Trentino will Zahl der Braunbären reduzieren

15. Juli 2015, 11:38
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Provinz Trient fordert mehr Freiheit beim Fang und der Tötung gefährlicher Exemplare – Tierschützer protestieren – Rund 50 Tiere sorgen für Kontroverse

Bozen – Die Braunbären in der norditalienischen Region Trentino vermehren sich und sorgen für Probleme. Nachdem sie in den vergangenen Monaten einen Jogger schwer verletzt und mehrere Tiere gerissen haben, wollen die Behörden im Trentino die Zahl der Braunbären reduzieren, was den heftigen Protest von Tierschützern auslöst.

Mehr als 50 Alpenbären (Ursus arctos arctos) leben zurzeit im Trentino. Im Jahr 1999 startete ein Interreg-Projekt, unterstützt von der Europäischen Gemeinschaft, mit dem Ziel, die im nordwestlichen Trentino heimische Braunbärenpopulation als letzte innerhalb der Alpen zu erhalten. Damals wurden neun Braunbären in der Gegend freigesetzt.

Die autonome Provinz Trient will die Regeln im Umgang mit den Braunbären nun ändern. In einem Schreiben an das Umweltministerium in Rom forderte der Präsident des Trentino, Ugo Rossi, mehr Freiheit beim Fang und der Tötung gefährlicher Braunbären. In Anbetracht auf die zunehmende Bärenzahl würden die bestehenden Regeln bei weitem nicht ausreichen, meinte Rossi.

Anti-Bären-Spray

Braunbären sollten nicht nur dann getötet werden, wenn sie den Menschen angreifen, sondern auch wenn sie wiederholt schwere Schäden verursachen, hieß es im Schreiben. Rossi bat das Umweltministerium, spezielle Sprays gegen Bären einsetzen zu dürfen. Auch über die Gesamtzahl der Bären müsse diskutiert werden. Alle Braunbären seien hauptsächlich im Trentino zu finden. Ursprünglich hatte das vor Jahren initiierte Projekt "Life Ursus" zum Bärenschutz vorgesehen, dass sich Tiere auch in Nachbarregionen wie Südtirol, Veneto, Lombardei, Friaul niederlassen sollten, was jedoch nicht erfolgt sei.

Zugleich werde noch nach der Bärin gejagt, die im Juni den Jogger verletzt hatte, berichtete Rossi. Das Umweltministerium habe die Zustimmung für die Einrichtung einer technischen Kommission gegeben, die Strategien im Umgang mit den Bären entwickeln sollen.

Rossis Schreiben löste die wütende Reaktion der Tierschützer aus. Der Tierschutzverbands LAV betrachtet den Bären einmal mehr als Opfer einer Hetzkampagne. Der Verband will der technischen Kommission beitreten, die das Umweltministerium einrichten will. "Bären sind keine Gegenstände, die man einfach wegwerfen kann", meinte ein LAV-Sprecher.

Der italienische Umweltminister Gian Luca Galletti versucht zu kalmieren. Sein Ministerium garantiere dem Trentino Unterstützung im Umgang mit der Bärenproblematik. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass Braunbären eine geschützte Tierart sei, mit der man im Einklang mit internationalen Regeln umgehen müsse. (APA, 15.7.2015)

  • Den Hundeartigen soll es im Trentino an den Kragen gehen.
    foto: reuters/ints kalnins

    Den Hundeartigen soll es im Trentino an den Kragen gehen.

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