Franzosen scharen sich um ihren unpopulären Präsidenten

14. Juli 2015, 18:48
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François Hollande schlug in Rede zu Nationalfeiertag Parlament der Euroländer vor

Welch schönes und sonderbares Land! Frankreich feierte am Dienstag seinen Nationalfeiertag "Quatorze Juillet" mit Tanzbällen, Feuerwerken und einer farbenprächtigen Truppenparade über die Pariser Champs-Élysées. Zehntausende verfolgten säbelbewehrte Gendarminnen und bärtige Fremdenlegionäre, Federbüsche und Bérets, die Marseillaise und den Chant des Partisans, den Gesang der Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg.

Als Kontrapunkt zu den blitzenden Uniformen enthüllte das engagierte Online-Portal Mediapart, dass die Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen französische Soldaten in Westafrika nicht der Vergangenheit angehörten, sondern "weitergehen". Aber auch diese Form von Résistance gegen das Militär gehört in Frankreich zum Ritual: Seit der Revolution von 1789 gehört der 14. Juli genauso den Roten wie den Patrioten.

Auch Antiterror-Einheiten dabei

Neu war am Dienstag einzig, dass auch Anti-Terror-Einheiten wie GIGN, Raid und BRI über die Champs-Élysées defilierten. Sie traten mit Helmen und Sonnenbrillen an, mit zahlreichen Orden auf der Brust. Die Nation erbrachte ihnen damit eine Hommage, nachdem sie die Attentäter der "Charlie Hebdo"-Redaktion und des jüdischen Supermarktes Anfang Jänner ohne Kollateralschäden neutralisiert hatten.

An der Spitze der 3000-köpfigen Truppenparade fuhr der Staatschef vom Triumphbogen aus die rot, weiß und blau beflaggte Prachtavenue im offenen Wagen stehend ab. Da Nationalfeiertag war, blieben sogar die Pfiffe, die François Hollande regelmäßig empfangen, aus: Die Franzosen scharten sich hinter dem Präsidenten wie früher hinter dem Monarchen – so unpopulär er auch sein mag. Immerhin hat der siebente Präsident der Fünften Republik in letzter Zeit einige Pluspunkte gesammelt. In der Griechenlandkrise verteidigte er das vorrangige Ziel Frankreichs, den Grexit zu verhindern. "Ich sage nicht, dass Frankreich gewonnen hat", meinte er nach der Truppenparade im üblichen Fernsehinterview am Nationalfeiertag. "Europa hat gewonnen."

Festhalten an "europäischer Idee"

Lieber sprach der Staatschef über Außenpolitik und fordert Teheran auf, zu einer Lösung in Syrien und im Irak beizutragen. Auch wärmte er die französische, von Deutschland skeptisch beäugte Idee einer EU-Wirtschaftsregierung auf. Neu schlägt er ein Parlament der Euroländer vor. Zugleich machte Hollande aber auch klar, dass er die Achse Berlin- Paris nicht weiter strapazieren will: "Ohne Frankreich und Deutschland kommt Europa nicht voran." Und wenn er Griechenland weiterhin seine Hilfe zusage, gehe es ebenfalls um die "europäische Idee". Diese ist allerdings gemäß Hollande nichts anderes als eine vergrößerte Idee Frankreichs. Es gehe um "eine gewisse Idee Frankreichs", meinte der 60-Jährige mit Bezug auf einen Ausdruck des Begründers der Fünften Republik, Charles de Gaulles. (Stefan Brändle, 14.7.2015)

  • Der französische Präsident François Hollande in seinem Kommandowagen bei der traditionellen Militärparade zum Nationalfeiertag in Paris. An der Parade nahmen auch Anti-Terror-Einheiten teil.
    foto: ap / thibault camus

    Der französische Präsident François Hollande in seinem Kommandowagen bei der traditionellen Militärparade zum Nationalfeiertag in Paris. An der Parade nahmen auch Anti-Terror-Einheiten teil.

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