entsprechenden Institutionen Detailgespräche führen. Ziel sei eine gerechte und dem Aufwand entsprechende Vergütung sowie eine Harmonisierung der bestehenden unterschiedlichen Modelle.

Neben einer Obergrenze für die Vergütung der Uni-Räte fordert Sigrid Maurer, Wissenschaftssprecherin der Grünen, im Gespräch mit dem STANDARD eine Professionalisierung. Vielerorts seien Qualifikationsdefizite festzustellen. "Viele Uni-Räte verstehen das System Universität nicht und wollen es wie Unternehmen führen", kritisiert sie. Von Wissenschaftsminister Mitterlehner (ÖVP) fordert sie gesetzliche Vorgaben, was die Qualifikation der Räte betrifft, und "ein Ende der politischen Besetzung nach rot-schwarzem Proporz". (Katrin Burgstaller, 15.7.2015)

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Kommentar: "Es geht nicht nur um Gagen"

  • Sigrid Maurer von den Grünen fordert das Ende des Proporzes bei der Bestellung der Uni-Räte.
    foto: apa

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