Suhrkamp-Aktionär Hans Barlach gestorben

15. Juli 2015, 12:04
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Hatte sich jahrelang Rechtsstreit mit Verlagschefin Ulla Unseld-Berkewicz geliefert

Berlin – Er war Hauptfigur im spektakulärsten Verlagsstreit der deutschen Nachkriegsgeschichte: Der Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach lieferte sich als Miteigentümer des Suhrkamp-Verlags jahrelang einen beispiellosen Machtkampf mit Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz. In der Nacht auf Mittwoch ist Barlach 59-jährig in Hamburg an einer Lungenentzündung gestorben.

Barlach war 2006 gegen den erklärten Willen von Unseld-Berkéwicz in den Verlag eingestiegen – er übernahm die Anteile eines früheren stillen Teilhabers aus der Schweiz. Die Verlagschefin, Witwe von Siegfried Unseld, sprach von einer "feindlichen Übernahme", umgehend ließ sie die Rechtmäßigkeit der Beteiligung prüfen. Er warf ihr im Gegenzug Unfähigkeit vor – ein jahrelanger Rechtsstreit durch alle Instanzen entbrannte.

Erst Ende vergangenen Jahres sorgte das Bundesverfassungsgericht für eine Art Waffenstillstand: Die obersten Richter gaben grünes Licht für die von Unseld-Berkéwicz angestrebte Umwandlung des Traditionshauses in eine Aktiengesellschaft. Mit diesem Coup, durch ein Insolvenzverfahren auf den Weg gebracht, wurde Barlach weitgehend entmachtet, verlor wichtige Mitspracherechte. Seither herrschte Ruhe um den Vorzeigeverlag, der einst Heimat etwa von Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht oder Christa Wolf war.

Schwerer Schlag

Für Barlach muss diese Lösung ein schwerer Schlag gewesen sein, auch wenn er sich öffentlich nicht äußerte. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt, dürfte zudem in der unüberschaubaren Menge von Prozessen und Verfahren viel Geld verloren haben. Die Sympathien der renommierten Suhrkamp-Autoren hatte er ohnedies nicht gewinnen können – sie stellten sich klar auf die Seite der Verlegerin, drohten zum Teil gar mit Abwanderung, sollte Barlach das Sagen bekommen.

Am Schluss blieb der Unternehmer mit seiner Schweizer Medienholding und der ursprünglichen 39-Prozent-Beteiligung zwar Aktionär, aber seine Schlacht war geschlagen. "Bis zum Schluss hat Herr Barlach dazu beigetragen, die

Streitigkeiten friedlich beizulegen", sagte sein Vertrauter, Medienholding-Verwaltungsratspräsident Carl Ulrich Mayer. (APA, 15.7.2015)

  • Medienunternehmer Hans Barlach wurde 59 Jahre alt.
    foto: imago stock & people

    Medienunternehmer Hans Barlach wurde 59 Jahre alt.

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