Tod eines Unbewaffneten: US-Gericht veröffentlichte Video von Polizeieinsatz

15. Juli 2015, 09:10
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Polizisten wurden zu vermeintlichem Raub gerufen und erschossen Diebstahlopfer

Los Angeles/Wien – Zwei Jahre nachdem ein unbewaffneter Tatverdächtiger bei einem Polizeieinsatz in der kalifornischen Stadt Gardena erschossen worden war, ließ ein Gericht im US-Bundesstaat die Überwachungsaufnahmen aus zwei Polizeiautos veröffentlichen.

Auf den Videos sind drei Männer zu sehen, die im Verdacht stehen, ein Fahrrad gestohlen zu haben. Drei Polizisten, die wegen eines Fehlers der Leitstelle fälschlicherweise von einem Raubüberfall ausgehen, richten ihre Waffen auf die Verdächtigen, die mit erhobenen Armen am Straßenrand stehen; einer von ihnen scheint durch die Anweisungen verwirrt zu sein und nimmt seine Kappe ab, ehe die Beamten mehrere Schüsse aus ihren Dienstwaffen abgeben.

Aus zwei Perspektiven ist zu sehen, wie der 35-Jährige, von acht Projektilen getroffen, zu Boden geht. Er starb an den Folgen der Schussverletzungen, ein zweiter Mann wurde durch einen Schuss in den Rücken schwer verletzt. Veröffentlicht wurden die Aufnahmen nun unter anderem von der "Los Angeles Times" unter dem Titel "This is the video Gardena police didn't want you to see". Das Medium hatte gemeinsam mit der Nachrichtenagentur AP und dem Medienunternehmen Bloomberg vor Gericht um Veröffentlichung der bisher unter Verschluss gehaltenen Bilder angesucht.

Öffentliches Interesse gegeben

US District Judge Stephen V. Wilson gab der Anfrage statt, da die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse an der Veröffentlichung habe. Die Stadt Gardena hatte sich zuvor mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Herausgabe gewehrt. Die Anwälte der Stadt argumentierten, dass die Sache nach einer Zahlung von 4,7 Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro) an die Hinterbliebenen des Opfers zu den Akten gelegt werden sollte.

"Das Argument der Verteidigung geht hier nach hinten los", erkannte Wilson, "denn die Tatsache, dass dafür Geld der Stadt und also Steuereinnahmen aufgewendet wurden, verstärkt das öffentliche Interesse sogar noch". Darüber hinaus seien die Videos, auch wenn sie aufgrund der Vorfälle erschütternd und verstörend sind, nicht so explizit oder blutig, dass sie für ungebührliche Zwecke missbraucht werden könnten.

"Kaltblütiges Erschießen eines unbewaffneten Mannes"

Vor dem tödlichen Polizeieinsatz in der Nacht des 2. Juni 2013 waren die drei Beamten zu einem vermeintlichen Überfall vor einer Apotheke gerufen worden. Ein Mitarbeiter der Notrufzentrale gab diesen Umstand fälschlicherweise weiter, obwohl es sich um einen Diebstahl handelte. Wie sich später herausstellte, war der Getötete jener Mann, dem das Rad gestohlen wurde. Seine beiden Begleiter hatten ihm bei der Suche geholfen.

Der Einsatz habe "tragisch für alle Beteiligten" geendet, schrieb der Polizeichef von Gardena, Ed Medrano, in einer Aussendung am Dienstag. Die Beamten würden ab sofort überarbeitete taktische Methoden und Techniken trainieren.

Der zuständige Staatsanwalt erachtete das allerdings nicht als Schuldeingeständnis und weigerte sich, Anklage gegen die Polizisten zu erheben. Weil die rechte Hand des Verdächtigen aus Sicht der Beamten für kurze Zeit verdeckt gewesen sei, war es vernünftig anzunehmen, dass er nach einer Waffe greift, gab die Staatsanwaltschaft in einem Memo bekannt. Anwälte der Stadt Gardena, einer 60.000-Einwohner-Gemeinde im Los Angeles County, sagten, dass der 35-Jährige zudem Zurufe der Polizisten mehrfach ignorierte.

Die Anwälte der Hinterbliebenen hielten dagegen, dass es sich um das "kaltblütige Erschießen eines offensichtlich unbewaffneten Mannes" handelte und unterstützten trotz der Bezahlung der 4,7 Millionen Dollar durch die Stadt die Forderung nach der Veröffentlichung des Videos. (red, 15.7.2015)

  • Ein vermeintlicher Fahrradräuber, der in Wahrheit Opfer eines Fahrraddiebstahls war, wurde 2013 bei einem Polizeieinsatz getötet.
    foto: ap/gardena police department

    Ein vermeintlicher Fahrradräuber, der in Wahrheit Opfer eines Fahrraddiebstahls war, wurde 2013 bei einem Polizeieinsatz getötet.

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