Tsinghua auf Kauf in den USA programmiert

14. Juli 2015, 17:11
posten

Der chinesische Chipriese Tsinghua greift nach dem US-Spezialisten Micron. Es ist die bisher größte Übernahme eines US-Konzerns durch Chinesen

Peking / San Francisco – In der Chipbranche bahnt sich die bisher größte Übernahme eines US-Konzerns durch ein chinesisches Unternehmen an. Die von der Regierung in Peking gestützte Tsinghua Unigroup wolle Micron Technology 23 Milliarden Dollar (20,7 Milliarden Euro) anbieten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Vorhaben könne bereits am Mittwoch bekanntgegeben werden, berichtete das Wall Street Journal.

Ein Micron-Sprecher erklärte allerdings am Dienstag, es sei kein Gebot eingegangen. Micron mit Sitz in Idaho ist in den USA der letzte große Hersteller dynamischer Speicherchips, im Fachjargon DRAM-Chips genannt, die in PCs laufen. In China würde die Übernahme die Position von Tsinghua als Vorreiter der Technologiebranche stärken. In der Weltliga der Chiphersteller spielt China bisher nicht mit.

Angst vor Spionage

Doch die Volksrepublik strebt nicht zuletzt aus Furcht vor Cyberspionage eine eigenständige Chipproduktion an. Dabei kommt Tsinghua Unigroup eine zentrale Rolle zu. Das Unternehmen ist aus einer Beteiligungsgesellschaft hervorgegangen und wird von der angesehenen Tsinghua-Universität in Peking kontrolliert. Im vergangenen Jahr mauserte es sich durch den Kauf zweier chinesischer Halbleiterhersteller zum Chipkonzern und ging seitdem milliardenschwere Partnerschaften mit Intel und Hewlett-Packard ein, um Chinas Kompetenz auf dem Gebiet auszubauen.

Weltmarktführer Samsung Electronics sowie Rivale SK Hyinx – beide in Südkorea domiziliert – produzieren zwar in der Volksrepublik. Keiner der Branchengrößen der Chipindustrie hat aber seinen Konzernsitz in China. Micron produziert neben PC-Chips auch sogenannte NAND-Halbleiter, die in zukunftsträchtigeren Mobilgeräten wie Smartphones zum Einsatz kommen.

Günstiger Zeitpunkt

Der Zeitpunkt für eine Übernahme scheint nicht ungünstig: Micron hat wegen Preisverfalls und gedämpfter Nachfrage nach PC-Chips weniger verdient. Der ausschüttungsfähige Nettogewinn brach im dritten Quartal um 39 Prozent auf 491 Millionen Dollar (438,2 Mio. Euro) ein. Der Umsatz ging auf 3,85 Milliarden Dollar zurück, im Vorjahresquartal waren es 3,98 Milliarden gewesen.

Insgesamt war das Vorjahresgeschäft für Micron nicht das schlechteste. Das Geschäft mit Speicherchips brummte laut Marktforscher Gartner, Micron und SK Hynix verzeichneten das stärkste Wachstum, weil auch der Absatz klassischer Prozessoren dank eines erholten PC-Markts angezogen hat. Weltweit größter Chiphersteller ist Intel, gefolgt von Samsung.

Einkaufstour in den USA

Chinesische Unternehmen sind schon länger auf Einkaufstour in den USA: So erwarb der weltgrößte Computerhersteller Lenovo unlängst von Google den Handyhersteller Motorola und von IBM die Serversparte. Sollte Tsinghua tatsächlich eine Offerte legen, dürften sowohl US-Behörden als auch chinesische den Deal genau unter die Lupe nehmen. In den USA wird es um nationale Sicherheit gehen, in China um die Genehmigung für milliardenschwere Investitionen im Ausland.

Anleger reagierten euphorisiert, Micron-Aktien notierten vorbörslich fast 13 Prozent höher. Gemessen am Schlusskurs von Montag, entspricht die Tsinghua-Offerte einem Aufschlag von gut 19 Prozent. (Reuters, ung, 15.7.2015)

  • Tsinghua will mit Technologie von Micron aufrüsten.
    reuters / kai pfaffenbach

    Tsinghua will mit Technologie von Micron aufrüsten.

Share if you care.