Schwechat: 54 Flüchtlinge in Kastenwagen entdeckt

15. Juli 2015, 13:07
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Akuter Sauerstoffmangel im Laderaum – Frau musste schon in Ungarn reanimiert werden

Schwechat – Unter schier unfassbaren Bedingungen sind einmal mehr Flüchtlinge nach Österreich geschleppt worden: Wie die Landespolizeidirektion Niederösterreich am Mittwoch mitteilte, wurden im Gemeindegebiet von Schwechat 54 Menschen aus einem Kastenwagen mit ungarischem Kennzeichen befreit. Im nur knapp acht Quadratmeter großen Laderaum hatte akuter Sauerstoffmangel geherrscht.

Eine Streife des Stadtpolizeikommandos Schwechat hatte das offensichtlich überladene Fahrzeug in Mannswörth angehalten. Der Hecktür entstiegen letztlich 24 Männer, zwölf Frauen und 18 Kinder. Die Einzelpersonen und Familien stammen aus dem Irak, aus Syrien sowie Afghanistan. Der 51-jährige bulgarische Lenker wurde wegen des Verdachts der Schlepperei festgenommen. Er soll für die Fahrt 500 Euro erhalten haben.

Dichtungsgummi aus Seitentür gerissen

Den Ermittlungen zufolge hatte eine Frau bei akutem Sauerstoffmangel noch in Ungarn das Bewusstsein verloren. Sie musste bei einem Nothalt auf der Autobahn durch Mund-zu-Mund-Beatmung reanimiert werden, teilte die Polizei mit. In der Folge wurden die Flüchtlinge zwar mit Wasser versorgt, die Fahrt wurde jedoch unter den gleichen Bedingungen fortgesetzt. Die Migranten rissen sogar den Dichtungsgummi aus der Seitentür, um durch den schmalen Spalt zumindest etwas Luft in den Innenraum des Kastenwagens zu leiten.

Der mutmaßliche Schlepper wurde in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert. Bargeld an Bord und das Schlepperfahrzeug wurden sichergestellt. Der überwiegende Teil der Migranten beantragte nach Polizeiangaben internationalen Schutz in Österreich.

Ähnlicher Fall in Oberösterreich

Über einen ähnlichen Fall berichtete die Landespolizeidirektion Oberösterreich am Mittwoch in einer Aussendung. Demnach hat die Polizei am Sonntag zwei Schlepper bei der Westautobahnabfahrt Sattledt (A1/Bezirk Wels-Land) festgenommen. Die beiden Bulgaren hatten 47 Menschen in einen Kastenwagen gepfercht und waren mit dem Ziel Deutschland von Ungarn über den ehemaligen Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland nach Österreich gekommen.

Die beiden 33 und 57 Jahre alten Bulgaren hatten den Kastenwagen in Budapest übernommen und die 47 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, hineingepfercht. Im Bereich Voralpenkreuz verursachten sie einen Unfall und begingen Fahrerflucht. Der jüngere versuchte das Fahrzeug weiter zu lenken, den geschleppten Personen gelang es jedoch, die Türe zum Laderaum zu öffnen und ins Freie zu flüchten. So kam der Wagen bei der Abfahrt Sattledt zu stehen.

Die erste eintreffende Streife griff den 33-Jährigen, der sich unter den Geschleppten versteckte, auf. Der 57-Jährige wurde auf seiner Flucht auf der Autobahn geschnappt. Sie wurden in ihrem Heimatland von Mitgliedern einer international agierenden Schlepperbande rekrutiert. Die in der EU ansässige Organisation sei auf der Westbalkanroute tätig, Ermittlungen in Ungarn und Bulgarien seien eingeleitet worden, erklärte die Exekutive. (APA, 15.7.2015)

  • 54 Menschen wurden in dem Laderaum zusammengepfercht.
    foto: apa/lpd nö

    54 Menschen wurden in dem Laderaum zusammengepfercht.

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