Das Zusatzvertrauen hinterm Wulkator

14. Juli 2015, 18:01
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Mattersburg startet demnächst wieder in die Erstklassigkeit. Mit einer neuen Spiellinie, einer neuen Galionsfigur, aber mit der alten Tugend der Kaltblütigkeit.

Mattersburg – Als der SV Mattersburg im 2013 an der Kellerstiege stand und dann ausgerechnet von Didi Kühbauers Admira hinuntergeschubst wurde, tat Martin Pucher einen Schwur. "Wenn ihr seht, dass ich das dort abbaue" – der SVM-Obmann lenkte den Blick auf die Zusatztribüne hinter dem Tor an der Wulka -, "dann wisst ihr: Es ist vorbei, dann hab ich kein Vertrauen mehr."

Die kühn emporstrebende Tribüne steht immer noch. Auch das Annus horribilis 2013/14, als man auch in der Ersten Liga ums Überleben gerauft hatte, überlebte sie.

Wahrscheinlich beschreibt das den SVM am besten. Abfärbend von Martin Pucher, hat dieser Fußballverein stets wenn schon keinen kühlen Kopf – wo im Fußball gäbe es den? -, so doch kaltes Blut bewahrt.

Nur die Ruhe

Selbst jetzt, da man sich gegen einen an sich selbst verrückt gewordenen LASK wieder hochgestrampelt hat in die Bundesliga, versucht ein jeder sich nicht auch narrisch zu machen. Franz Lederer, der bundesligagestählte Trainer, der jetzt den Sportdirektor macht, schon gar nicht.

"Wir haben", sagt er jedenfalls, "eine konkurrenzfähige Mannschaft." Dass die ins Auge gefasste und wohl auch notwendige Defensivverstärkung – Innenverteidiger, Zweiergoalie – noch nicht da ist, macht ihn nicht irre. Der SVM habe nämlich eine neue Zauberformel für sich und gegen die anderen gefunden. "Teamspirit."

Das mache es leicht, aber schwer auch. "Im Training gibt jeder alles, ist mit Freude dabei. Man hat das in der letzten Saison auch auf dem Platz gesehen." Andererseits muss Lederer höllisch aufpassen bei Neuzugängen, dass die auch in diese Elf-Freunde-Freude passen. So ein Händchen wie zuletzt, als er den Achter Michael Perlak, den Flügeltornado Karim Onisiwo und den spielenden spanischen Sechser Jano holte – so ein Händchen hat man nicht immer.

Mit diesen Spielern gelang es jedenfalls dem Trainerteam um Ivica Vastic – auch so eine kaltblütige Entscheidung des Rapid-affinen Pucher für den Violettoiden -, dem SVM eine spielerische Linie zu verpassen. Zuvor war der SVM wenn schon eine nicht holzhackende, so doch hölzerne Truppe, mit Hang zum Ho-Ruck.

Du-auf-du-Vorbild

Ob das Spielen auch oben funktioniert, wird die spannende Frage sein. Rund ums Pappelstadion, aber auch oben auf dem Gelände der Akademie, wo die Profis trainieren und so nebenbei den Jungen ein Du-auf-du-Vorbild geben zum Nacheifern, wird gern und recht drastisch über die Bau- und Leerstellen in der Mannschaft geredet. Lederer will diese Baustellen gar nicht abstreiten. Mehr Sorgen macht ihm aber, dass in der Vorbereitung nur ein Spiel verloren gegangen ist. Selbst Dukla Prag bog man unlängst mit 4:1. Sowas kann auch den Kaltblütigsten abergläubisch machen.

Klar, auch die Trainer haben diesbezüglich die Hasenpfote im Hosensack. Andererseits leben die drei – Chef Vastic, Co Markus Karner und Konditionör Ernst Moser – nicht minder den Teamgeist, sagt Lederer und sagen sie selber. Jeder tut, was eben jeweils zu tun ist. Nicht mehr. Aber vor allem auch nicht weniger. Vastic, so ließe sich das veranschaulichen, ist dabei die Galionsfigur, die dem SVM-Schiff quasi die Richtung weist. Hinter ihm Kapitän, Erster Offizier, Maat und all die Ruderer.

Und hinter all denen klarerweise der Reeder. Der hat da in den vergangenen Jahren eine durchaus feine Flotte aufs Meer geschickt. Ein Beiboot ist zuletzt untergegangen: Die Amateure sind nun Landesligisten.

Die Profis starten am Freitag im nahen Sollenau in den Cup. Und in der Woche darauf ins Meisterschaftsgeschäft. Daheim. Hinterm Wulkator, vom Spielfeld aus gesehen rechts, werden die Anhänger der Roten Bullen sitzen, stehen schreien, singen. Und schauen, ob die Wiese im Pappelstadion gemäht ist. Oder, wie Vastic und die anderen, wenn schon nicht glauben, so doch hoffen, eher nicht. (Wolfgang Weisgram – 14.7. 2015)

  • In der Strenge die Zuversicht: Ivica Vastic schreitet voran.
    foto: apa/punz

    In der Strenge die Zuversicht: Ivica Vastic schreitet voran.

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