Umbruch in der Krebsforschung

15. Juli 2015, 11:34
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Der diesjährige Europäische Onkologenkongress in Wien wird sich vor allem der Gesundheitspolitik und Grundlagenforschung widmen

Wien – "Derzeit befindet sich unser Verständnis zu Krebs wieder einmal im Umbruch", so der Wiener Onkologe Christoph Zielinski im Vorfeld des bevorstehenden Europäischen Krebskongresses, der zwischen dem 25. und 29. September in Wien stattfinden wird.

"Wir haben in den vergangenen Jahren zu verstehen begonnen, wie wir bei manchen Krebserkrankungen mit Medikamenten eingreifen können, die ganz speziell auf von der Molekularbiologie identifizierten Zielen ansetzen. Doch nicht immer funktioniert das. Wir wissen mitunter nicht, warum das so ist", ergänzt der Onkologe.

Vielfältige Herausforderungen

Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) hat beim Kongress der amerikanischen Onkologengesellschaft (ASCO) im Frühjahr dieses Jahres ein völlig neues Klassifizierungssystem für die klinische Wertigkeit von Therapien bei Tumorerkrankungen veröffentlicht. Das Schema listet drei Stufen (A, B, C) für Krebsmedikamente auf, die eine Heilung bringen sollen. Für Onkologika, die zur möglichst langen Kontrolle einer unheilbaren Krebserkrankung eingesetzt werden, gibt es fünf Kategorien (1, 2, 3, 4, 5).

"Es ist klar, dass der Wert jedes neuen Krebsmedikamentes durch die Größe der klinischen Wirksamkeit im Vergleich zu seinen Kosten bestimmt wird. Aber es hat bisher kein standardisiertes Tool gegeben, um diese Bewertung zu bewerkstelligen", erklärt der israelische Onkologe Nathan Cherny vom Shaare Zedek Medical Center in Jerusalem. Mit der Klassifizierung gibt es jetzt ein Werkzeug, um die wichtigsten Innovationen in der Onkologie zu bewerten.

Doch die "Zeit brennt" buchstäblich, auch bei der Demografie der Krebsspezialisten selbst: "Wir haben in unserem Bereich ebenfalls einen Generationenwechsel wie sonst in der Ärzteschaft auch. Also müssen wir uns bemühen, für die Onkologie des 21. Jahrhunderts den Nachwuchs an Spezialisten in unserem Fachgebiet zu gewährleisten. Auch das wird Gegenstand der Diskussionen beim Kongress in Wien sein", ergänzt Zielinski. Dem Burn-out durch den ständigen Umgang mit Schwerkranken gilt es dem Experten zufolge ebenfalls zu begegnen.

Politische Fragen

"Wir haben auch eine Menge an 'politischen' Themen. Bei den politischen Themen gibt es 'externe' und 'interne'. So müssen wir sicherstellen, dass auch in jenen Ländern Europas, wo nicht so viele finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, den Patienten Zugang zu den neuen Therapien ermöglicht wird", ergänzt der Krebsspezialist.

Selbst für in Österreich seit 15 Jahren in der Brustkrebstherapie eingesetzte Medikamente wie Trastuzumab müsse man in Ländern Zentral- und Südosteuropas für die Bezahlung noch immer Anträge stellen, deren Bearbeitung durchaus lang dauert. (APA, 15.7.2015)

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