Yoko Ono und die Liebe zum MoMA

18. Juli 2015, 10:00
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Es ist erlaubt, das Museum of Modern Art in New York als das rundum herzerwärmendste Museum zu mögen. Sie haben dort auch einen netten Umgang mit Autos

Das Haus, der Häuserblock ist ja nicht bloß in New York, sondern so was von punktgenau inmitten des köstlichen Wahnsinns, dass du es manchmal schon aus Erschöpfung ansteuerst, mit letzter Kraft bei dem Löwen und der schlafenden Zigeunerin landest (Henri Rousseau), um den Pulsschlag zu senken.

Dann aber in eines der beiden dermaßen frohgelaunten Cafés auf ein Grünzeug-Baguette mit Pastrami, und du bist wieder bereit für die Brandung zwischen 5th Avenue und Broadway, die dich hoffentlich fünf Blocks hochspülen wird bis zum rettenden Central Park, mit verschwitzter Kreditkarte beim Vorbeigehen von Sak's und We-don' t-even-look-at-it-honey. Ja, Honey Bunny, natürlich, ich hab's gesehen, sie haben auch TASCHEN, aber du hast doch schon eine am Arm, wer will denn noch mehr schleppen.

In der Jugend unserer Kulturgeschichte bezogen Autofreunde die Museumsweihen durch die Tatsache, dass das erste Ding, das man im MoMA zu sehen bekam, ein Auto war. Zwar das einzige Auto auf allen sechs Stockwerken, aber immerhin: Sie BEGRÜSSTEN dich oberhalb der Lobby mit einem Auto, quasi an die Wand genagelt. Mein erstes MoMA-Auto war ein Cisitalia, unglaublich, diese Finesse, ein weder berühmtes noch überirdisch schönes Auto zu wählen, aber gerade vor der Wand im MoMA fing man zu denken an: Vielleicht doch ein Epochenauto? Klar, wissen wir heute.

Kultauto für Amerika

Dann hatten sie den VW Käfer erkoren, das Kultauto für Amerika in den 50er- und 60er-Jahren, angefeuert von legendärer Werbung ("Das Ei" und "Think Small"). Der spezielle Käfer, am Lobbyaufgang, war ein 1959er-Modell, in Blassgrün wie kurz vorm Sterben (euphemistisch: Reseda), und barg schon eine Ahnung von dem US-Safety-Irrwitz, der auf das Ende aller Cabrios abzielte und uns jedenfalls die schrecklichen Stoßstangen bescherte. In der US-Version des 1959er-Käfers gab es schon eine erste Andeutung: Den "Handtuchhalter" als Sprosse oberhalb der (ansonst noch stilistisch intakten) vorderen Stoßstange. Angesehen vom Blassgrün der Karosse: hey, Weißwandreifen.

Dieser Tage gibt es noch immer die Autobegrüßung im MoMA oberhalb der Lobby. Jetzt ist es der wunderbare Formel-1-Ferrari von 1990, der eine ausgewachsene Geschichte von Design und Genie und Drama impliziert, Stichwort John Barnard.

Ferrari hin, Ferrari her, Martin Winterkorn ist angereist, und bevor wir uns über den eleganten Sidestep des schwer fußballaffinen VW-Konzerns und seines Vortänzers wundern, nehmen wir die Dinge so straight, wie sie gewiss gemeint sind: Volkswagen sucht Kultur, hat das MoMA schon vor ein paar Jahren gefunden, erneuert jetzt die Partnerschaft für zwei Jahre.

Weltweites Bildungsangebot

Es ist kein simples Rüberschieben von Sponsorgeld für den Museumsbetrieb des großen Hauses, sondern das Fortführen des weltweiten Bildungsangebots des MoMA, ein einzigartiges Programm digitalen Lernens und Schaffens von Kunstverständnis – so barrierefrei wie nur denkbar. Daneben wird die schräge Schwester des MoMA, das PS1 drüben in Queens, speziell gefördert – ganz gewiss kein Mainstream-Thema der Volkswagen-Kundschaft, aber aufregend, witzig, unbeschwert, wie man halt gern sein möcht', insofern passt's eh.

Dass dieses freundliche Kunstbemühen etwas mit dem irrlichternden Weg des Konzerns auf dem US-Markt zu tun haben mag, liegt auf der Hand, wird von Winterkorn aber im staatsmännischen Überbau erkannt, "im Engagement für Gesellschaft, Kultur und Bildung". Nicht überraschend kommt demnächst auch China dran.

Das zeitliche Zusammenfallen war ein Zufall. Im Haupthaus läuft derzeit Yoko Onos One Woman Show, wiedergeboren aus den 1960er-Jahren, und heute trifft uns natürlich der Schlag, wie vernagelt wir als Kids waren. Selbst der berühmte, trotzdem doofe Apfel auf dem Plexiglas-Ständer kriegt was Heiligmäßiges, wenn du nur lang genug davor stehst, und dann hat sie dich eh schon am Haken, die wunderbare Dame.

Zerschlagene Vase

Sie war Ehrengast des Dinners, hatte zuvor (wohl mithilfe kräftigerer Hände) eine sehr ansehnliche Vase zerschlagen und bot allen Gästen an, ein kleines Trumm zu entnehmen. Wir wollen uns dann in zehn Jahren treffen, alle miteinander, und die Vase wieder zusammensetzen, nach dem Ebenbild der zweiten, intakten Vase. Ich hab nur ein kleines Stück abgekriegt, aber ihr werdet mich brauchen in zehn Jahren, damit euch nicht was fehlt.

Kurzer Hinweis für NY-Besucher dieser Tage: Yoko Ono, es sollte wirklich sein. Der schöne Österreich-Salon des MoMA ist grundsätzlich unverändert: Hoffmann, Kokoschka, Schiele, Klimt, dazu kommt Adele II als Leihgabe, wer weiß, wie lang. Man wird das genießen und dann eine Dreiviertelstunde uptown zur Neuen Galerie spazieren, sich ein bisserl anstellen, um dann der Adele I in die Augen zu schauen. Glücklich, wer noch einen Tisch im quasi dazugehörigen Kaffeehaus erwischt. Viel mehr geht nicht an einem Tag in Manhattan. Dann ein Gin Tonic, und wir schauen, was am Abend geht. (Herbert Völker, Rondomobil, 17.7.2015)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Wir sehen eine intakte Vase und Yoko Ono (82), zart und eher scheu, aber unveränderlich ein Hammer von einer Lady.
    foto: michael tinnefeld

    Wir sehen eine intakte Vase und Yoko Ono (82), zart und eher scheu, aber unveränderlich ein Hammer von einer Lady.

  • Autos sind ihr eher wurscht, aber die Kultur ist ein weites Land: Yoko Ono, Kurator Biesenbach, VW-Chef Winterkorn.
    foto: michael tinnefeld

    Autos sind ihr eher wurscht, aber die Kultur ist ein weites Land: Yoko Ono, Kurator Biesenbach, VW-Chef Winterkorn.

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