Hypo: Gängiges Honorar für Erinnerungslücken

14. Juli 2015, 18:05
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Beim Verkauf der Hypo-Consultants-Beteiligungen hinkten Erkenntnisse der Aufklärung hinterher. Neben Erinnerungslücken gab es im U-Ausschuss Dementis

Wien – Im Fokus des Hypo-U-Ausschusses stand am Dienstag Alon Shklarek, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens ASP Consulting, die den Verkaufsprozess der Hypo-Consultants-Beteiligungen von 2005 bis 2007 begleitet hat. Dafür will ASP laut Shklarek ein Honorar von knapp fünf Millionen Euro erhalten haben, was er trotz mehrfacher Einwände der Parlamentarier als branchenübliche Vergütung verteidigte.

Eine Ansicht, die Neos-Abgeordneter Rainer Hable nicht nachvollziehen konnte. Vielmehr wollte er von Shklarek wissen, ob dieser bereit sei, vier Millionen von dem Honorar an die Steuerzahler zurückzuzahlen. Die Auskunftsperson wiederholte, dass das Entgelt nicht überhöht gewesen sei. Shklarek gab zudem an, dass sein Honorar um eine Million verringert worden sei und die Hypo erst neun Monate nach Rechnungslegung gezahlt hätte.

Ob die ASP zum Zeitpunkt der Beauftragung über ausreichend Personal für den Auftrag verfügt habe, beantwortete deren Geschäftsführer indirekt. Es wurden aus anderen ASP-Gesellschaften Mitarbeiter zugezogen, am Projekt hätten zwölf Personen mitgearbeitet. Erster Teil des Auftrags war laut Shklarek eine Grobanalyse, der Zweite eine Detailanalyse und schließlich noch die Begleitung des Verkaufs.

Kein Zugang zur Wiener SPÖ

Mit Entschiedenheit wies Shklarek den von FPÖ-Mandatar Christian Hafenecker, der sich auf ein anonymes Schreiben der Finanzmarktaufsicht stützte, vorgebrachten Vorwurf von sich, dass er dem damaligen Hypo-Alpe-Adria-Chef Wolfgang Kulterer im Gegenzug für den Consultants-Auftrag Zugang zur Wiener SPÖ zugesagt habe: "Das ist nicht nur falsch, sondern auch eine Unterstellung." Shklarek verneinte auch, Geschäfte mit Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer vor dem Consultants-Verkauf geschäftliche Beziehungen gepflegt zu haben. Er habe diesen erst Ende 2007 kennengelernt.

Auch um den Verkaufsprozess an sich, der mit der Übertragung von großen Teilen der Consultants im Jahr 2007 an die kroatische Auctor Projekt um 65 Millionen Euro endete, bestand Aufklärungsbedarf. In der Beauftragung der Verkaufsbegleitung sei zunächst eine Verpflichtung festgehalten worden, wonach der potenzielle Käufer 50 Prozent des Kreditobligos der Hypo refinanzieren müsse. Beim Verkauf übernahm Auctor zwar sogar eine 100-prozentige Refinanzierungsquote, allerdings kamen die Mittel dafür neuerlich aus dem Hause Hypo. Die Frage, ob dieses Kredit-Ringelspiel Sinn mache, verneinte Shklarek – warum dies geschehen sei, wisse er jedoch nicht.

Teures Weingut in Kroatien

Die Consultants hat laut dem ASP-Geschäftsführer über mehr als 100 Beteiligungen in sieben Landesgesellschaften verfügt, deren Werthaltigkeit sein Team auch vor Ort geprüft habe. Shklarek gab an, dass von den Consultants-Beteiligungen einige gut und wertvoll gewesen sein sollen, andere nicht. Über die Höhe der internen Bewertung der Consultants weiß Shklarek nur noch so viel, dass sie unter dem tatsächlichen Kaufpreis gelegen sei.

Zu einigen Beteiligungen seien sehr wenige Informationen vorgelegen, weshalb einige davon nicht in den Verkauf inkludiert wurden. Die Consultants-Gesellschaft in Liechtenstein verblieb etwa zur Gänze bei der Hypo. Darunter soll sich auch ein kroatisches Weingut befinden, dem Sanierungsbedarf nachgesagt worden sei, das ASP mit 11,4 Mio. Euro veranschlagt habe. Wie die Bewertung zustande gekommen ist, wisse er nicht mehr, sagte Shklarek – auch nicht, welcher seiner Mitarbeiter den Fall betreut habe.

Neos-Mandatar Rainer Hable stellte plakativ in den Raum, dass es sich bei der Hypo-Affäre um eine Art Banküberfall gehandelt habe. Von der Auskunftsperson Alon Shklarek wollte er wissen, ob dieser bereit sei, einen Großteil des Hypo-Beraterhonorars zugunsten der Steuerzahler zurückzuzahlen. Diesbezügliche Zusagen blieb Shklarek jedoch schuldig. (Alexander Hahn, 15.7.2015)

  • Neos-Mandatar Rainer Hable stellte plakativ in den Raum, dass es sich bei der Hypo-Affäre um eine Art Banküberfall gehandelt habe.
    apa / klaus techt

    Neos-Mandatar Rainer Hable stellte plakativ in den Raum, dass es sich bei der Hypo-Affäre um eine Art Banküberfall gehandelt habe.

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